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5 Fragen an Christine Stemmermann, Lektorin im Diogenes Verlag

Der Diogenes Verlag aus Zürich hat in den letzten Jahren viele Krimis veröffentlicht. Wir sprachen im September 2015 mit der Lektorin Christine Stemmermann.

Mit vielen Titeln und bekannten Autoren wie Donna Leon, Ingrid Noll, Petros Markaris, Martin Walker, Hansjörg Schneider, Barbara Vine u.a. bietet der Diogenes Verlag ein umfangreiches Programm an Krimis an. Wie kam Ihr Verlag dazu, dieses Genre in das Verlagsprogramm aufzunehmen? Wie wichtig sind Krimis für Ihren Verlag?

Der Gründer des Diogenes Verlags, Daniel Keel – ein passionierter Leser und ehemals selbst Buchhändler – sah Krimis genau nicht als Genreliteratur an. Er hielt nicht viel von der Unterscheidung zwischen „ernster“ und „unterhaltender“ Literatur. Für ihn einzig entscheidend war, dass eine Geschichte gut und spannend erzählt ist. Er hielt es mit Voltaire: „Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige.“

Aus Sicht der LeserInnen scheint es in den letzten Jahren ein ‚Krimirevival‘ gegeben zu haben: In vielen Städten finden Krimifestivals statt, für jede Region scheint es eigene Regionalkrimis zu geben und in Großstädten kann man sich in Krimi-Buchhandlungen beraten lassen. Sehen Sie dies genauso? Sind aus Sicht eines Verlages Krimis in?

Ja durchaus. Gemäß einer Erhebung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ist jedes vierte verkaufte Buch der Spannungsliteratur zuzurechnen. Natürlich versuchen viele Verlage an dieser Entwicklung Anteil zu haben, wenn auch nicht jeder mit derselben Tradition. In Amerika hat man noch nie einen so strengen Unterschied zwischen ernst und unterhaltend gemacht, im deutschen Sprachraum war Diogenes hier der Vorreiter.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Genres in der Zukunft?

Da die Verhältnisse immer krimineller werden, mache ich mir um die Zukunft des Krimis keine Sorgen… Doch Spaß beiseite: Man kann das Krimimuster ja auch weiterentwickeln. Ich persönlich bewundere immer wieder, wie geschickt Donna Leon damit spielt. So wird sie denn auch von vielen Leuten gelesen, die keine typischen Krimileser sind.

Kriminalliteratur ist in Literaturkreisen (bislang) kaum bekannt. Mit welchen Argumenten würden Sie einen Literaturkreis davon überzeugen, auch einmal einen Krimi zu lesen und zu diskutieren?

Kriminalliteratur ist auch deshalb bei Diogenes gut vertreten, weil sie, ohne zu belehren, so viel über den Zustand der Gesellschaft verrät. Deshalb könnten ihre Themen auch für Literaturkreise interessant sein. Petros Markaris, der ja Dürrenmatt ins Griechische übersetzt hat, geht sogar so weit zu sagen, dass der Kriminalroman heute die Funktion erfüllt, die früher ein Balzac übernahm: Der Kriminalroman, das ist der heutige Gesellschaftsroman, sagt er. Seit seiner Tetralogie über die Griechenlandkrise wird er von hochrangigen Medien immer wieder zur Situation seines Landes befragt.
Oder nehmen wir Ingrid Noll, die hier gerade Autorin des Monats ist: Gerade ihr leichter Ton kann helfen, Gespräche über heikle Themen anzustoßen: In Ehrenwort kommt das Thema Pflege zur Sprache, in Hab und Gier die Sterbehilfe. Und das neueste Buch Mittagstisch kann einen Gedankenaustausch anstoßen über Single Parents, Geselligkeit und Vereinsamung, über Mittagstische als Begegnungsort mit Emigranten, als Datingplattform etc.

Wer ist Ihr persönlicher Lieblings-Krimi-Autor? Welches Ihr Lieblingskrimi und warum?

