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Die Wand
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Die Wand

Unser Buch des Monats August 2015!

Das Buchpaket mit 10 Exemplaren des Buches und der DVD der Literaturverfilmung hat die Leserunde der Bücherei St. Bonifatius in Warendorf gewonnen.

Herzlichen Glückwunsch von Mein-Literaturkreis.de und dem List Verlag

Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Nach der Ankunft unternimmt das Paar noch einen Gang ins nächste Dorf und kehrt nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen stößt die Frau auf eine unüberwindbare Wand, hinter der Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, richtet sie sich inmitten ihres eng umgrenzten Stücks Natur und umgeben von einigen zugelaufenen Tieren aufs Überleben ein.

‘Verdutzt streckte ich die Hand aus und berührte etwas Glattes und Kühles: einen glatten, kühlen Widerstand an einer Stelle, an der doch gar nichts sein konnte als Luft. Zögernd versuchte ich es noch einmal, und wieder ruhte meine Hand wie auf der Scheibe eines Fensters. Dann hörte ich lautes Pochen und sah um mich, ehe ich begriff, dass es mein eigener Herzschlag war, der mir in den Ohren dröhnte. Mein Herz hatte sich schon gefürchtet, ehe ich es wusste.’ (aus dem Buch)

Pressestimmen

“Wenn mich jemand nach den zehn wichtigsten Büchern fragen würde, dann gehörte dieses auf jeden Fall dazu.” Elke Heidenreich in ihrer Literatursendung Lesen!

Leseprobe von ‘Die Wand’ von Marlen Haushofer

Informationen zum Buch

Haushofer schrieb das Buch von Anfang 1961 bis zum Herbst 1962. Im Spätsommer 1963 wurde es vom Verlag veröffentlicht; bereits davor erfolgten erste Lesungen.

Der Erfolg für das Buch stellte sich erst Anfang der 80ger Jahre ein. Grund war u.a. der Abdruck als Fortsetzungsroman in der Frankfurter Rundschau, die Veröffentlichung in mehreren Buchreihen und die Aufnahme als Schullektüre. Mitte der 80ger Jahre wurde der Roman in mehreren Ländern veröffentlicht.

Zum Erfolg trugen auch diverse Lesungen (u.a. im Radio) sowie Adaptionen als Theaterstück bei. 2012 wurde das Buch für das Kino als österreichische Produktion verfilmt; Regie führte Julian Pösler, die Hauptrolle übernahm Martina Gedeck.

Haushofers Vater war Revierförster  Das Vorbild für das Jagdhaus ist  die Lackenhütte im Mollner Ortsteil Ramsau. Die Alm, auf welche die Icherzählerin mit den Tieren im Sommer übersiedelt, ist der Haidenalm nachempfunden. Die Autorin ließ sich bei Fragen über Tiere und Pflanzen von ihrem Bruder Rudolf beraten, einem Forstwirt.

Literaturverfilmung des Romans Die Wand

Der Roman erschien bereits 1963 und galt lange Zeit als unverfilmbar.

2012 kam die österreichisch-deutsche Koproduktion ins Kino. Die Hauptrolle spielt Martina Gedeck, Regie führt Julian Pölsler, der auch das Drehbuch verfasste.

Auszeichnungen

Die Wand gewann 2012 bei seiner Uraufführung auf den Internationalen Filmfestspielen von Berlin den Preis der Ökumenischen Jury in der Sektion Panorama.
Hauptdarstellerin Martina Gedeck wurde für ihre Hauptrolle für verschiedene Filmpreise nominiert (2012: Bambi, 2013: Preis der deutschen Filmkritik, Romy, Viennale).
2013 folgte der Deutsche Filmpreis an Christian Bischoff, Uve Haußig und Johannes Konecny für die beste Tongestaltung sowie zwei weitere Nominierungen (Film und Hauptdarstellerin).

Der Film war Österreichs Oscar-Nominierung 2014 in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film, erreichte die Ausscheidung jedoch nicht.

Über Marlen Haushofer

Marlen Haushofer wurde 1920 im oberösterreichischen Frauenstein geboren. 1946 veröffentlichte sie ihren ersten Text. Sie zählt heute mit Ingeborg Bachmann zu den Vorläuferinnen der modernen Frauenliteratur. Marlen Haushofer wurde mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt. Sie starb 1970 mit nur 49 Jahren in Wien.

