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Stay away from Gretchen

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Persönliche Bewertung:
4,8/5 (9)

Eignung für Lesekreise:
4,5/5 (8)


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Stay away from Gretchen

Als Taschenbuch erscheint der Roman am 16.2.2023

Thomas ‚Tom‘ Monderath ist der bekannte Nachrichtensprecher eines Kölner Fernsehsenders. Als seine 84-jährige Mutter Greta erste Anzeichen einer Demenz zeigt, muss er sich zunehmend um sie kümmern. Sein Leben verändert sich komplett, als Greta beginnt, aus ihrer Vergangenheit zu erzählen und er Fotos und Briefe findet, die auf eine Halbschwester hinweisen.

Der Roman beschäftigt sich mit ‚brown babies‘, einem bisher wenig bekannten Thema der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der Debütroman war ein Bestseller und schaffte es 2021 auf die Shortlist des ‚Lieblingsbuches der Unabhängigen Buchhandlungen‘.

2022 erschien Abels zweiter Roman ‚Was ich nie gesagt habe – Gretchens Schicksalsfamilie‘, der sich ebenfalls auf Gretas Familie fokussiert und das Thema behinderter Kinder im Nationalsozialismus aufgreift.

Leseprobe

Pressestimmen

„Dieser gut konstruierte Roman (…) erinnert daran, wie lang der Weg aus einem von Rassismus und Bigotterie geprägten Nachkriegsdeutschland war und welche Wegstrecke zu einer gerechteren Gesellschaft noch vor uns liegt.“ Denis Scheck, ARD

„Noch lange nach der Lektüre bleibt diese Geschichte im Kopf.“ MDR

„Ein spannender Roman zu einem wichtigen, vergessenen Thema.“ Elke Heidenreich ― WDR 4, Buchtipps

Weitere Hintergrund-Informationen zum Roman

Woher kommt der Buchtitel? „Stay away from Gretchen“ – so lautete damals der Appell in der Army. Es galt: „(..) sich von deutschen Frauen fernzuhalten, weil diese sie mit Syphilis anstecken könnten..“

Als Brown Babies (…) werden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die von deutschen Müttern geborenen Besatzungskindern mit afroamerikanischen Vätern bezeichnet. Die zwischen 1948 und 1955 (…) geborenen etwa 4800 Kinder waren in den Besatzungszonen und später in der jungen Bundesrepublik versteckten und offenen Diskriminierungen ausgesetzt – wie auch ihre unverheirateten Mütter, die häufig als „Negerhure“, „Ami-Flittchen“ oder „Gefallenes Mädchen“ beschimpft wurden.

Durch den gesellschaftlichen Druck wurden zahlreiche Kinder zur Adoption in die USA geschickt. Auch die US-Behörden verboten Verbindungen zwischen GIs und deutschen Frauen, denn bei der Rückkehr in die USA, so die Begründung der Behörden, würden weiße Frauen mit Mischlingskindern in Schwierigkeiten geraten und soziale Unruhe verursachen. (Quelle: Wikipedia)

*Sehenswerte dreiteilige Dokumentation zum Thema auf Phoenix (Gesamtdauer ca. 45 Minuten; zu sehen auf Youtube):

Teil 1, Teil 2, Teil 3

*Informativer Artikel in der Schweizer ‚Die Wochenzeitung‘

Sehr persönliches Interview mit der Autorin Susanne Abel über Köln, die Entstehungsgeschichte ihres Romans und die Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter.

Tipp für die Diskussion im Lesekreis

Hören Sie das Lied ‚Du kannst zaubere‘ von Wolfgang Niedecken und seiner Band BAP an.

Warum? Laut einem Interview hat Susanne Abel das Musikstück oft beim Schreiben gehört, um sich in eine bestimmte Stimmung zu versetzen. Zudem ist BAP eine bekannte Kölner Band und der Roman spielt u.a. in Köln.

Über Susanne Abel

Susanne Abel stammt aus einem kleinen Dorf an der französischen Grenze. Sie arbeitete als Erzieherin mit geistig behinderten Kindern und Jugendlichen. Im Anschluss studierte sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin und realisierte als Regisseurin und Autorin zahlreiche Dokumentationen fürs Fernsehen.