Ich denke, viele Lektoren lieben das Buch am meisten, das sie gerade betreuen. Mindestens geht es mir so, weil dies der Moment ist, wo man all die Finessen des Textes am deutlichsten sieht. So ist es mir beinahe unmöglich, mich zwischen den einzelnen Titeln von Ingrid Noll, Donna Leon und Barbara Vine zu entscheiden. Ein großartiger Autor aber, den ich dank Donna Leon neu entdecken durfte, ist Ross Macdonald. Ross Macdonalds Detektiv Lew Archer ist von großer Feinfühligkeit und alles andere als knallhart. Es ist ein Leseabenteuer, diesen Autor neu zu entdecken, dem die Literaturgeschichte mit der Etikette „hard boiled“ beinahe ein wenig Unrecht getan hat.

Über den Diogenes Verlag

Diogenes-LogoGegründet 1952 ist der Schweizer Verlag Diogenes heute der größte belletristische Verlag Europas. In einer Gesamtauflage von fast 220 Millionen Exemplaren sind bisher über 4770 Titel erschienen. Diogenes Bücher wurden in 81 Sprachen übersetzt. Der Verlag wurde im Jahr 2014 zum 13. Mal von den deutschsprachigen Buchhändlerinnen und Buchhändlern zum Verlag des Jahres gewählt.

Das Verlagsprogramm ist vielfältig und umfasst neben Klassikern wie Shakespeare, Flaubert und Dickens; moderne Klassiker wie F. Scott Fitzgerald, George Orwell sowie Patricia Highsmith; Bestsellerautoren wie John Irving, Paulo Coelho, Ian McEwan und viele erfolgreiche deutschsprachige Autoren wie Friedrich Dürrenmatt, Urs Widmer, Erich Hackl, Bernhard Schlink, Doris Dörrie, Martin Suter und Patrick Süskind.

Neben Belletristik erscheinen auch Kunst- und Cartoonbände sowie Kinderbücher. Gute Kriminalliteratur hat ebenfalls einen festen Platz im Verlagsprogramm: Hier ermitteln Raymond Chandler, Patricia Highsmith, Donna Leon, Jakob Arjouni, Martin Walker und Ingrid Noll.

www.diogenes.ch

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  • Unsere Neuentdeckung des Monats September 2017: ‚Das perfekte Leben des William Sidis‘ von Morten Brask

    Neuentdeckung des Monats:

    ‚Das perfekte Leben des William Sidis‘ von Morten Brask

    Er gilt als einer der intelligentesten Menschen aller Zeiten. Man schätzte seinen Intelligenzquotienten auf über 250. Mit 6 Monaten kann er sprechen, mit 18 Monaten bereits eine Zeitung lesen. Mit 6 Jahren beherrscht er 10 Sprachen. Der Amerikaner William Sidis war um 1900 ein Wunderkind.

    Trotzdem kennt ihn heute kaum jemand. Das wird sich hoffentlich nun ändern, denn der dänische Autor und Historiker Morten Brask erzählt in seinem Debütroman das Leben dieses außergewöhnlichen Genies.

    Mit großem Einfühlungsvermögen fühlt er sich dabei in die Psyche seines Protagonisten hinein. Es entsteht das Bild eines einzigartigen Menschen.

    Wir stellen das Buch und den Autor ausführlich vor:
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  • Unser Buch des Monats September 2017: ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Buch des Monats:

    ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Einfach so erzählt die Geschichte einer Frau, die in New York zu Hause ist. Sie schreibt Nachrufe für eine Zeitung, lebt mit ihrem Ehemann, einem Künstler, in einem weitläufigen Loft, hat drei aufmüpfige, aber wohlgeratene Kinder, und wenig Außergewöhnliches drängt sich in den Ablauf ihrer Tage. Das Außergewöhnliche liegt in ihr selbst, in ihrer Art, die Umwelt wahrzunehmen.

    Lily Brett, geboren 1946, ist eine australisch-amerikanische Autorin. Mit diesem Buch, erschienen 1995, wurde sie bekannt.

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