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Die Unschärfe der Welt

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Persönliche Bewertung:
5/5 (2)

Eignung für Lesekreise:
5/5 (2)


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Die Unschärfe der Welt

Unser Buch des Monats!

Iris Wolff kehrt in ihren Büchern immer wieder zurück an die Orte ihrer Kindheit. So auch in ihrem vierten und jüngsten Roman ‚Die Unschärfe der Welt.“ Mit dem Roman war sie auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020, auf der Shortlist für das Lieblingsbuch der Unabhängigen (Buchhandlungen) sowie für den Bayerischen Buchpreis nominiert.

Im Roman wird die Geschichte einer Familie aus dem Banat über vier Generationen hinweg, vom Ende der 60er Jahre bis ins Süddeutschland der Gegenwart, erzählt. Im Zentrum steht Samuel, den wir aus der Sicht von sieben Personen aus seiner Familie und seinem Umfeld kennenlernen. Daraus ergeben sich sieben eigene Geschichten, aber auch sieben Biografien der Personen, die eine wichtige Rolle in Samuels Leben gespielt haben.

Über Iris Wolff

Iris Wolff wurde 1977 in Hermannstadt, dem heutigen Sibiu, geboren und ist im Banat, dem äußersten Westen von Rumänien, aufgewachsen. Mit acht Jahren übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Deutschland.

Leseprobe ‚Die Unschärfe der Welt‘ von Iris Wolff

Mein-Literaturkreis.de Rezension
von Literaturkreismitglied Kerstin Hämke, Bad Honnef

„Die Unschärfe der Welt war eines meiner absoluten Lese-Highlights in 2020!“

Bewertung des Buches: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮
Bewertung der Eignung zur Diskussion in Literaturkreisen: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮

Was mich begeistert hat? Bereits nach wenigen Seiten war mir die wunderschöne Sprache aufgefallen. Elegant, komplex, aber nie konstruiert.

Neben der Sprache hat mir auch die Struktur des Buches ausnehmend gut gefallen. 7 Kapitel und jedes einer Person gewidmet, ihren Gedanken, Gefühlen, wichtigen Ereignissen im Leben. Zusammen ergeben die Kapitel die Geschichte einer Familie, über 4 Generationen und viele Jahre hinweg. Der Hauptperson des Romans, Samuel, ist kein Kapitel gewidmet, und doch lernen wir ihn gut kennen. So wie er, der Sohn, Enkel, Vater, Freund und Ehemann ist, hat jeder Mensch in seinem Leben verschiedene Rollen.

Für mich ist Rumänien ein unbekanntes Land. Obwohl ich schon den Osten und Südosten Europas bereist habe, war ich noch nie dort und habe es für eine Reise auch noch nicht in Erwägung gezogen. Warum nicht, kann ich nicht sagen. Durch den Roman habe ich einen ersten, aber doch recht ausführlichen Eindruck des Landes und seiner Menschen gewonnen. Geschickt verwebt Iris Wolff wichtige geschichtliche Informationen (Monarchie und König, das Regime unter Ceaușescu mit der Geheimpolizei Securitate, die Öffnung zum Westen), aber auch die Bilder der Dörfer und Landschaften sowie Traditionen und Gerichte der Siebenbürger und Banater zu einem komplexen Gebilde, das es mir erlaubt, darin einzutauchen und zu versinken.

Allerdings bin ich froh, dass das Buch nicht mehr als 200 Seiten hatte, denn es beinhaltet so viele wunderbare Sätze, dass ich zahlreiche Passagen mehrfach lesen musste –und wollte. Die Sätze waren für mich wie Perlen, deren Aneinanderreihung eine funkelnde Kette ergeben haben.