Diskussionsfragen

  • Im Buch gibt es zwei Erzählstränge – das aktuelle Leben von Mutter und Sohn im Wechsel mit Gretas Vergangenheit in den 1940er und 1950er Jahren. Konnten Sie die häufigen Wechsel gut nachvollziehen? Sind der Gegenwart und der Vergangenheit genügend Raum gegeben oder dominiert eine Zeit?
  • In manchen Rezensionen wird kritisiert, dass Tom, Gretas Sohn, als zu klischeehaft dargestellt wird – erfolgreicher Nachrichtensprecher, Single, sein Umgang mit Frauen. Wie sehen Sie das? Welche persönliche Entwicklung macht er im Laufe des Romans durch? Welche Rolle spielen dabei Jenny, die Assistentin im Fernsehsender, und ihr Baby?
  • Tom wächst als Einzelkind auf, ohne das Wissen um die Existenz einer Halbschwester. Was hat sich für ihn heute im Vergleich zu seiner Jugend verändert? Welche Vor- oder Nachteile sehen Sie im Leben von Einzelkindern – vielleicht ja auch aus eigener Erfahrung.
  • Je mehr sich Tom mit dem Leben seiner Mutter beschäftigt, desto mehr erkennt er, wie wenig er über sie weiß. Was hat Tom erst in Kenntnis der Geschichte seiner Mutter aus seinem und ihrem Leben verstanden? Muss man die Biografie eines Menschen kennen, um ihn zu verstehen?
  • Inwiefern verändert die Demenz das Verhältnis zwischen Thomas und seiner Mutter? Was macht die Demenz mit Menschen, was mit ihren Angehörigen? „Als meine Mutter an Alzheimer erkrankte, vergaß sie den Betondeckel, der ihre Vergangenheit verschloss. Ihr Damals wurde zum Heute.“, berichtet die Autorin in einem Interview. Kann es bei all der Tragik der Krankheit auch positive Aspekte für Familienangehörige geben?
  • Beschreiben Sie die Beziehung zwischen Greta und dem Besatzungssoldaten Bob. Sie planen ein gemeinsames Leben, das es jedoch nie geben wird. Wie hätte es aussehen können? Wer ist dafür verantwortlich, dass beide nicht mehr zusammenkommen?
  • ‚Brown babies‘ sind mit einem dreifachen Makel behaftet: Sie sind unehelich, stammen aus der Verbindung einer deutschen Frau mit einem Besatzungssoldaten und haben einen farbigen Vater. Was erfährt man über ihr Leben in Deutschland und in den USA? Welche Beeinträchtigungen erfuhren Greta als Mutter der kleinen Marie, aber auch ihre Familie, im täglichen Leben? Welche seelischen Verletzungen haben Greta und ihre Tochter davongetragen? „Die Zeit heilt alle Wunden.“ Gilt dieses Sprichwort auch für diese Art von Wunden?
  • Wie gefiel ihnen der Titel des Romans ‚Stay away from Gretchen‘?
  • Der Roman zeigt wie die Vergangenheit unsere Zukunft prägen kann. Kennen Sie dazu Beispiele aus Ihrem privaten Umfeld oder Ihrer eigenen Familie?
  • Im Roman spielen zahlreiche Themen eine Rolle: Flucht und Vertreibung im und nach dem Zweiten Weltkrieg und die Probleme bei der Aufnahme der Vertriebenen in Deutschland, das Leben in den Besatzungszonen sowie die Beziehungen zwischen Besatzungssoldaten und der deutschen Bevölkerung, der Umgang mit Besatzungskindern, insbesondere den sogenannten ‚Brown Babies‘, Rassismus – bei den Deutschen, aber auch innerhalb des amerikanischen Militärs, Rassismus und Rassentrennung in den USA in den 1950er Jahren, Kriegstraumata sowie Demenz. Ist es der Autorin gelungen, alle Themen ausreichend anzusprechen und in die Geschichte gut zu integrieren? Oder hat sie sich zu viel vorgenommen? Welches Thema hat Sie am meisten berührt und warum?
  • Krieg, Flucht, Vertreibung – Themen aus dem Roman, die auch heute wieder in den Nachrichten auftauchen. Wie aktuell sind die Themen des Romans?
  • Laut Susanne Abel haben hauptsächlich Frauen das Buch gelesen. Können Sie sich vorstellen, warum?
  • Eignet sich der Roman als Schullektüre? Wenn ja, für welches Alter? Welche Themen könnten mit den Jugendlichen diskutiert werden?
  • Wäre der Roman ein guter ‚Stoff‘ für eine Verfilmung? Begründen Sie Ihre Meinung.
  • Tom stößt bei seiner Spurensuche auf das Thema transgenerationale Weitergabe von Traumata. Die Kriegsvergangenheit scheint in vielen Familien Spuren hinterlassen zu haben – bis in die zweite und dritte Generation hinein. Dies zeigen auch Bücher wie beispielsweise ‚Kriegskinder‘, ‚Nachkriegskinder‘ und ‚Kriegsenkel‘ von Susanne Bode. Glauben Sie, dass Probleme der heutigen Generation von den Eltern oder Großeltern stammen können, die ihre Kriegserlebnisse nicht verarbeitet haben? Kennen Sie Beispiele dafür?
  • Historische Romane sind im Trend – insbesondere wenn sie sich auf unterschiedlichen Zeitebenen mit der Vergangenheit und dem Einfluss, den diese auf die Gegenwart hat, beschäftigen. Wie gefällt Ihnen dieses Genre? Haben Sie andere vergleichbare Romane gelesen? Wie unterscheiden sich diese voneinander? Welche würden Sie für eine Lektüre oder Diskussion weiter empfehlen, welche eher nicht?
  • Falls Sie den zweiten Roman von Susanne Abel, der gerade erschienen ist, bereits gelesen haben: Die Autorin hat ihn als Teil des ersten Buches bezeichnet. Haben Sie das ebenso empfunden? Sollte man die Bücher in der Reihenfolge Ihres Erscheinens lesen? Im neuen Buch stehen eher Männer im Vordergrund. Glauben Sie, dass dadurch mehr Männer den Roman lesen werden, als beim ersten Buch?
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  • Neuentdeckung: Das ist Alise von Jon Fosse

