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Selma Lagerlöf

Unsere Autorin des Monats Juni 2017!

Das Buchpaket mit verschiedenen Werken der Autorin sowie einer Biografie hat ein Lesekreis der VHS Prien am Chiemsee gewonnen.

Lagerlöf-SelmaSelma Lagerlöf, geboren 1858 auf dem Familiensitz Mårbacka und dort 1940 gestorben, war zehn Jahre lang Lehrerin, danach freie Schriftstellerin. Für ›Gösta Berling‹ erhielt sie 1909 den Literatur-Nobelpreis und wurde als erste Frau Mitglied der Schwedischen Akademie. Lagerlöf ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Schwedens und gehört zu den schwedischen Autoren, deren Werke zur Weltliteratur zählen. Sie verfasste religiöse, fantasievolle und heimatverbundene Werke sowie Kinderbücher.

Ausführliche Biografie

Selma Lagerlöf wurde 1858 auf Gut Marbacka geboren. Der Familiensitz wurde bereits seit drei Generationen jeweils an die Töchter der Familie weitervererbt.

Lagerlöf wurde mit einem Hüftleiden geboren. Im Alter von drei Jahren waren ihre Beine nach einer Krankheit vollständig gelähmt, später verschwand die Lähmung jedoch wieder. Ein leichtes Hinken blieb zurück. Ihre (leichte) körperliche Behinderung stilisierte Selma Lagerlöf bewusst in ihrer Autobiografie: Gerade ihr Schicksal als Außenseiterin schien sie zum Schriftstellerberuf zu prädestinieren.

Als sich die wirtschaftliche Lage in Värmland in den 1860er Jahren verschlechterte, war davon auch das Gut der Familie betroffen. Lagerlöf erlebte dies als Jugendliche mit, und die Angst vor dem Verlust des Heims verarbeitete sie später in vielen Werken. 1890, nach dem Tod des Vaters, musste Mårbacka verkauft werden.

Lagerlöf machte eine Ausbildung zur Volksschullehrerin. Von 1885 bis 1895 arbeitete sie als Lehrerin in Landskrona. Während dieser Zeit schrieb sie ihren ersten Roman, Gösta Berling. Dem Buch lagen Geschichten über die Menschen ihrer Heimat zu Grunde, die sie als Kind gehört hatte. 1890 gewann Lagerlöf mit fünf Kapiteln aus dem entstehenden Roman bei einem Novellenwettbewerb der Zeitschrift Idun. Der fertige Roman erhielt jedoch zunächst überwiegend negative Kritiken und verkaufte sich schlecht. Erst nach einer außerordentlich positiven Rezension des bekannten dänischen Literaturkritikers Georg Brandes setzte sich Gösta Berling allmählich durch; heute ist es eines der am meisten gelesenen schwedischen Bücher.

Nach Aufgabe ihres Berufes unternahm sie zunächst bis 1896 eine große Reise durch Südeuropa. 1897 zog Selma Lagerlöf zu ihrer Schwester nach Falun in Dalarna, u.a. weil Dalarna als Zentrum schwedischen Brauchtums und schwedischer Volkskultur galt. In der Gemeinde Nås in der Nähe von Falun war im Jahr 1896 eine Gruppe von Bauern infolge einer religiösen Erweckung nach Jerusalem ausgewandert, um sich dort einer amerikanischen Sekte anzuschließen. Dies machte Selma Lagerlöf zum Thema ihres Romans Jerusalem – neben Vilhelm Mobergs Auswandererromanen das zweite große Auswandererepos in der schwedischen Literatur. Der erste Band von Jerusalem war bereits unmittelbar nach seinem Erscheinen ein großer Erfolg und bedeutete ihren endgültigen Durchbruch.

