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Literatour / Literaturhotel: Unterwegs mit dem Lesekreis

Wie beliebt Reisen auf der Grundlage eines zuvor gelesenen Buches oder eines bekannten Autors sind, belegt die Anzahl der Anbieter solcher „Literatouren“. Die Bandbreite der Angebote reicht von Führungen bzw. Spaziergängen zu einem literarischen Thema über eine Übernachtung in einem Literaturhotel bis hin zu einer mehrtägigen Kurzreise. Und zur Vorbereitung der Reise empfiehlt sich ein literarischer Reiseführer.

Rund ums literarische Reisen: Die Veranstalter

Das richtige Reiseprogramm zu finden ist nicht schwer. Ein kurzer Blick und ein Klick auf die Webseite eines solchen Veranstalters genügen und mehrere Tage informativer Urlaub sind garantiert. Möchten Sie Wien um die Jahrhundertwende mit seinen Kaffeehäusern kennen lernen, während sie wie Arthur Schnitzlers Leutnant Gustl verträumt in Richtung Prater wandern? Oder sind das warme Italien und Dante mehr Ihr Geschmack? Für jeden ist etwas dabei. Gerade der eigene Literaturkreis ist die optimale Gruppe für diese Art Urlaub. Man kennt sich gut und ist literarisch-kulturell interessiert. Auch kann die Reise mit dem zuletzt gelesenen Werk oder einem zukünftig geplanten Buch verbunden werden, welches in dem ausgesuchten Reiseort spielt oder geschrieben wurde.

Seit 1998 bietet Dr. Bach literarische Reisen an. Literarisch Reisen (www.literarisch-reisen.de) organisiert schwerpunktmäßig literarische Touren im Osten Deutschlands, aber auch Reisen nach Lübeck, München und Wien. 2013 runden weitere Zielorte wie Barcelona, Paris und New York das anspruchsvolle Programm ab. Und wer nicht viel Zeit mitbringt: Für Gruppen stellt Dr. Bach individuelle literarische Stadtführungen für Berlin und Leipzig zusammen.

Das Institut für Bildung und Kulturreisen (www.ibk-reisen.de/47.0.html) bietet „literarisches Reisen“ in zehn verschiedene Länder an, darunter Italien, Frankreich und Irland. Alle aufgeführten Reisen sind Beispiele, die eigentliche Reise wird für den Kunden – inklusive Unterkunft und Anreise – individuell maßgeschneidert. Sollten Sie ein gemeinsames Lieblingsbuch oder Thema haben, das Sie nicht mehr loslässt und welches detaillierter aufgearbeitet werden soll, wird Ihre „eigene“ Reise neues Diskussionsmaterial bringen. Dabei reicht die Epochen-Bandbreite der IBK-Reisen vom Mittelalter bis zur Weimarer Klassik. Ein weiterer Service: Reiseteilnehmer können kostenlos DVDs zu diversen, literaturbezogenen Vortragsthemen ausleihen, die in gemütlicher Literaturkreis-Runde als zusätzliche Informationsquelle rund um die Epoche des gelesenen Werks dienen können.

Eine wesentlich kleinere und persönlichere Reiseagentur sind die Hamburger Literaturreisen (www.hamburgerliteraturreisen.de) . Gegründet und geführt von den beiden Dozenten Vera Rosenbusch und Dr. Lutz Flörke, werden Literaturreisen in die wichtigsten kulturellen Zentren Deutschlands organisiert. Daneben erfreuen sich kürzere literarische Spaziergänge, die unter einem Motto stehen und an bedeutende Orte in Hamburg führen, großer Beliebtheit. Und wer sich regelmäßig mit Literatur beschäftigen möchte, kann einen der angebotenen Literaturgesprächskreisen besuchen.

Literaturreisen.com (www.literaturreisen.com) organisiert keine Ausflüge oder Reisen, sondern dient als Informationsplattform. Für diverse literarische Exkursionen findet man Programmvorschläge und Links zu detaillierten Informationen, wobei man das Buchen der Reise selbst übernimmt. Eine Hilfe sind Vorschläge für Reiseunternehmen, die als Partner der Webseite fungieren. Ein selbstständiger und unternehmungslustiger Literaturkreis kann hier nicht nur die eigene Reise zusammenstellen, sondern sich auch mit Hintergrundinfos zur Literaturgeschichte versehen. Von 800 v. Chr. bis 1989 bietet die Webseite Zusammenfassungen der aufgeführten Epochen und verweist auf zusätzliche, nützliche Links. (Am Ende des Artikels finden Sie weitere Reiseanbieter.)

Ankommen, Ausruhen, Lesen: Literaturhotel

Wenn Ihnen und Ihren literarischen Gefährten nicht der Sinn nach zwar informativen, aber anstrengenden Städtereisen steht, weichen Sie doch auf ein Literaturhotel aus. Solche Buchhotels oder Bibliotels haben sich darauf ausgerichtet, lesebegeisterten Urlaubern der perfekte Ort zu sein, um ein gutes Buch zu genießen. Neben dem Besuch von Bibliotheken und Veranstaltungen rund um das Geschriebene, können Sie in Wellnessbereichen entspannen oder Freizeitaktivitäten in der näheren Umgebung des Hotels wahrnehmen.

