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Eine andere Zeit

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Persönliche Bewertung:
4,7/5 (7)

Eignung für Lesekreise:
4,8/5 (6)


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Eine andere Zeit

Die Schwestern Enne und Suse wachsen in den 1970ern in einem Dorf in Vorpommern auf, wo es kaum mehr gibt als die Fahrradfähre nach Usedom und das so abgelegen ist, dass Fremde schon einmal befürchten, »über den Rand zu kippen«.

Suse ist oft krank und Enne muss zurückstecken, weil die Sorge und Zuwendung der Eltern vor allem Suse gilt, was das Verhältnis der beiden Schwestern nicht ganz einfach macht. Es gibt nur wenige Momente der Nähe zwischen ihnen.

Als 1989 Ungarn die Grenzen öffnet, nutzt Suse die Chance und verschwindet in den Westen. Sie lässt nie wieder von sich hören, die Familie rätselt jahrzehntelang darüber, was aus ihr geworden ist. Enne versucht sich in Berlin als Schauspielerin, aber der große Durchbruch bleibt aus und sie geht wieder zurück in ihr Heimatdorf. Dreißig Jahre nach Suses Verschwinden zieht eine geheimnisvolle Frau Pohl bei Enne gegenüber ein und die Gerüchte, wer das sein könnte, schießen ins Kraut …

Helga Bürster erzählt in ihrem neuen Roman von einer, die geblieben ist. Und immer wieder auch von den Nachwirkungen der Wende, vom Verschwinden und vom Bleiben, von Identität und Identitätsverlust.

Mein-Literaturkreis.de Rezension
von Literaturkreismitglied Kerstin Hämke

„Ein wunderbar geschriebener vielschichtiger Familienroman mit viel deutscher Zeitgeschichte.“

Bewertung des Buches: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮
Bewertung der Eignung zur Diskussion in Literaturkreisen:✮ ✮ ✮ ✮ ✮

Die deutsche Teilung hat viele Familien auseinandergerissen, vor und auch noch nach dem Mauerfall. Helga Bürster hat für ihren neuen Roman ein Ost-West-Thema gewählt, weil es sie interessiert hat, was aus denen geworden ist, die geblieben sind. Das Buch, eine Familiengeschichte über drei Generationen zwischen Ost und West, spielt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Usedom. Im Mittelpunkt stehen zwei Schwestern, Enne und Suse. Die eine verlässt die DDR, die andere bleibt im Osten. Ein wunderbar geschriebener vielschichtiger Familienroman mit viel deutscher Zeitgeschichte.

Über Helga Bürster

Helga Bürster, geboren 1961, ist in Dötlingen, einem Dorf bei Bremen aufgewachsen, wo sie auch heute wieder lebt.

Sie studierte Theaterwissenschaften, Literaturgeschichte und Geschichte in Erlangen und ist seitdem als Autorin, Schauspielerin und Regisseurin tätig.

Seit 1996 arbeitet sie als freiberufliche Autorin. Zu ihren Veröffentlichungen zählen Sachbücher und Regionalkrimi sowie Hörspiele. 2019 erschien ihr literarisches Debüt Luzies Erbe.

Die Autorin führt auch Schreibwerkstätten durch. Weitere Informationen dazu auf ihrer Webseite unter Termine.

Webseite der Autorin: www.helga-buerster.de

Werke von Helga Bürster

  • Luzies Erbe, 2019
  • Eine andere Zeit, 2022

Leseprobe

Pressestimmen

»Helga Bürsters neuer Roman … greift aktuelle Themen auf. Letztlich stellt sich jede der starken Frauen in diesem wohltuend unspektakulären Buch die Frage: ›gehen oder bleiben‹? Schwäbische Zeitung

»Eine andere Zeit ist ein stiller, berührender Roman über Verluste, über das Weggehen und Wiederkommen.« NDR

Weitere Informationen zum Roman

Helga Bürster lebt selbst auf dem Land, im kleinen Dorf Dötlingen bei Wildeshausen; nach Bremen sind es fast 40 Kilometer. Dort schreibt sie in einem kleinen, umgebauten Wohnwagen.

Den Ort, den sie im Roman beschreibt gibt es wirklich; Helga Bürster hat Freunde dort besucht. Sie hat ihn gerade wegen seiner einsamen Lage gewählt.

Im April 2022 war der Roman das Buch des Monats im NDR. Hier ein ausführliches Interview von NDR-Kulturjournal-Moderatorin Julia Westlake mit der Autorin (Dauer: ca. 5 Minuten)

Personen im Roman

Eine Aufstellung der wichtigsten Personen im Roman; eventuell hilfreich bei der Diskussion des Romans.

