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Adressat unbekannt

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Persönliche Bewertung:
4,4/5 (41)

Eignung für Lesekreise:
3,7/5 (3)


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Adressat unbekannt

Unser Buch des Monats Mai 2015!

Im Mai vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. In unserer Reihe ‚Buch des Monats‘ stellten wir zwei außergewöhnliche Romane zum Thema Judenverfolgung und Freundschaft vor: ‚Der wiedergefundene Freund‘ von Fred Uhlman und ‚Adressat unbekannt‘ von Kressmann Taylor.

Die zwei Buchpakete Verlage Diogenes und Atlantik mit jeweils 5 Exemplaren der beiden Bücher haben gewonnen: der Literaturkreis Wabula der Buchhandlung Wachtendonk sowie ein privater Kreis aus Berlin, der sich seit 1961 (!) trifft.

Es gratulieren Mein-Literaturkreis.de und die Verlage Diogenes und Atlantik

»zum zweiten Buch des Monats ‚Der wiedergefundene Freund‘ von Fred Uhlman

«Adressat unbekannt», erstmals 1938 veröffentlicht, ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung, zeichnet dieser Roman in bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft.

Mit einem ausführlichen Nachwort von Elke Heidenreich

Meinung von mein-literaturkreis.de

„Ein starkes Buch über die Kraft von Worten! Auf nur 64 Seiten und in der ungewöhnlichen Form eines Briefwechsels zwischen zwei Freunden entwickelt sich eine Dynamik, die den Leser sprachlos zurücklässt.“

Über das Buch

‘Adressat Unbekannt’ (Englischer Originaltitel: Address Unknown) wurde 1938 im ‘New Yorker Story Magazine’ veröffentlicht. Der Briefroman machte die Autorin über Nacht bekannt. Die Auflage war innerhalb von 10 Tagen ausverkauft und Reader’s Digest druckte eine gekürzte Fassung für seine damals rund 3 Mio. Leser ab. Ein Jahr später, 1939, erschien der Roman als Buch. 50.000 verkaufte Exemplare waren für die damalige Zeit außerordentlich hoch. 1944 wurde das Buch mit Paul Lukas als Martin verfilmt. 1992, 54 Jahre nach seinem Debüt, anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung der Konzentrationslager, druckte der ‚Story Press Books Verlag’ die Geschichte erneut ab. Die Reaktion von Presse und Lesern war erneut stark und positiv.

Die Idee zu dem Roman kam Kressmann Taylor durch einen Zeitungsartikel. Amerikanische Studenten in Deutschland schrieben über Übergriffe der Nazis nach Hause. Nachdem sich ihre Studienkollegen einen Spaß daraus machten, ihnen Briefe zu schicken, in denen sie sich über Hitler lustig machten, schrieben ihnen die Gaststudenten aus Deutschland zurück: „Stop it. We’re in danger. These people don’t fool around. You could murder (someone) by writing letters to him.” (Hört auf damit. Wir sind in Gefahr. Diese Leute meinen es Ernst. Ihr könntet (jemanden) ermorden, indem Ihr ihm Brief schreibt.)

Pressestimmen

„Selten ist so viel in solcher Dichte ausgedrückt worden. … Welche Hellsichtigkeit! Und welche Kraft!“ L’Humanité

 “Diese moderne Geschichte ist die Perfektion selbst. Sie ist die stärkste Anklage gegen den Nationalsozialismus, die man sich in der Literatur vorstellen kann.“  New York Times Book Review

„Ich habe nie auf weniger Seiten ein größeres Drama gelesen. Diese Geschichte ist meisterhaft, sie ist mit unübertrefflicher Spannung gebaut, in irritierender Kürze, kein Wort zu viel, keines fehlt … Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben. ‚Adressat unbekannt’ sollte Schullektüre werden.“ Elke Heidenreich im Nachwort

Informationen zur Entstehung und Struktur der Briefnovelle

  • Einige echte Briefe sollen Kressmann Taylor zu der Geschichte inspiriert haben.
  • Kathrine Taylor, geborene Kressmann wählte für das Buch ein Pseudonym, da ihr Verleger meinte, der politische Text einer Autorin würde nicht ernst genommen.
  • Insgesamt besteht das Werk aus 18 Briefen und einem Telex, davon hat Max Eisenstein 13, Martin Schulse 6 Briefe verfasst.
  • Erster Brief 12. November 1932, letzter Brief 3. März 1934

Über die Autorin

Kathrine Kressmann Taylor wurde 1903 in den USA geboren. Nach dem Studium arbeitete sie als Werbetexterin und Journalistin. Der Roman in Briefen ‚Adressat Unbekannt’, der 1938 erstmals veröffentlich wurde, ist ihr Erstlingswerk. Vier Jahre später, 1942, folgte der Roman ‚Bis zu jenem Tag’, der anhand der Geschichte des real existierenden Leopold Bernhard das Schicksal deutscher Christen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus behandelt. Später unterrichtete sie am Gettysburg College. Kressmann Taylor starb 1996.