Das Literaturhotel Franzosenhohl in Iserlohn (www.literaturhotel-franzosenhohl.de), 3 Sterne, liegt preislich bei 135 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer beziehungsweise 87 Euro pro Nacht für ein Einzelzimmer, inklusive Frühstück. Die hoteleigene Bibliothek besteht aus 2000 Werken und sollten Sie Interesse an einem speziellen Thema haben, warten Bücher dieses Genres bereits bei Ihrer Ankunft im Zimmer auf Sie. Ein Veranstaltungskalender gibt einen Überblick über die angebotenen Lesungen und andere Events. Auch für den körperlichen Ausgleich ist gesorgt: Bogenschiessen, Yoga, Tanzen und viele andere Sportarten halten,  neben der Literatur nicht nur den Geist, sondern auch den Körper fit. Ganz so, als hätte die Hoteldirektion an uns Mitglieder von Lesekreisen gedacht, bietet das Hotel unter der Leitung von Frau Andrea Reichart  Buchpartys für 10-50 Personen (d.h. für 1-5 Literaturkreise) an. Nach der ersten Stunde geselligen Beisammenseins werden wichtige Neuerscheinungen von Frau Reichart vorgestellt und aus mehreren Büchern vorgelesen. Die Kosten einer solchen Buchparty betragen 150 Euro pro Gruppe. Eine Bewirtung kann separat dazu gebucht werden.

Ganz den Büchern gewidmet hat sich das Gutshotel Groß Breesen in Mecklenburg-Vorpommern (www.gutshotel.de). Es ist das erste Buchhotel Deutschlands und besitzt mit über 300.000 (!) Bänden eine schier unendliche Quelle für Lesefanatiker. Dieser Schatz ist im ganzen Haus auf viele einzelne Regale verteilt und weder geordnet, noch in Themen eingeteilt. Solch eine Umgebung fordert einen geradezu heraus, auf einer abenteuerlichen Entdeckungstour durch den alten Gutshof zu streifen und nach spannenden, interessanten und seltenen Büchern zu suchen. Denn: Jeder Gast, der zwei Bücher mitbringt, darf ein neues Werk mitnehmen. So wird von überall Literatur zusammengetragen und an einem Ort vereint. Regelmäßige Veranstaltungen mit teils ausgefallenen Themen (wie z.B. einer „Vollmondlesung“) vervollständigen das literarische Urlaubspaket. Das historische „Gewölbe“ von 1833 beherbergt heute das Hotel-Restaurant mit Bar und Weinkeller. Hier bekommen sie Gerichte aus der Region geboten, wie zum Beispiel Wild aus den umliegenden Wäldern. Für ein Einzelzimmer inklusive Frühstück zahlen Sie 60 Euro pro Person pro Nacht, für ein Doppelzimmer 49 Euro pro Person pro Nacht.

Unter den Literaturhotels sind auch besonders exklusive Häuser zu finden. Das Hotel Budersand (www.budersand.de) in Hörnum, Sylt, nennt 5 Sterne und eine 1200 Bände umfassende, von Elke Heidenreich eingerichtete, Bibliothek sein Eigen. Preislich ist es dementsprechend wesentlich höher anzusiedeln. In der Hauptsaison (Saison A; 30.03. – 07.10.) kostet ein „gewöhnliches“ Doppelzimmer 320 Euro pro Nacht – bei einem Mindestaufenthalt von drei Tagen. Was das Hotel Budersand zu einem Kulturhotel macht, ist – neben der besonderen Bibliothek – der Salon.budersand. Einmal im Monat kommen Künstler, Sänger, Musiker und Rezitatoren aus aller Welt nach Budersand, um den Gästen einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Kulinarisch verwöhnt werden Sie im 1-Sterne Restaurant kai3 oder in der Vinothek des Hotels. Sollte eine ordentliche Portion Entspannung nach einer kräftezehrenden Golfpartie auf dem 18-Loch-Platz genau das Richtige sein, finden Sie im 1000 qm Spa-Bereich mit Sicherheit eine passende Massage oder Behandlung.

Ein Reiseführer als literarische „Beilage“ zu jedem Urlaub

Schlussendlich stellen wir die einfachste Art, einen literarisch angehauchten Urlaub zu verbringen, vor. Wenn Sie mit Ihrer Familie, Ihrem Lesekreis oder einer beliebigen Gruppe einen Urlaub planen, lohnt es sich, einen literarischen Reiseführer mitzunehmen. In ihm sind – wie in einem gewöhnlichen Reiseführer – prägende Stätten oder Kulturzentren verzeichnet oder beschrieben, mit Augenmerk auf die Literatur.

Der Verlag und Reiseveranstalter Jena 1800 (www.jena1800.de) hat eine ganze Reihe von literarischen Reiseführern herausgebracht. Im Band „Literarisches Leipzig“, werden bspw. die wichtigsten Dichter, Gelehrten und Verleger der Stadt unter den Stichworten „Wohnorte, Wirken und Werke“ vorgestellt. Hinten an das Buch angehängt ist eine auffaltbare, detaillierte Stadtkarte, auf der die Wohnorte der Künstler mit einer Nummer vermerkt sind, die Sie unter dem zugehörigen Artikel im Stadtführer finden. So lassen sich die Lebenswege der Leipziger Literaten verfolgen. Literarische Reiseführer für folgende deutsche Städte sind bei Jena 1800 erschienen: Dresden, Berlin, München, Hannover, Köln, Heidelberg, Jena, Weimar (politisch-historisch), Münster und Hamburg.

Empfehlenswert sind auch die Literarischen Reiseführer von Dr. Ansgar Bach, die er für die Städte Berlin, Leipzig und Dresden herausgegeben hat.

Tipps zur Suche weiterer Reiseführer: geben Sie „literarischer Reisführer“ oder ähnliche, abgewandelte Suchbegriffe bei www.amazon.de ein oder fragen Sie bei Ihrem Buchhändler nach.

Liste Anbieter für literarische Reisen

Liste Buch- bzw. Literaturhotels

Autor: Lars Buschhorn

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