Weitere Informationen

Biografie: Daniela Strigl: „Wahrscheinlich bin ich verrückt …“ Marlen Haushofer – die Biographie.
Die Wand, Reclam Erläuterungen und Dokumente
Private Webseite zur Autorin und ihren Werken: www.haushofer.ch

Alle zwei Jahre wird der nach ihr benannte Marlen Haushofer Literaturpreis Steyr vergeben.

Auszeichnungen

  • 1953 Staatlicher Förderungspreis für Literatur
  • 1956 Preis des Theodor-Körner-Stiftungsfonds
  • 1962 Stipendium der Arthur-Schnitzler Gesellschaft
  • 1965 Kinderbuchpreis der Stadt Wien
  • 1967 Kinderbuchpreis der Stadt Wien
  • 1968 Staatlicher Förderungspreis für Literatur

Bücher von Marlen Haushofer

  • Das fünfte Jahr. Novelle, 1952
  • Eine Handvoll Leben. Roman, 1955
  • Die Vergißmeinnichtquelle. Erzählungen, 1956
  • Die Tapetentür. Roman, 1957
  • Wir töten Stella. Erzählung, 1958
  • Die Wand. Roman, 1963
  • Bartls Abenteuer. 1964
  • Brav sein ist schwer. Kinderbuch, 1965
  • Himmel, der nirgendwo endet. Roman, 1966
  • Lebenslänglich. Erzählungen, 1966
  • Müssen Tiere draußen bleiben? Jugendbuch, 1967
  • Schreckliche Treue. Erzählungen, 1968
  • Wohin mit dem Dackel? Jugendbuch, 1968
  • Die Mansarde. Roman, 1969
  • Schlimm sein ist auch kein Vergnügen. Kinderbuch, 1970
  • Begegnung mit dem Fremden. Gesammelte Erzählungen, 1985
  • Die Frau mit den interessanten Träumen. Erzählungen, 1990
  • Marlen Haushofer: Die Überlebenden. Unveröffentlichte Texte aus dem Nachlaß. Aufsätze zum Werk.; hg. v. Christine Schmidjell 1991
  • Brav sein ist schwer. Hörbuch, 2011

