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Lesekreis aus Hammel bei Aarhus / Dänemark

Ein deutsches Mitglied des dänischen Lesekreises stellt ihre Gruppe vor:

Hat Ihr Literaturkreis einen Namen oder ein sich durch alle Treffen durchziehendes Thema?

Nein.

Wie lange gibt es Ihre Gruppe schon?

Wir feiern im Oktober 2016 unser 10jähriges Jubiläum. Einige Mitglieder haben uns verlassen, neue sind hinzugekommen, aber es gibt auch einen „harten Kern“ von den Anfängen bis jetzt.

Wie viele Mitglieder haben Sie? Wie viele Männer, wie viele Frauen? Wie alt sind Ihre Mitglieder?

Wir sind 7 Frauen im Alter von ca. Mitte 40 bis über 70. Im Herbst möchten wir gern ein neues Mitglied aufnehmen.

Wie oft treffen Sie sich? Wo?

Wir treffen uns ca. alle 6 Wochen privat reihum bei den Mitgliedern. Eine unserer Damen verwaltet sozusagen, wer wieder einmal dran ist, uns zu beherbergen. Aber letztendlich wird das sehr flexibel und ohne große Probleme bei jedem Treffen für das nächste festgelegt…

Gibt es Speisen oder Getränke auf Ihren Treffen? Wenn ja, was essen Sie (Snacks, warm/kalt, mehrere Gänge)? Wer bereitet das Essen vor?

Obwohl wir uns bei Beginn einig waren, daß es nicht das „sønderjyske kaffebord“ (nachzulesen bei Siegfried Lenz ) geben sollte, ist es Tradition geworden, daß wir nach der Buchdiskussion zu privatem Schnack bei Kaffee/Tee und „boller“ (also dänischen, (meist) selbstgebackenen! Brötchen und anschließend Kuchen wechseln. Zweimal im Jahr, zu Weihnachten und zum Sommer, wird dem mehr Raum gegeben – wir treffen uns auch eher, um mehr Zeit zu haben für sowohl Buch als auch das Private, und dann gibt es eben im Dezember das traditionelle dänische „julefrokost“ und im Sommer eine schöne Käseplatte mit leckerem Brot uvm.

Wer leitet die Diskussion? Werden Informationen über den Autor/die Autorin oder das Buch vorbereitet? Wenn ja, von wem?

Einen Diskussionsleiter brauchen wir eigentlich nicht, aber dieselbe Dame, die auch den nächsten Treffpunkt festlegt, schaut nach, wer als sog. „Formand“, Vorsitzende, an der Reihe ist. Diejenige erzählt dann nach unserer Eingangsrunde etwas über den Verfasser, Rezensionen und ggf. auch über politische Umstände, historische Fakten oder geographische Besonderheiten. Oft ergänze ich dann noch Rezensionen aus Deutschland, die sich manchmal auch von den dänischen unterscheiden. Wir beginnen jeden Abend mit einer kurzen Runde: „Wie hat dir das Buch gefallen — warum, warum nicht — was war herausstechend, was fiel dir auf, was war komisch, unglaubwürdig etc.“, wo jeder kurz die Gelegenheit hat, eine Meinung ganz ungefiltert zum Buch zu sagen. Dann ist die „Vorsitzende“ mit ihren Beiträgen evtl. schon dran oder wir greifen einen der Punkte auf, die in der Runde erwähnt wurden. Manchmal geben wir uns auch die Aufgabe, zum Buch mit 1-2 Fragen zu kommen, die schriftlich in die Mitte geworfen und gezogen werden. Auch eine gute Art, stockende Diskussionen in Gang zu bringen oder ein Buch noch bewusster zu lesen.

Welche Arten von Büchern lesen Sie?

Wir sind im Laufe der Jahre stolz auf unsere Vielfalt, sowohl bei den Themen als auch bei den Autoren und ihren Herkunftsländern. Naturgemäß liegen den Damen skandinavische Autoren oft näher, aber wir haben auch schon Garcia Marquez, Siri Hustvedt, Khaled Hosseini, Haruki Murakami, John Williams, Virginia Woolf u.v.a. gelesen, und natürlich versuche ich immer wieder einmal, deutschsprachige Autoren einzubringen. Gelungen ist mir dies u.a. mit Siegfried Lenz, Erich M. Remarque und Daniel Kehlmann.

Wie wählen Sie Ihre Bücher aus? Wird bei jedem Treffen ein neues Buch ausgesucht oder bestimmen Sie die Bücher für mehrere Treffen?

Da ich für die Beschaffung der Bücher sozusagen verantwortlich, also die Kontaktperson zwischen unserer Bibliothek (die die Bücher zur Verfügung stellt/beschafft) und dem Lesekreis, bin, dränge ich wie die Bibliothekarin dort über auf kleinen Vorrat an Titeln, die wir dann in beliebiger Reihenfolge lesen. Aber welche wir Bücher wir lesen, wird von allen vorgeschlagen und mitbestimmt. Oft kommen Mitglieder mit Vorschlägen, weil sie eine Rezension gelesen oder gehört haben. Zu Weihnachten hatte jedes Mitglied die Aufgabe, 2-3 Titel auszusuchen und vorzuschlagen. Es wird gemeinsam abgestimmt, und wenn Thema und Umstände passen, kommt das Buch auf die Halbjahresliste, die ich der Bibliothek weiterreiche. Die zeitliche Reihenfolge legt die Bibliothek fest – oft ist es ja auch ein Beschaffungsproblem, vor allem ganz neue Bestseller sind uns daher erstmal nicht zugänglich. Die Liste ist aber jederzeit redigierbar.

Gibt es Bücher, die Sie aufgrund der Diskussion in Ihrer Gruppe anderen Literaturkreisen empfehlen wollen?