1906 schrieb sie ihr bekanntestes Buch: Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen. Dieser Roman entstand im Auftrag des schwedischen Volksschullehrerverbandes und sollte in den Schulen als Lesebuch verwendet werden. Nils Holgersson ist die phantastische Geschichte eines vierzehnjährigen Jungen, der zur Strafe für seine Bösartigkeit in ein Wichtelmännchen verwandelt wird und gemeinsam mit den Wildgänsen durch ganz Schweden reist, wobei er in vielerlei moralische Konflikte gerät. Nils Holgersson stellt gleichzeitig einen Erziehungs- und Entwicklungsroman und ein liebevolles Porträt Schwedens dar. Die einzelnen Landschaften werden, häufig in Form von Sagen und Märchen, vorgestellt, wobei auch damals aktuelle Informationen, beispielsweise über die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Schwedens, eingestreut werden. Nils Holgersson wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

1908 kaufte Selma Lagerlöf das Gutshaus von Mårbacka zurück. 1909 erhielt sie den Literatur-Nobelpreis und konnte mit dem Preisgeld auch das Land zurückkaufen.

Selma Lagerlöf engagierte sich insbesondere in Frauenfragen. 1911 hielt sie in Stockholm bei einem internationalen Frauenkongress eine vielbeachtete Rede. Dass eine weltbekannte Frau, Nobelpreisträgerin und Gutsbesitzerin sprach, der das Wahlrecht (das Frauenstimmrecht wurde in Schweden erst 1921 eingeführt), verweigert wurde, machte die Rede besonders brisant.

Im Jahr 1933 beteiligte sich Selma Lagerlöf an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland. 1940 half sie der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs, nach Schweden zu fliehen, und rettete so deren Leben.

Um Finnland während des Winterkrieges 1939 finanziell zu unterstützen, spendete Selma Lagerlöf ihre goldene Nobelpreis-Medaille. Am 16. März 1940 in ihrem Haus.

Literarische Themen

Selma Lagerlöf wird häufig in erster Linie als Schriftstellerin betrachtet, die ihre värmländische Heimat schildert. Sie sah es als eine Lebensaufgabe an, die Lebensweise in ihrer Heimat und auf dem Gut ihrer Eltern darzustellen und so für spätere Generationen zu bewahren.
Die Bandbreite der von Selma Lagerlöf behandelten Themen geht aber weit darüber hinaus: Ein immer wiederkehrendes Motiv in ihrem Werk ist die Notwendigkeit, Schuld zu sühnen, einerseits und die versöhnende und erlösende Kraft der Liebe andererseits. Auch interessierte sich Selma Lagerlöf lebhaft für die menschliche Psychologie und die Schilderung von Seelenzuständen.

Andere häufig vorkommende Themen sind die Konfrontation weiblich–männlich und problematische Vater-Tochter-Beziehungen, aber auch damals aktuelle Geschehnisse und Entwicklungen.
Quelle: Wikipedia, stark gekürzte Fassung

Pressestimmen

„Die Schauplätze der Wirklichkeit bevölkerte sie mit Figuren der Einbildungskraft … Darin liegt Selma Lagerlöfs Bedeutung für die Weltliteratur.“ Die Zeit

Auszeichnung

1909 erhielt Selma Lagerlöf als erste Frau den Literaturnobelpreis „auf Grund des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen“.

