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Meßmers Reisen

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Meßmers Reisen

Mit Meßmers Reisen knüpft Martin Walser an sein 1985 erschienenes Buch Meßmers Gedanken an. Es ist eine Selbst- und Welterkundung von geradezu bestürzender Radikalität. Was der Autor hier vorstellt, ist nichts weniger als eine Art innerster Autobiographie, eine Autobiographie der Existenz. Er bezieht nicht den Schutzraum einer erzählten Geschichte, sondern erfindet sich die Figur Meßmer, an die er sich nachdenklich, aggressiv, erkenntnissüchtig wendet; immer wieder wechselt er dabei vom »er« zum unverstellten »ich«, das sich weder Maske noch Schonung gönnt. Walser läßt seinen Meßmer unterwegs sein als jemand, der seine Erfahrung nicht geringschätzt und doch mit schärfster Neugier alles und sich selbst in Frage stellt – eben, um neue Erfahrungen zu machen jenseits des Meinens.

Pressestimmen

“ ›Meßmers Gedanken‹ – ein schmales, aber ein großes Buch; eindringlicher als manch dickleibiger Roman. […] Man darf es getrost Martin Walser radikalstes Buch nennen.“ Fritz J. Raddatz, Die Zeit

„Meßmers Reisen kommt fast ohne Personal aus, ohne eigentliche Fabel, ohne ausschweifende Handlung. Das ist die Stärke des Buchs. […] Fazit: Ein stilles, aber ein großes Buch. Eines, für das man den Entblößungs- und Verbergungskünstler Walser lieben muss. Meßmers Reisen, ein Prosastück, das bleibt.“ Siegmund Kopitzki, Südkurier

„Messerscharfe Beobachtungen, die mit aphoristischer Brillanz formuliert sind. … Walsers bestes Buch der letzten zehn Jahre. … geistreich, pointiert und sprachlich ausgefeilt. Ein großes Alterswerk!“ Peter Mohr, Hamburger Abendblatt

Mein-Literaturkreis.de Rezension
von Literaturkreismitglied Hildegard B., Hamburg

„Das Buch liest sich als gesammelte Eindrücke über das Leben schlechthin… Jeder Satz bietet Diskussionsstoff.“

Bewertung des Buches: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮
Bewertung der Eignung zur Diskussion in Literaturkreisen: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮

„Vorweg gesagt: Ich bin kein Fan von Martin Walser, habe bisher nur zwei Bücher von ihm gelesen, bin kein Kenner, bin mit seinen Texten nicht vertraut, nicht gewachsen.
Dieses Buch lag von Anfang an gut in meiner Hand, 191 Seiten, auch optisch gefällt es mir sehr gut.
Eine handschriftliche Notiz auf dem Umschlag fällt mir sofort ins Auge:
“ Reise-Allegorie.
Ich bin der Hauptbahnhof der Probleme. Auf Gleis eins fährt ein der Tod, bitte nicht einsteigen. Vorsicht an Gleis zwei, es fährt durch die Liebe, die hier nicht hält. In Kürze fährt auf Gleis drei der verspätete Hass ein. Er endet hier. Bitte, Vorsicht bei der Einfahrt des Hasses “
Neugierig schlage ich das Buch auf, stutze, lese, blättere, stutze…: einzelne Sätze, inhaltlich ohne Zusammenhang, in großem Abstand gedruckt. Erst weiter hinten werden die Texte länger und stehen teilweise auch in einem Zusammenhang.
Keine Spur von Herrn Meßmer, statt dessen alltägliche Feststellungen, lustig oder ernst, Anmerkungen, lapidar oder pathetisch, Meditationen, Sinnsprüche, Aphorismen. Nichts, was für uns im herkömmlichen Sinn einen Roman ausmacht.
Dann taucht Herr Meßmer auf, mit Reiseskizzen, Tagebuch ähnlichen Eintragungen, Erinnerungen. Aber Walser spricht nicht nur von ‚er‘, sondern schreibt immer wieder ‚ich‘, so dass der Eindruck entsteht, dass Herr Meßmer und Martin Walser dieselbe Person sind, das Buch also autobiographische Züge trägt.

Das Buch liest sich als gesammelte Eindrücke über das Leben schlechthin, über Glück und Unglück, über das Alltägliche und das Besondere, über Politik, über Sex,den Tod, über Erfolge, aber auch unerfüllte Hoffnungen: ehrlich, nachdenklich, resignierend, kurz.
Ich habe es mit zunehmendem Interesse und Begeisterung gelesen und finde es sehr gut. Ich konnte es allerdings nicht in einem Stück durchlesen. Dafür waren mir die einzelnen Einträge zu wichtig und zu inhaltsschwer, über die sich das Nachdenken lohnt.
Das macht das Buch auch für Lesekreise so attraktiv. Jeder Satz bietet Diskussionsstoff.“

Über Martin Walser

Martin Walser wurde 1927 am Bodensee geboren. Nach seinem Arbeitsdienst erlebte er das Ende des Zweiten Weltkrieges als Soldat der Wehrmacht. Nach Kriegsende machte er das Abitur und studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie. Mit einer Dissertation zu Franz Kafka wurde er promoviert. Von 1949 bis 57 arbeitete er beim Süddeutschen Rundfunk. In dieser Zeit unternahm er Reisen für Funk und Fernsehen nach Italien, Frankreich, England, CSSR und Polen und schrieb erste Hörspiele. Seit 1953 wurde Walser regelmäßig zu den Tagungen der Gruppe 47 eingeladen, die ihn 1955 für die Erzählung Templones Ende auszeichnete. Sein erster Roman Ehen in Philippsburg erschien 1957 und wurde ein großer Erfolg. Walser lebte von da an mit seiner Familie als freier Schriftsteller am Bodensee.

Wir haben zu Martin Walser ausführliche Informationen zu seinem Leben, Werken, Auszeichnungen, Verfilmungen, etc. zusammengestellt:
» zur Autorenseite von Martin Walser

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