Hm, eigentlich nicht, denn irgendwie ist so eine Auswahl trotz aller Vielseitigkeit ja auch persönlich. Etliche unserer dänischen Bücher sind leider gar nicht in Deutsche übersetzt, trotzdem kann ich anderen Lesekreisen die skandinavische Literatur gern ans Herz legen. Es ist bestimmt interessant, den unterschiedlichen Stil gerade in der Sprache kennenzulernen oder auch den anderen Zugang zu manchen historischen, zeitgenössischen Themen – wie z.B. Zweiter Weltkrieg oder aber in andere, typisch dänische, typisch skandinavische, Kulturepochen oder Ereignisse zu schnuppern.

Welche Flops in der Buchauswahl hatten Sie schon?

Zwei oder drei gab es schon, aber das hatte jeweils verschiedene Gründe. Ein gutes Buch für den einzelnen muß noch nicht zwangsläufig ein geeignetes für einen Lesekreis sein. Ich erinnere mich jedoch an einen russischen Krimi, den wir alle einfach nur schlecht fanden, weil er versuchte, historisch zu sein, dabei aber nur aufgesetzt und künstlich wirkte. Auch der erhoffte Einblick in russische Gesellschaftsthemen der Zeit blieb aus.

Wie erhalten Sie Ihren Spaß?

Der Spaß bleibt erstaunlicherweise ohne große Anstrengungen erhalten – sowohl im Buchteil als auch in den Gesprächen hinterher, die sich um Familie, Reisen, Beruf uvm. drehen. Wäre es anders, wären unsere Gruppe nicht so alt geworden. Manchmal treffen wir uns auch auf Veranstaltungen wie Lesungen oder Buchcafé der Bibliothek etc. wieder – und berichten dann beim nächsten Treffen denen, die nicht dabei sein konnten, davon.

Welche Tipps können Sie anderen Literaturkreisen geben?

Da möchte ich keine Tips geben. Vielfalt finden wir reizvoll, meine Freundin jedoch ist in einem Lesekreis, der nur dänische Autoren liest – und sich wohl damit fühlt. Jeder Lesekreis muß selbst herausfinden, was ihm gefällt und wie die Abende organisiert werden. Wichtig ist aber Offenheit für andere Meinungen, andere Gedanken, die Lust, sich selbst zu revidieren und seine Meinung neu zu überdenken und manchmal dann auch zu einem ganz neuen Verständnis des Buches zu kommen sowie die Bereitschaft, auch Bücher zu lesen, die man selbst privat kaum angerührt hätte. Dann kann es doch gar nicht langweilig werden!

Haben Sie nette Anekdoten, die Sie mit anderen Literaturkreisen teilen möchten?

Anekdoten – nein, da fällt mir spontan nichts ein. Wichtig ist uns, daß wir selten einer Meinung sind, daß dabei die Allianzen, wer ein Buch gerade mehr mag als die andere, nicht jedes Mal gleich sind und wir manchmal erstaunliche Überraschungen erleben. Ich weiß inzwischen, daß „meine Damen“ die langen Sätze der meisten deutschen Verfasser auch in der Übersetzung nicht mögen, wohingegen sie wissen, daß es mir oft mit den kurzen dänischen so geht. Darüber witzeln wir manchmal… Und ich stelle oft fest, daß eben die Geschichte verschieden gesehen wird, je nachdem, wo man aufgewachsen ist – und daß ich als Nachkriegskind mit Familie in der damaligen DDR einiges mehr über Mauerbau, aber auch Leben hinter der Mauer und Mauerfall weiß als die Dänen, die dies eben nur als Zuschauer und selten als Betroffene erlebt haben.

Gibt es noch etwas Besonderes oder Interessantes über Ihre Gruppe, das Sie gerne erzählen möchten?

Eigentlich nicht, außer daß wir uns in diesen 10 Jahren irgendwie doch ans Herz gewachsen sind, obwohl wir uns außerhalb der Lesekreisabende selten sehen und schon gar nicht treffen.

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Die besten Buchempfehlungen und Buchtipps dieses Lesekreises und der anderen Literaturkreise des Monats haben wir für Sie zusammengestellt. » zu den Buchempfehlungen und Buchtipps

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    Neuentdeckung des Monats:

    ‚Das perfekte Leben des William Sidis‘ von Morten Brask

    Er gilt als einer der intelligentesten Menschen aller Zeiten. Man schätzte seinen Intelligenzquotienten auf über 250. Mit 6 Monaten kann er sprechen, mit 18 Monaten bereits eine Zeitung lesen. Mit 6 Jahren beherrscht er 10 Sprachen. Der Amerikaner William Sidis war um 1900 ein Wunderkind.

    Trotzdem kennt ihn heute kaum jemand. Das wird sich hoffentlich nun ändern, denn der dänische Autor und Historiker Morten Brask erzählt in seinem Debütroman das Leben dieses außergewöhnlichen Genies.

    Mit großem Einfühlungsvermögen fühlt er sich dabei in die Psyche seines Protagonisten hinein. Es entsteht das Bild eines einzigartigen Menschen.

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  • Unser Buch des Monats September 2017: ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Buch des Monats:

    ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Einfach so erzählt die Geschichte einer Frau, die in New York zu Hause ist. Sie schreibt Nachrufe für eine Zeitung, lebt mit ihrem Ehemann, einem Künstler, in einem weitläufigen Loft, hat drei aufmüpfige, aber wohlgeratene Kinder, und wenig Außergewöhnliches drängt sich in den Ablauf ihrer Tage. Das Außergewöhnliche liegt in ihr selbst, in ihrer Art, die Umwelt wahrzunehmen.

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