  • Enne und Suse
  • Eddy, Suses Verlobter
  • Hans und Lore, Eltern von Enne und Suse
  • Magda, Schwester von Hans und Christina, ihre Tochter und die Kusine von Enne und Suse, wohnen im Ruhrgebiet
  • Toni, Jugendfreund von Enne, flieht mit seinen Eltern 1974 in den Westen, Christina trifft ihn später im Studium
  • Alma, Nachbarin, pflegt engen Kontakt zu Suse
  • Frau Pohl, zieht in das Haus von Alma ein
  • Diverse Einwohner im Dorf: Albrecht, Fährmann Ruben

Essen und Trinken

Manche Lesekreise bereichern ihre Diskussion durch ein zum Buch passendes Essen oder Getränk. Für ‚Eine andere Zeit‘ passt eine Soljanka (die Suppe gibt es bei der Beerdigungsfeier für Suse), Rote Grütze, ‚Grütt‘, Suses Lieblingsessen (im Roman auf Seite 76) und Butterkuchen. Und dazu ein Gläschen Eckes (Edelkirsch) (Seite 43).

Diskussionsfragen

  • Durch den Fall der Mauer gab es in vielen ostdeutschen Städten und Dörfern Veränderungen. Diese betrafen auch die Einwohner – viele blieben, einige gingen, kamen zurück, neue kamen hinzu. Wie war es auf dem Kamp, dem Dorf im Roman? Was wäre aus dem Ort, der Region geworden, wenn es den Fall der Mauer 1989 nicht gegeben hätte?
  • Enne kann 30 Jahre lang den Weggang der Schwester nicht überwinden, auch nicht verarbeiten. Warum ist das so? Ob es Suse klar war, was sie durch ihr ‚Verschwinden‘ im Leben ihrer Eltern und Geschwister anrichtet?
  • Die Autorin verwendet ungewöhnliche Vergleiche und Bilder in ihrer Sprache. Dazu zwei Beispiele: „… es wurde Zeit, den alten Tag in den Papierkorb zu werfen.“ „Die Erinnerungen flutschten weg wie nasse Seife.“ (Seite 21) Wie gefallen sie ihnen, sind die Formulierungen passend? Finden sie weitere?
  • Im Roman geht es ums Weggehen, aber auch ums Zurückkommen. Diskutieren Sie dies anhand verschiedener Personen wie Suse, Enne und Christina. Was hätten Sie an deren Stelle getan?
  • Oftmals kontrastieren die eigenen Zukunftsträume und die Vorstellung der Eltern, was man werden soll. Wie ist es hier im Roman? Wie war es in Ihrem eigenen Leben? Welche Erfahrungen haben andere Mitglieder Ihres Lesekreises gemacht? Wie stark sollte man sich als Eltern bei den eigenen Kindern einbringen?
  • Die Autorin ist Jahrgang 1961, der Roman spielt in den 70er und 80er Jahren sowie in 2019. Können, Ihrer Meinung nach, auch jüngere LeserInnen den Roman und viele seiner historischen Elemente und Referenzen verstehen?
  • Die Schwestern Enne und Suse sind nur zwei Jahre auseinander. Und doch sind sie ganz unterschiedlich. Inwiefern?
  • Warum blieb Eddy, Suses Verlobter, im Dorf und im Leben von Enne nach dem Weggang bzw. Verschwinden von Suse? Was sieht er in Enne? Wie würden Sie die Beziehung beschreiben? Lesen Sie dazu auch auf Seite 248: „Sie durfte nicht zu viel erwarten. Sie bedauerte trotzdem, dass es nicht mehr geworden war, weil Suse die ganze Zeit zwischen ihnen gestanden hatte. „Sie ist weggegangen“, sagte Eddy schließlich, „aber du bist da.““
  • Welche Rolle spielt die Nachbarin Alma im Roman? Warum hat sie so eine enge Beziehung zu Suse? Was finden die beiden im jeweils anderen? Welche Rolle spielt Frau Pohl, die als neue Nachbarin in das Haus von Alma zieht, im Roman?
  • Enne lernt in Berlin Franz kennen. Passen die beiden zueinander? Welche Rolle spielt er im Roman?
  • Suse ist weg und die Familie ist wie erstarrt. Jeder leidet auf seine Weise. Vergleichen Sie, wie Suses Vater Hans, Mutter Lore, Schwester Enne und ihr Verlobter Eddy mit der Situation kurz nach dem Verschwinden und später umgehen.
  • Was bringt Enne gerade jetzt dazu, nach so langer Zeit, Suse einen Abschiedsbrief zu schreiben? Warum hat sie das nicht früher gemacht? Wie reagiert Eddy darauf?
  • Als die Mauer fällt, gibt es ein Gespräch zwischen Christina und Enne: „Und was ist mit der neuen Freiheit? Willst du die nicht genießen?“ „Ich finde, ich bin schon immer frei gewesen.“ (Seite 214/215) Ist Ennes Meinung wirklich glaubwürdig? Worin bestand ihre Freiheit? Ist Freiheit universal oder bedeutet sie für jeden etwas anderes?
  • Ist Christina mit ihrem Leben zufrieden? Warum reist sie so oft und gerne zu ihren Verwandten. Was findet sie dort, was sie zu Hause, im Ruhrgebiet, nicht hat?
  • Magda und auch ihr Bruder Hans werden alt und auch dement. Wie gehen ihre Kinder Christina und Enne damit um? Was sind die Herausforderungen für die Angehörigen bei dieser Krankheit?
  • Christina und Enne haben keine Kinder; von Suse weiß man es nicht. Gibt es einen Grund, warum? Was wäre mit einer weiteren Generation anders gewesen?
  • Wie wird es weitergehen mit Enne und Eddy und mit Christina?
  • Der Roman spielt zu unterschiedlichen Zeiten – er beginnt im Sommer 1974, die Gegenwart ist der Sommer 2019, dazwischen wird die Zeit zwischen 1977 und 1990, teilweise mit Zeitsprüngen, beleuchtet. Kamen Sie bei der Lektüre gut mit diesen Zeitsprüngen zurecht? Wieso hat die Autorin gerade diese Zeitperioden für ihren Roman gewählt?
  • ‚Eine andere Zeit‘ ist der Titel des Romans. Passt er? Welche Zeit ist damit gemeint? Helga Bürster schreibt zu den Jahren in den jeweiligen Kapitelüberschriften auch die Jahreszeit hinzu. Warum, glauben Sie, macht sie das?
  • „Es geht um verpasste Chance und die Frage, was hätte aus mir werden können.“ So fasst die Moderatorin Julia Westlake im NDR Kulturjournal den Inhalt des Romans zusammen. Was hätte aus Enne und Eddy werden können, was aus Lore?