Quellen: Reclam Erläuterungen und Dokumente, Wikipedia

Diskussionsfragen zum Roman

  • Auch wenn es einige schockierende Ereignisse gibt – wie das Auftauchen der Wand und einer späteren Gewaltszene – so beschreibt das Buch hauptsächlich wie die Hauptfigur mit dem täglichen Leben zurechtkommt, Holz sammelt, jagt, sich um die Haustiere kümmert. Erschien Ihnen das Buch beim Lesen eher lang- oder kurzweilig?
  • Die Ich-Erzählerin baut eine enge Beziehung zu Ihren Tieren auf. Warum sind ihr diese so wichtig? Fühlt sich die Hauptperson des Romans allen Tieren gleich nah und verpflichtet?
  • Die namenlose Protagonistin beschreibt ihr Leben im Detail, fast analytisch. Warum gibt sie ihren Emotionen so wenig Raum? Warum beschreibt sie nicht das Vermissen von Familie, ihren Kindern und Freunden? Ist dieses Verhalten für Sie glaubhaft und nachvollziehbar?
  • Diskutieren Sie die Veränderung der Frau im Laufe des Buches. Dabei könnten Ihnen folgende Zitate aus dem Buch helfen: „Schon heute bin ich ja nicht mehr der Mensch, der ich einmal war. Woher sollte ich wissen, in welche Richtung ich gehe? Vielleicht habe ich mich schon so weit von mir entfernt, dass ich es gar nicht merke.“ … „Wenn ich jetzt an die Frau denke, die ich einmal war, ehe die Wand in mein Leben trat, erkenne ich mich nicht in ihr.“
  • „Es fällt mir auf, dass ich meinen Namen nicht niedergeschrieben habe. Ich hatte ihn schon fast vergessen.“ schreibt die Ich-Erzählerin. Was ist die Bedeutung von Namen in unserer Gesellschaft? Warum ist der Frau ihr Name so wenig wichtig?
  • Die Frau erinnert sich an Weihnachten und wie das Fest in ihrer Familie gefeiert wurde. (S. 132-134) Wie hat sich die Bedeutung dieses Festes für sie geändert? Welche Veränderungen traten davon vor, d.h. in ihrem ‚früheren‘ Leben bzw. nach dem Auftauchen der Wand auf?
  • „Immer wieder sagte ich mir, dass ich endlich wieder stark und erwachsen werden müsste, aber in Wahrheit wollte ich zurück in die Wärme und Stille des Kinderzimmers… aber die Verlockung, nach so vielen Jahren sich einmal sinken zu lassen, war zu stark… „ Warum schreib die Ich-Erzählerin dies? Wonach sehnt sie sich?
  • Warum schreibt sie überhaupt? Wenn sie der letzte überlebende Mensch ist, wird doch niemand ihre Aufzeichnungen lesen.
  • Ist Ihnen es Ihnen gelungen sich als Leser in die Hauptperson hineinzuversetzen? Wird dies durch die detailreiche Beschreibung erleichtert?
  • Hätten Sie in einer gleichen Situation überleben können? Welche Ihrer heutigen Fähigkeiten hätten Ihnen dabei geholfen? Welche hätten Sie zusätzlich gebraucht? Hätten Sie überleben wollen?
  • Wäre die Geschichte eine andere geworden, wenn Haushofer als Hauptperson einen Mann gewählt hätte?
  • Die Wand wird nie erklärt. Das Buch bietet keine Antworten; beschreibt die Situation wie sie ist. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil des Buches?
  • Für was könnte die Wand ein Symbol sein? Ein Schutzwall, der Überleben bedeutet, den geistigen Zustand eines Menschen, eine Grenze, die eine Person von der Welt, dem Leben der Anderen ausschließt, eine Verhinderung des Fortschritts, dem Ende der Welt…? Diskutieren Sie die verschiedenen Möglichkeiten. Welche davon finden Sie persönlich am passendsten?
  • Was sind die Hauptthemen im Buch? Wie lässt es sich interpretieren? Mögliche Interpretationsansätze sind männlichkeitskritscher Frauenroman, weibliche Robinsonade, Verhältnis des Menschen zur Natur und Tierwelt, Kritik an unserer Konsumwelt, Verdammung der Atomkriege.
  • Manchmal wird das Buch auch als Bericht /Gedanken einer zutiefst depressiven Frau interpretiert. Das Buch beschreibt den Rückzug der Protagonistin in sich selbst und den verzweifelten Versuch eines Menschen, der ausbrechen musste oder wahnsinnig werden. Können sie diese Sichtweise nachvollziehen? Falls ja, was spricht im Buch dafür?
  • Der Roman erschien bereits 1963. Wie aktuell ist er heute?
  • Wie gefiel Ihnen die Sprache der Autorin? Passen die kurzen Sätze und teilweise banalen Wörter zum Inhalt / Thema des Buches?
  • Die Wand hat ein Thema, das auch von anderen Autoren umgesetzt wurde, bspw. in Robinson Crusoe von Daniel Defoe oder Walden – Ein Leben in Wäldern von Henry D. Thoreau. Gibt es Ihrer Meinung nach einen Grund, warum diese beiden Werke bereits im 18. Und 19. Jahrhundert erschienen sind?
  • Kennen Sie andere vergleichbare Bücher?

Diskussionsfragen zur Literaturverfilmung

  • 2012 wurde der Roman mit Martina Gedeck in der Hauptrolle verfilmt. Viele Leser des Buches haben die Literaturverfilmung gesehen. Viele Lesekreise haben sie sich nach der Diskussion des Buches zusammen angeschaut. Hier einige mögliche Diskussionsfragen zum Film:
  • Das Buch erschien 1963, die erste filmische Umsetzung erst 2012. Lange Zeit galt das Buch als unverfilmbar. Können Sie das nachvollziehen?
  • Ist dem Regisseur die Umsetzung gelungen? Wenn ja, warum?
  • Der Regisseur Julian Pösler sagte in einem Interview: „es gibt eine menschliche Hauptdarstellerin, aber für mich ist der Hund der männliche Hauptdarsteller… Für mich ist der Stoff ein großes Loblied … auf die Schöpfung, die Demut, die Achtung vor allem, das lebt. Das geht ja leider immer mehr verloren.“ Stimmen Sie ihm zu?
  • Ist Martina Gedeck für die Rolle der Hauptdarstellerin eine gute Wahl?
  • Können Sie sich das Buch auch als Theaterstück vorstellen?

 

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    Der Autor Stefan Hertmans erfährt, dass seine zweite Heimat, der Ort Monieux in Frankreich, vor tausend Jahren Schauplatz eines Pogroms durch die Kreuzritter war. Unter den Überlebenden soll eine junge Frau christlicher Herkunft gewesen sein. Sein Roman ist eine literarische Rekonstruktion ihrer Geschichte.

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