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Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung
KiWi-Taschenbuch
EUR 9,99

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16 Bewertungen

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Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung

Unsere Neuentdeckung des Monats Februar 2016!

Das Buchpaket vom Verlag Kiepenheuer & Witsch hat der Literatursalon Mindelheim / Bayern gewonnen.

Nacht für Nacht sitzt ein alter Mann in einer Bar in Oran und erzählt. Seine Geschichte und die seines Bruders Moussa, jenes Arabers, der 1942 von einem gewissen Meursault, den angeblich die Sonne blendete, am Strand von Algier erschossen wurde. Der weltberühmte Roman »Der Fremde« von Albert Camus erzählt, wie es dazu kam und davon, wie Meursault der Prozess gemacht und er am Ende nicht so sehr für den Mord, den er begangen hat, verurteilt wird, sondern für die Emotionslosigkeit, die er bei der Tat und auch später immer wieder zur Schau stellt. Das Opfer, der Araber, bleibt dabei stets namenlos. Indem er nun – 70 Jahre später – die Geschichte seines Bruders bis zu dessen gewaltsamem Tod erzählt, gibt der alte Mann dem Araber seinen Namen zurück und damit eine Identität und eine Geschichte. Und er macht seinem Ärger Luft, seiner Trauer, der Wut und der Frustration über sein eigenes Leben im Schatten dieses Todes.

Geschickt verzahnt Kamel Daoud in seinem Erstlingsroman die Geschichte der beiden Brüder mit der Geschichte Algeriens und mit dem Roman von Camus. Kraftvoll und poetisch zugleich erzählt Daoud von diesem Brüderpaar, ihrem Leben, ihrem Land, ihrer Liebe. Entstanden ist ein großer Roman darüber, wie die Vergangenheit unsere Gegenwart prägt und über die ungebrochene Kraft der Literatur, eine tiefere Erkenntnis, eine verborgene Wahrheit ans Licht zu bringen.

Leseprobe von ‚Der Fall Meursault‘

Pressestimmen

„Ein großartiger Roman. In Zukunft wird man ›Der Fremde‹ und ›Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung‹ nebeneinander lesen.“ Le monde des livres

„Die literarische Sensation aus Frankreich – … jetzt schon ein Klassiker“ The Guardian

„In jeder Hinsicht ein Glücksfall“ Süddeutsche Zeitung

Über das Buch

Das Buch erhielt mehrere französische Literaturpreise, u.a. den Prix Goncourt. (siehe unten)

Im April 2015 wurde ein Ausschnitt des Buches im New Yorker Magazine veröffentlicht. Am 20. November 2015 veröffentlichte Daoud in der New York Times einen Artikel in Englisch und Französisch „Saudi Arabia, an ISIS That Has Made It“.

Weiterführende Informationen

Das Buch spielt u.a. in Oran. Oran ist eine Küstenstadt in der Provinz Oran im Westen von Algerien. Sie ist die zweitgrößte Stadt Algeriens, nach der Hauptstadt Algier. Oran ist eine bedeutende Industriestadt, besitzt einen Hafen und ist Kulturzentrum.

In Oran spielt auch Albert Camus Roman ‚Die Pest‘.

Lesetipp für Literaturkreise: Lesen und diskutieren Sie das Buch zusammen mit ‚Der Fremde‘ von Albert Camus. Auch zu diesem Buch haben wir ausführliche Informationen zum Autor und dem Buch inklusive Diskussionsfragen zusammengestellt:
» zu unserer Albert-Camus-Autorenseite
» zur Buchseite für ‚Der Fremde‘ mit Diskussionsfragen

Französische Kolonialherrschaft

1830 begannen die Franzosen mit der Eroberung Algeriens. Die Versuche von Abd el-Kader, die Franzosen zu vertreiben und ein großarabisches Reich zu schaffen, konnte Frankreich erst nach langen Kämpfen 1847 beenden. Zahlreiche französische Siedler strömten in die Siedlungskolonie. Das Gemeineigentum an den Ländereien wurde aufgehoben, die einheimischen Bauern wurden in weniger fruchtbare Gebiete vertrieben. Die Bevölkerung war durch den ‚Code de l’indigénat‘ von 1875 in Bürger erster und zweiter Klasse unterteilt, in französische Staatsbürger und französische Untertanen („Sujets“) ohne Staatsbürgerschaft.