 

  • Unsere Neuentdeckung des Monats: Ein Kind namens Hoffnung von Marie Sand

    Unsere Entdeckung des Monats:

    Ein Kind namens Hoffnung von Marie Sand

    20 Jahre, von 1938 – 1958, umspannt der Debütroman der Berliner Autorin. Als LeserIn wird man mitgenommen in das Leben von Elly Berger, die von der Köchin in einer jüdischen Familie zur heimlichen Heldin wird. Sie rettet deren Sohn Leon vor den Nazis, um ihn nach Ende des Krieges den Eltern zurück zu geben. Doch ihre Flucht aus Berlin wird beschwerlicher, dauert länger und endet anders, als geplant.

    „Als Autorin will ich die wahren Schicksale verstehen… Ich will nachfühlen, wie es wirklich geschah.“, so beschreibt die Autorin Marie Sand die Motivation für ihren historischen Roman.

    Wir stellen den Roman und die Autorin ausführlich vor und haben Diskussionsfragen sowie weitere Infos zusammengestellt.

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  • Unser besonderer Buchtipp: Tell von Joachim B. Schmidt

    Unser besonderer Buchtipp:

    Tell von Joachim B. Schmidt

    Wilhelm Tell – wer kennt ihn nicht, den legendären Schweizer Freiheitskämpfer, der mit dem Apfelschuss seiner Armbrust berühmt wurde? Oder die literarische Adaption von Friedrich Schiller? Später hat Max Frisch mit ‚Wilhelm Tell für die Schule‘ den Mythos nüchtern und aus einer anderen Perspektive erzählt.

    Joachim B. Schmidt traut sich mutig an den historischen Stoff heran und erzählt ihn neu und modern. Und hat Erfolg: Sein Roman wurde in diesem Jahr zum Lieblingsbuch des deutschschweizer Buchhandels gewählt.

    Wir stellen den Roman und den Autor ausführlich vor. Vom Diogenes Verlag gibt es dazu passende Diskussionsfragen.

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    Sonne und Beton (ab 22.9.)

    Der Gesang der Flusskrebse (ab 18.8.)

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  • Unser Thema des Monats: Das Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhandlungen

    Unser Thema des Monats:

    Das Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhandlungen

    Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen ihr Lieblingsbuch. Dafür nominieren die Buchhändler*innen ihren Lieblingsroman aus dem laufenden Jahr und stimmen dann ab, welcher ihr Lieblingstitel ist.

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