    Unsere Neuentdeckung:

    Das ist Alise von Jon Fosse

    Seit Jon Fosse 2023 den Literaturnobelpreis verliehen bekam, steht er bei Lesenden und Medien im Fokus. Der 1959 geborene Norweger war bisher, trotz zahlreicher Romane, vor allem als Dramatiker bekannt. Sein literarisches Werk zeichnet sich durch einen ungewöhnlichen Sprachstil sowie die Beschäftigung mit großen menschlichen Themen aus.

    Zum Einstieg in Fosses Werk bietet sich seine 2003 veröffentlichte Novelle an. Auf nur 120 Seiten finden sich dort der Stil und die existentiellen Fragen des Menschseins, für die Fosse bekannt ist.

    Wir stellen den Roman und den Autor vor, inklusive passender Diskussionsfragen.

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  • Besonderer Buchtipp: Apeirogon von Colum McCann

    Besonderer Buchtipp:

    Apeirogon von Colum McCann

    Rami und Bassam sind Freunde und wohnen im selben Land nah beieinander. Und doch leben sie in zwei völlig unterschiedlichen Welten. Denn das Land ist Israel und Rami ist Jude, Bassam Palästinenser. Was sie verbindet, ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann – beide haben ein Kind bei einer Gewalttat verloren.

    Dennoch fordern sie keine Rache, sondern halten gemeinsam Vorträge darüber, dass nur Kommunikation und ein Verständnis für den anderen zu einem Frieden im Nahen Osten führen können.

    Das Buch erschien bereits 2020 und ist doch aktueller denn je.

    Wir stellen den Roman und den Autor ausführlich vor. Zusätzlich gibt es passende Diskussionsfragen für eine Besprechung im Lesekreis.

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  • Unser Thema des Monats: Das Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhandlungen

    Unser Thema des Monats:

    22 Bahnen von Caroline Wahl ist Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhandlungen

    Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen ihr Lieblingsbuch.

    Die Nominierten für 2023 waren:

    Elena Fischer: „Paradise Garden“
    Milena Michiko Flašar: „Oben Erde, unten Himmel“
    Rónán Hession: „Leonard und Paul“
    Jarka Kubsova: „Marschlande“
    *Caroline Wahl: „22 Bahnen“ (Lieblingsbuch)

    Wir haben alle bisherigen Gewinner und die 5 Romane der Shortlist zusammengestellt – insgesamt 45 Buchtipps! Und zu vielen davon gibt es bereits Diskussionsfragen.

    »zu den Buchtipps

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