Ab 1945 kam es zum Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung, als nach Unruhen zehntausende Algerier von der französischen Armee getötet wurden. Als Reaktion algerischen Unabhängigkeitsbewegung wurde 1947 allen Algeriern die französische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Den Kampf um die Loslösung von Frankreich konnte das jedoch nicht aufhalten. Der nun folgende Algerienkrieg (1954 bis 1962) wurde von beiden Seiten mit äußerster Härte geführt. Unter Führung der Nationalen Befreiungsfront (FLN), erkämpfte Algerien schließlich die Unabhängigkeit. Am 5. Juli 1962 wurde offiziell die Unabhängigkeit proklamiert. Die Gesamtzahl getöteter Algerier wurde von Frankreich später mit 350.000, von algerischen Quellen mit bis zu 1,5 Millionen angegeben.

Quelle: Wikipedia, eigene Kürzungen und Bearbeitungen

Über Kamel Daoud

Kamel Daoud, Jahrgang 1970, im algerischen Mostaganem geboren, ist Journalist beim Quotidien d‘Oran, für den er seit 12 Jahren “Raina Raikoum” (“Unsere Meinung, Ihre Meinung”), eine der meistgelesenen politischen Kolumnen in Algerien schreibt.

Er lebt in Oran. Er hat bereits einen Band mit Erzählungen veröffentlicht. »Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung« ist sein erster Roman.

Daoud schreibt auf Französisch. Sein Grund: „Die arabische Sprache ist gefangen von den heiligen, den dominanten Ideologien. Man hat diese Sprache fetischisiert, politisiert, ideologisiert. („la langue arabe est piégée par le sacré, par les idéologies dominantes. On a fétichisé, politisé, idéologisé cette langue.“)

Facebookseiten (alle auf Französisch)

Extreme Islamisten fühlten sich durch Kamel Daouds journalistische Arbeiten provoziert: Anfang 2015 verhängte ein Algerischer Imam eine Fatwa, einen Aufruf zur Tötung, auf Facebook. Seitdem lebt Daoud unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen.

Auszeichnungen

  • 2015: Prix Goncourt für einen Debütroman (für Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung)
  • 2014: Prix François Mauriac
  • 2014: Prix des cinq continents de la francophonie
  • 2008: Prix Mohammed Dib

Werke

  • L’Arabe et le vaste pays de ô. 2008 (Nur auf Französisch)
  • Monotaure 504 (Erzählungen). 2011 (Nur auf Französisch)
  • Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung. 2013 (in Deutsch: 2016)

