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5 Fragen an Jürgen Hosemann, Lektor, Fischer Verlage

Die Fischer Verlage aus Frankfurt haben in Ihrem Programm viele Texte von Autoren des Mittelalters und Bücher über Literatur dieser Epoche. Wir sprachen mit dem Lektor Jürgen Hosemann.

Mit vielen Titeln und bekannten Autoren wie Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach (Parzival), Gottfried von Straßburg (Tristan und Isolde), u.a. sowie Werken von Dieter Kühn über Autoren des Mittelalters bieten die Fischer Verlage ein umfangreiches Programm an Büchern zur Literatur des Mittelalters an. Wie kam Ihr Verlag dazu, dieses Genre in das Verlagsprogramm aufzunehmen? Wie wichtig ist dieses doch sehr spezielle Thema für Ihren Verlag?

Die Literatur des Mittelalters ist der Beginn der Literatur in deutscher Sprache. Sie wird immer zu unserer Kultur gehören, und ein literarischer Verlag wie Fischer will darauf nicht verzichten. Das sind die Klassiker vor den Klassikern, auch wenn sie außerhalb der germanistischen Studiengänge an den Universitäten sicher nur noch wenig gelesen werden. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass mich mal jemand gefragt hätte, wie ich den „Parzival“ finde. Solche Werke existieren außerhalb der Bestsellerlisten und des Literaturbetriebs, eigentlich fast außerhalb der Zeit. „Der neue Wolfram von Eschenbach“ ist halt schon etwas älter.

Andererseits: „Der arme Heinrich“ von Hartmann von Aue und einzelne Gedichte von Walther von der Vogelweide waren bei mir noch Schullektüre und sind es zum Teil heute noch. Als Fischer Taschenbuch liegt „Der arme Heinrich“ inzwischen in der 15. Auflage vor, Hartmanns „Erec“ sogar in der 28. Auflage. Auch das „Nibelungenlied“ und eine Auswahl von Minneliedern sind echte Longseller. Daneben gibt es noch moderne Bearbeitungen mittelalterlicher Stoffe wie zum Beispiel Felicitas Hoppes „Iwein Löwenritter“.

Eine andere Sache sind die vielen historischen Romane, die sich dem Mittelalter widmen, und wie erfolgreich die sein können, weiß man seit dem „Namen der Rose“. Auch Tolkiens „Der Herr der Ringe“ ist ja eine Art selbstgemachtes Mittelalter. Alles zusammen genommen ist das also keine Nische, sondern ein Marktsegment.

Was unterscheidet mittelalterliche Literatur von aktuellen Werken?

Wenn ich mich richtig erinnere, gewinnt in Hartmanns „Erec“ der Titelheld beim Turnier eine Frau. Das liest man heute schon eher selten.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit mittelalterlicher Literatur zu beschäftigen? Was fasziniert Sie persönlich am meisten an der Literatur des Mittelalters?

Ich habe Germanistik mit den Schwerpunkten ältere und neuere Literaturgeschichte studiert, dazu Geschichte. Das kann man nicht tun, ohne mal Figuren wie Enite, Sigune oder Brünhild begegnet zu sein. Später bin ich der Lektor von Dieter Kühn geworden, der beispielsweise den mittelhochdeutschen Text des „Parzival“ und von „Tristan und Isolde“ in ein wunderbar leichtes, elegantes, witziges heutiges Deutsch übertragen hat, das niemals anbiedernd, peinlich oder anachronistisch klingt. Zusätzlich hat Kühn die Zeit und die gesamte Lebenswelt der Dichter der beiden Werke – Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg – so umfassend dargestellt, wie es nur geht. Eine komplette Kulturgeschichte des mittelalterlichen Alltagslebens, hat ein Literaturkritiker das mal genannt. Wenn man das liest, fühlt man sich diesen Dichtern des Mittelalters manchmal näher als manchen Zeitgenossen. Vielleicht fasziniert mich das: Diese Menschen – die Dichter wie ihre Figuren – sind weit weg in der Zeit und kommen einem trotzdem sehr nah. Wer mittelalterliche Literatur liest, ist dem Geheimnis der Zeit auf der Spur.

Wer ist Ihr persönlicher Lieblings-Autor oder Ihr Lieblingswerk des Mittelalters  und warum?

Dieter Kühns „Ich Wolkenstein“, die Biographie über den berühmtesten Dichter und Liedermacher des Spätmittelalters, Oswald von Wolkenstein, ist für mich eines der schönsten Bücher überhaupt. Dieser Wolkenstein war nach allem, was man weiß, ein eher lebensfroher Ritter, Haudegen und Frauenheld, Dichter war er wohl eher im Nebenberuf. Dieter Kühns Buch ist eine große Zeitmaschine. Wenn man das liest, hat man das Gefühl, man lebt selbst im Mittelalter – wenn einen der Autor nicht klugerweise immer wieder daran erinnern würde, dass das eine Illusion ist.

Mittelalterliche Literatur ist in Literaturkreisen (bislang) kaum bekannt. Mit welchen Argumenten würden Sie einen Literaturkreis davon überzeugen, auch einmal ein Werk des Mittelalters zu lesen und zu diskutieren?

Muss man noch mehr sagen? „Wen nie die Liebe leiden ließ, dem schenkte Liebe niemals Glück“ – kann man besser sagen, was Gottfried von Straßburg schon vor achthundert Jahren gesagt hat? Es geht in der Literatur des Mittelalters jedenfalls um mehr, als dass irgendwelche Ritter vom Pferd fallen und langsam verrosten.

Über die Fischer Verlage

Fischer-Verlage-Logo

Der S. Fischer Verlag wurde 1886 von Samuel Fischer in Berlin gegründet und stieg bald zum führenden Verlag des Naturalismus und der klassischen Moderne auf. Heute hat das Unternehmen seinen Sitz in Frankfurt am Main und ist eines der bedeutendsten deutschen Häuser für Belletristik.

Seit 1962 gehört S. Fischer zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

Heute gehören zur Fischer-Verlagsgruppe folgende Verlage: Fischer Taschenbuch, Krüger Verlag, Scherz Verlag, Fischer FJB und Fischer Kinder- und Jugendbuchverlag. Zu diesem gehören seit 2013 die Kinderbuchprogramme Fischer KJB (ehemals „Fischer Schatzinsel“), Sauerländer, Meyers Kinderbuch und Duden Kinderbuch.

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  • Unsere Neuentdeckung des Monats Juli 2017: Ein wenig Glück von Claudia Pineiro

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    Ein kleiner Fehler führt zur Katastrophe. Zwanzig Jahre später kehrt Mary zurück in die Vergangenheit, aus der sie geflohen ist. Zwischen herbeigesehnten Begegnungen und erschütternden Enthüllungen begreift sie endlich, dass ihre Rückkehr vielleicht so etwas wie ein wenig Glück bedeutet.

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    Von dem Buch war auch unsere Testleserin, Lesekreismitglied Ruth L. aus Baden-Baden überzeugt: „Ein wenig Glück ist ein packender Roman über Schuld und Vergebung und Entscheidungen, die einem das Leben aufzwingt. Sprachlich, literarisch und psychologisch überzeugend, dabei ganz ohne Larmoyanz und ohne jeden Kitsch.“

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    Die Niederländerin Anna Enquist  ist ausgebildete Konzertpianistin und arbeitete lange Jahre als Psychoanalytikerin. Seit 1991 veröffentlicht sie Gedichte, Romane und Erzählungen. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet.

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