Weitere Informationen zum Buch und zur Autorin

Iris Wolff – Interview auf der Webseite des Verlags Klett-Cotta

Die Autorin im Gespräch mit Denis Scheck in Druckfrisch 12.10.2020 (Video; Dauer: ca. 9 Minuten)

Diskussionsfragen

  • Einen Menschen aus der Sichtweise von sieben verschiedenen Personen kennenzulernen – wie gefiel Ihnen diese Idee für einen Roman? Hat sich die Sprache von einem Kapitel zum anderen verändert und der jeweiligen Person angepasst? Welche der Personen kannten Samuel am besten?
  • Samuel, der Hauptperson des Romans, ist kein Buchkapitel gewidmet. Hat Ihnen dieser Teil gefehlt? Was haben Sie durch die Beschreibung anderer über Samuel erfahren?
  • Die Frauen im Buch sind stark, selbstbewusst und unabhängig. Sind die Frauen im Roman die heimlichen Stars? Welche der Frauen hat Sie am meisten beeindruckt und warum? Welche weiteren Romane mit starken Frauenfiguren kennen Sie?
  • „Karline war fort, dachte Liv, und mit ihr so viele Geschichten. Ihre Eltern waren das Gedächtnis ihrer Großeltern, ihre Großeltern waren das Gedächtnis ihrer Urgroßeltern. So konnte es funktionieren.“ (Seite 204) Jede nachfolgende Generation als Gedächtnis der voran gegangenen – ein interessanter Gedanke. Aber funktioniert das wirklich? Und warum sollte man die Vergangenheit bewahren? Wie wird in ihrer Familie das Gedächtnis weitergetragen?
  • Oz und der Drache. Wofür steht er? Warum verschwindet er in Deutschland, taucht aber später wieder auf?
  • Erkennen Sie Deutschland anhand der Beschreibung von Oz auf den Seiten 138/139 wieder? Haben sich so auch die Menschen aus der ehemaligen DDR nach dem Fall der Mauer gefühlt?
  • Für Bene(dikt) ist Bücher leihen und verleihen ein Gräuel. Bücher muss man besitzen, denn „Nur in eigenen Büchern konnte man anstreichen, Seiten mit Eselsohren markieren, Gedanken am Rand notieren, Zettel einlegen, …“ (Seite 154) Wie ist Ihre Meinung dazu? Verleihen oder leihen Sie gerne Bücher?
  • Samuel regt sich über das wiederholte Zuspätkommen von seinem Freund Bene auf: „Was du einem anderen nie stehlen solltest, ist die Zeit. Zeit kommt nicht zurück. Nicht die Zeit, die du auf jemanden wartest, nicht die Zeit der leeren Versprechen, des Hinhaltens.“ (Seite 168) Wie ist Ihre persönliche Meinung dazu? Welche Rolle spielt das Thema ‚Zeit‘ im Roman und für die einzelnen Personen?
  • Samuels Tochter Livia hat Zauberei und Kartentricks von ihrem Patenonkel Bene gelernt. Warum hat sie gerade dieses Hobby gewählt?
  • Wie hat Ihnen die Sprache des nur rund 200 Seiten umfassenden Romans gefallen? Gab es bestimmte Formulierungen oder Zitate, die Sie sich notiert oder die Sie besonders berührt haben? Was beschreibt der Titel des Romans ‚Die Unschärfe der Welt‘ – passt er zum Inhalt?
  • Migration und Identität sind zentrale Themen im Roman. Sind Ihnen Beispiele dazu aufgefallen? „Identität ist nichts, das feststeht – sie ist durch die politischen Umstände, Landschaften und Orte sowie durch die Menschen bestimmt, denen man begegnet.“, so Iris Wolff in einem Interview. Sind Sie der gleichen Meinung?
  • Für Viele wird Rumänien ein unbekanntes Land, Siebenbürgen und Banat unbekannte Regionen sein. Iris Wolff lässt ihren Roman nicht nur in dieser Gegend spielen, sie verwebt in ihrem Text auch geschichtliche Informationen, Bilder der Dörfer und Landschaften sowie Traditionen und Gerichte der Siebenbürger und Banater zu einem komplexen Gebilde. Was haben Sie vor der Lektüre über das Land gewusst, was durch das Lesen gelernt? Wie wichtig ist die ethnische Vielfalt und Vielsprachigkeit für die Identität der Menschen?