Werke

  • Gösta Berlings saga, Roman, 1891 („Gösta Berling“, 1896)
  • Osynliga länkar, Erzählungen, 1894 („Unsichtbare Bande“)
  • Antikrists mirakler, Roman, 1897 („Die Wunder des Antichrist“)
  • En herrgårdssägen, Roman, 1899 („Eine Gutsgeschichte“)
  • Drottningar i Kungahälla, 1899 („Die Königinnen von Kungahälla“. Novellen)
  • Jerusalem, Roman, 2 Bde., 1901 und 1902 („Jerusalem“, 1902/03)
  • Herr Arnes penningar, Erzählung, 1904 („Herrn Arnes Schatz“)
  • Kristuslegender, Erzählungen, 1904 („Christuslegenden“)
  • Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige, Roman, 1906–1907 („Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“)
  • Liljecronas hem, Roman, 1911 („Liljecronas Heimat“)
  • Körkarlen, Roman, 1912 („Der Fuhrmann“, auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Der Fuhrmann des Todes“)
  • Kejsarn av Portugallien, Roman, 1914 („Der Kaiser von Portugallien“)
  • Troll och människor, Erzählungen, 1915–21 („Geschichten von Trollen und Menschen“)
  • Bannlyst, Roman, 1918 („Geächtet“, auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Das heilige Leben“)
  • Mårbacka, Memoiren, 1922 („Mårbacka“, 1923)
  • Romantrilogie: Löwensköldska ringen, 1925 („Der Ring des Generals“, 1925), Charlotte Löwensköld, 1925 („Charlotte Löwensköld“, 1926), Anna Svärd, 1928 („Anna, das Mädchen aus Dalarne“, 1929)
  • Ett barns memoarer, Memoiren, 1930 („Memoiren eines Kindes“, auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Aus meinen Kindertagen“)
  • Dagbok för Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, Memoiren, 1932 („Tagebuch der Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf“)
  • Höst, 1933 („Herbst“)
  • Från skilda tider, 1943–45, postum

Verfilmungen

Mehrere von Lagerlöfs Werken wurden verfilmt, u.a. Gösta Berling und Nils Holgerssons wunderbare Reise – zuerst 1980 als Zeichentrickserie und 2011 als Fernsehfilm.

Zitat aus Gösta Berling

„O, Kinder späterer Zeiten! Ich habe euch nichts Neues zu erzählen, nur das, was alt und fast vergessen ist. Sagen habe ich aus dem Kinderzimmer, wo die Kleinen auf niedrigen Schemeln um die Märchenerzählerin mit den weißen Haaren saßen, oder vom Holzfeuer in der Hütte, wo die Knechte und Kätner saßen und sich unterhielten, während der Dunst aus ihrer feuchten Kleidung drang und während sie Messer aus der um den Hals gehängten Lederscheide zogen, um Butter auf dickes, weiches Brot zu schmieren, oder von Sälen, wo alte Herren in wiegenden Schaukelstühlen saßen und, belebt vom dampfenden Punsch, von vergangenen Zeiten sprachen.“

Weitere Informationen

  • Holger Wolandt: Selma Lagerlöf – Värmland und die Welt – Eine Biografie (Verlag Urachhaus): Auf Grundlage ihrer Briefe, die seit einigen Jahren zugänglich sind, wirft der Autor einen neuen, frischen Blick auf die Autorin.
  • Unsere Neuentdeckung des Monats: Ein Kind namens Hoffnung von Marie Sand

    Unsere Entdeckung des Monats:

    Ein Kind namens Hoffnung von Marie Sand

    20 Jahre, von 1938 – 1958, umspannt der Debütroman der Berliner Autorin. Als LeserIn wird man mitgenommen in das Leben von Elly Berger, die von der Köchin in einer jüdischen Familie zur heimlichen Heldin wird. Sie rettet deren Sohn Leon vor den Nazis, um ihn nach Ende des Krieges den Eltern zurück zu geben. Doch ihre Flucht aus Berlin wird beschwerlicher, dauert länger und endet anders, als geplant.

    „Als Autorin will ich die wahren Schicksale verstehen… Ich will nachfühlen, wie es wirklich geschah.“, so beschreibt die Autorin Marie Sand die Motivation für ihren historischen Roman.

    Wir stellen den Roman und die Autorin ausführlich vor und haben Diskussionsfragen sowie weitere Infos zusammengestellt.

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  • Unser besonderer Buchtipp: Tell von Joachim B. Schmidt

    Unser besonderer Buchtipp:

    Tell von Joachim B. Schmidt

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    Wir stellen den Roman und den Autor ausführlich vor. Vom Diogenes Verlag gibt es dazu passende Diskussionsfragen.

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