Diskussionsfragen

  • Hatten Sie ‚Der Fremde‘ von Albert Camus zuvor gelesen? Falls ja, war dies zum Verständnis des Romans wichtig? Falls nein, wäre es besser gewesen? Diskutieren Sie dies auch in Ihrem Lesekreis. Gibt es dazu unterschiedliche Meinungen?
  • In Camus‘ ‚Der Fremde‘ wird das Opfer nicht mit Namen, sondern ausschließlich mit ‚der Araber‘ benannt. Warum legt der Bruder des Opfers einen so großen Wert darauf, den Namen ‚Moussa‘ bekannt zu machen? Wie wichtig ist ein Name? Glauben Sie, dass sich dies in verschiedenen Kulturen unterscheidet?
  • Warum ist es Haroun so wichtig, die Geschichte seines Bruders Moussa zu erzählen und bekannt zu machen? Für wen tut er dies? Für seinen Bruder, seine Mutter oder vielleicht für sich?
  • Camus‘ Buch beginnt mit dem Satz „Heute ist Mama gestorben.“ Der erste Satz von Daouds Buch lautet „M’ma lebt – immer noch.“ Hat Daoud den Beginn seines Buches bewusst so gewählt? Falls ja, warum?
  • Welche Auswirkungen hatte der Mord an Moussa auf seine Familie?
  • Welche Rolle spielen die Mütter in beiden Büchern? Welche Beziehung haben die jeweiligen Söhne, Meursault und Haroun, zu Ihren Müttern?
  • Der Mord geschieht in Algier; danach ziehen der 7-jährige Haroun und seine Mutter nach Hadjout. Später wohnt er in Oran. Wie beschreibt Haroun diese Städte? Was lernt der Leser über die Lebensweise in einem arabischen Land?
  • Wie ist Harouns Frauenbild? Macht er Unterschiede zwischen arabischen und französischen Frauen? Falls Sie Camus‘ ‚Der Fremde‘ gelesen haben, vergleichen Sie Harouns Frauenbild mit dem von Meursault. Gibt es Gemeinsamkeiten, Unterschiede?
  • „Ich fühlte mich einerseits schuldig, am Leben zu sein und andererseits genauso verantwortlich für ein Leben, das nicht mein eigenes war.“ (S. 57) Diskutieren Sie diese Aussage von Haroun.
  • Moussas Leichnam wurde nicht gefunden. Er soll ins Meer gespült worden sein und konnte daher  nicht beerdigt werden. Warum wählt der Autor diese Darstellung der Ereignisse?
  • Haroun beschreibt die Absurdität seiner Existenz mit dem Bild „einen Leichnam einen Berg hinaufzuhieven, bevor er wieder von Neuem hinunterstürzt, und das ohne Ende.“ (S. 75) Hat Daoud dieses Bild bewusst gewählt? Diskutieren Sie die möglichen Parallelen zur Figur des Sisyphos in der Mythologie und bei Camus. (Sisyphos ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die als Strafe in der Unterwelt einen Felsblock auf ewig einen Berg hinaufwälzen muss, der, fast am Gipfel, jedes Mal wieder ins Tal rollt. Heute ist Sisyphusarbeit ein geflügeltes Wort für eine sinnlose Tätigkeit ohne absehbares Ende. In der Neuzeit wurde Sisyphos durch Albert Camus’ Essay Der Mythos des Sisyphos zu einer Leitfigur des Absurdismus.)
  • Was sind Harouns Motive für den Mord?
  • Diskutieren Sie mögliche Parallelen des Mordes an dem Franzosen zu dem Mord an dem Araber in Camus‘ ‚Der Fremde‘ (bspw. die Uhrzeit (S. 116), die Rolle der Sonne (S. 121), die Wahl der Waffe, Trägheit (S. 127) und Lethargie nach dem Mord (S. 141)).
  • Wer ist Harouns Gesprächspartner? Er tituliert ihn Herr Kommissar (S. 32), Herr Literaturwissenschaftler (S. 37), als Jemand, der ein Buch / Doktorarbeit über das Thema schreibt (S. 80). Ist es Ihrer Meinung nach eine reale Person oder eine fiktive?
  • Warum erzählt Haroun gerade dem unbekannten Gesprächspartner von dem Mord?
  • Der Autor lässt seinen Protagonisten in einem Monolog seine Geschichte einem Unbekannten erzählen. Dies ist auch in Camus‘ letztem vollendeten Prosawerk der Fall: Auch in ‚Der Fall‘ kommt der Protagonist, der die Beichte ablegt, im ganzen Werk als Einziger zu Wort. Ist dies Zufall oder hat, Ihrer Meinung nach, der Autor dies bewusst so gewählt? Was will er damit erreichen?
  • Wen oder was verkörpert das Gespenst, das er in der Bar beobachtet? Warum wählt Daoud einen Taubstummen für diese Figur?
  • Daoud ist Algerier. Hätte dieses Buch auch von einem Franzosen geschrieben werden können?
  • Was wissen Sie über die Kolonialzeit Algeriens und die spätere Selbstständigkeit des Landes? Ist dies für das Verständnis des Buches wichtig? Warum?
  • Ein Rezensent schrieb, das wahre Thema des Buches sei die Situation in Algerien, einem islamischen Staat, der nach dem Ende der Kolonialzeit noch nicht sein Gleichgewicht zwischen Selbstständigkeit und islamischem Selbstverständnis gefunden hat. Geben Sie ihm Recht? Welche Rolle spielt die Kolonialzeit im Buch bzw. im Leben der Algerier und wie gehen diese mit deren Ende um?
  • Diskutieren Sie das Titelbild und die Farbgestaltung des Buches. Passt es zum Inhalt?
  • Das Buch hat mehrere Literaturpreise gewonnen und erscheint in 28 Ländern. Zu Recht? Würden Sie das Buch anderen Lesekreisen für eine Diskussion empfehlen?

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