Auszeichnungen (Auswahl)

Iris Wolffs Romane wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Besonders trifft dies für ‚Die Unschärfe der Welt zu‘, der u.a. folgende Nominierungen oder Auszeichnungen aufweisen kann:

  • 2020: Nominiert für den Deutschen Buchpreis
  • 2020: Nominiert für den Bayerischen Buchpreis
  • 2020: Nominiert für das Lieblingsbuch der Unabhängigen 2020 (Shortlist, d.h. letzte 5 Bücher)
  • 2021: Marie Luise Kaschnitz-Preis für ihr bisheriges Roman-Gesamtwerk, insbes. für Die Unschärfe der Welt
  • 2021: Evangelischer Buchpreis
  • 2021: Preis der LiteraTour Nord für ihr bisheriges Werk wie auch für den Roman Die Unschärfe der Welt
  • 2021: Solothurner Literaturpreis für ihr Gesamtwerk

Weitere Werke von Iris Wolff

  • Halber Stein. Roman. 2012
  • Leuchtende Schatten. Roman. 2015
  • So tun, als ob es regnet. Roman in vier Erzählungen. 2017.
  • Die Unschärfe der Welt. Roman. 2020

 

  • Unser Thema des Monats: Die besten Buchtipps der Auslandskorrespondentinnen vom Magazin Deine Korrespondentin

    Unser Thema des Monats:

    Buchtipps von Auslands-Korrespondentinnen

    Die Journalistinnen, die für das Frauenmagazin Deine Korrespondentin schreiben, sind weltweit zuhause.

    Für MeinLiteraturkreis haben einige von ihnen ihre persönlichen Buchtipps zusammengestellt – schließlich kennen sie sich in „ihrem“ Land am besten aus…

    Zusammen gekommen sind 19 Buchempfehlungen aus 6 Ländern: Frankreich, die Niederlande, Russland, Irland, Namibia und Italien.

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  • Unsere Entdeckung des Monats: Lady Churchill von Marie Benedict

    Unsere Entdeckung des Monats:

    Lady Churchill von Marie Benedict

    In dem biographischen Roman, der unterhaltsam und interessant geschrieben ist, lernt man die Lebensgeschichte der emanzipierten und einflussreichen, aber weitgehend unbeachteten Ehefrau von Winston Churchill, Clementine, kennen.

    Mit Hilfe eines genauen Studiums von Sachbüchern über Clementine ist es Benedict gelungen, ein fiktionales, jedoch Fakten verarbeitendes Werk zu verfassen.

    Die Autorin wurde 1973 in den USA geboren. Ihre Bücher über starke Frauen der Weltgeschichte haben Bestsellerstatus. Ihr Roman »Frau Einstein« verkaufte sich über 70.000 Mal allein in Deutschland.

    Wir stellen das Buch und die Autorin ausführlich vor – inklusive Themen für eine Diskussion im Lesekreis:

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  • Unser Taschenbuch des Monats: Zwei Fremde im Zug von Patricia Highsmith

    Taschenbuch des Monats:

    Zwei Fremde im Zug von Patricia Highsmith

    Der ‚perfekte Mord‘: zwei Personen, die scheinbar in keiner Verbindung zueinander stehen, sollen für den jeweils anderen einen Mord begehen. Gleich dieser Debütroman wurde 1951 von Alfred Hitchcock verfilmt und machte Highsmith im Alter von 29 Jahren weltweit bekannt.

    Highsmith schrieb vor allem Kriminal- sowie zeitgenössische Romane. Im Mittelpunkt ihrer oft psychologischen Werke steht nicht die Aufklärung von Verbrechen, sondern die Umstände und Motive, die einen unauffälligen Durchschnittsmenschen ins Verbrechen treiben.

    Übrigens hätte sie in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert. Wir stellen Buch und Autorin ausführlich vor und haben Diskussionsfragen zum Roman zusammengestellt:

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