Im Vorwort zu einer Neuauflage des Buches in Englisch erzählt Katherine Taylors Sohn die Geschichte der Entstehung des Buches: www.amazon.de/Address-Unknown-Kathrine-Kressmann-Taylor/dp/0743412710/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1351163579&sr=8-2

Der komplette Text des Buches auf Englisch findet sich auf: www.acobas.net/teaching/textbook/address/addressunknown.pdf

Werke

Diskussionsfragen zu Adressat Unbekannt

  • Der erste Brief von Max an Martin datiert vom 12. November 1932. Bereits in seinem Brief vom 9. Juli 1933 kündigt Martin das Ende des Briefwechsels, am 18. August das Ende der Freundschaft an. Ist die Beendigung einer langjährigen Freundschaft nach so wenigen Monaten glaubwürdig? Haben Sie persönlich oder in Ihrem Umfeld eine ähnlich abrupte Beendigung einer engen Freundschaft erlebt?
  • Die Begrüßungs- und Abschiedsformeln in den Briefen variieren stark und ändern sich über die Zeit hinweg. Ist dies von der Autorin bewusst gewählt? Vergleichen Sie die Anrede und Verabschiedung der ersten mit den letzten Briefen. Was fällt Ihnen auf? Gibt es weitere Veränderungen in der Tonalität im Laufe des Briefwechsels?
  • Handelte Max fahrlässig, als er seinem Freund Martin Informationen über den Künstlernamen und Aufenthaltsort seiner Schwester Griselle nannte und ihr die Adresse von Martin mitteilte? Trägt er dadurch eventuell eine Mitschuld an den späteren Ereignissen?
  • Die Reaktion von Max lässt den Schluss zu, dass Martin anders hätte handeln können. Kann Max von Martin erwarten, dass er Griselle hilft und dadurch möglicherweise sich und seine Familie in Gefahr bringt? Welche Alternativen hätte Martin gehabt?
  • „… bin hier einem Juden begegnet, der sich gerächt hat, der zurückgeschlagen und einen der Mörder vernichtet hat.“ schreibt Elke Heidenreich in ihrem Nachwort zum Buch. Ist Martin Ihrer Meinung nach ein Mörder? Falls nein, wessen hat er sich schuldig gemacht?
  • Wie vergleicht sich die Reaktion von Max‘ bewusstem Verfassen falscher Briefe mit der Situation, die dieses Verhalten hervorgerufen hatte – der fehlenden Hilfe von Martin für seine Schwester. Ist diese Rache gerechtfertigt? Hat Max die Verhaftung oder sogar den Tod von Max bewusst herbeigeführt oder zumindest die Möglichkeit gebilligt? Hätte Max anders gehandelt, wenn ihm das Resultat seiner Handlungen bewusst gewesen wäre?
  • Der Buchtitel spielt im Buch gleich zweimal eine Rolle: zum einen, als Max seinen Brief an seine Schwester mit dem Hinweis ‚Adressat unbekannt’ erhält, zum anderen, als der letzte Brief von Max an Martin im März 1934 ungeöffnet zurückkehrt. Ist der Titel der Novelle Ihrer Meinung nach gut gewählt?
  • Der Titel des englischen Originals lautet ‚Address Unknown‘ – Adresse unbekannt. Welcher der beiden Titel geföllt Ihnen besser? Warum?
  • 1938 und auch 1992 wurde der Briefroman mit großem Erfolg veröffentlicht. Was macht die Zeitlosigkeit dieses Werkes aus?
  • 1939 hieß es im New York Times Book Review: “Diese moderne Geschichte ist die Perfektion selbst. Sie ist die stärkste Anklage gegen den Nationalsozialismus, die man sich in der Literatur vorstellen kann.“  Stimmen Sie dieser Aussage zu?
  • Das Buch erhielt bei jedem Erscheinen (1938 und 1992), sowohl in den USA wie auch in den anderen Ländern, in denen es erschien (auch in Frankreich und Deutschland) eine große Aufmerksamkeit und positive Resonanz. Erst 2000 erschien es in Deutschland und gelangte auf die Bestsellerliste. Warum ist es Ihrer Meinung nach bei uns dennoch so unbekannt?
  • „… Worte genügten. So stark sind Worte? Ja, so stark.“ meint Elke Heidenreich in ihrem Nachwort. Kennen Sie weitere Beispiele in der Literatur, wo Worte eine ähnliche Kraft entwickeln?
  • Wie gefiel Ihnen die Form des Briefromans? Eignet sie sich ebenso gut für eine Diskussion wie ein normaler Roman? Kennen Sie andere empfehlenswerte Briefromane?
  • Schreiben Sie noch Briefe? Auf Papier oder elektronisch? Gibt es Ihrer Meinung nach eine Änderung des Schreibstils durch den Wandel der Briefkultur?
  1. Hallo.
    Dieses Büchlein stand lange in meinem Buchregal. Mit 75 habe ich es erstmals gelesen. Ich bin erstaunt, wie schnell Opportunismus sich entwickeln kann.
    Werde es meinen Freundes als Multiplikatoren schenken.
    Danke für diese Zeilen.
    Gruß Gerhard Kastein

    23. Januar 2018 | 11:55 | Gerhard Kastein

One Trackback

  1. Von Empfehlungen vom Bücherstammtisch [Buchtipps] | Tintenhain am 12. Mai 2018 um 11:37 Uhr veröffentlicht

    […] begeisterte sich für den Briefroman „Adressat unbekannt“ und hat dem Klappentext nichts […]

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