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Autoren und Werke mittelalterlicher Literatur für eine Lektüre im Lesekreis

ausgewählt und kommentiert von Kristina Folz

Walther von der Vogelweide

Die Spruchlyrik Walthers ist bissig, hoch politisch und oft witzig. Die kurzen Texte kann man mithilfe eines kurzen einordnenden Kommentars gut nachvollziehen und „portiönchenweise“ konsumieren.

Ich kann guten Gewissens die Reclam-Ausgabe (etwas akademischer) und die S. Fischer-Ausgabe (pointierter ausgewählt, aber auch gut kommentiert) empfehlen. Nicht wissenschaftlich, aber stimmungsmäßig einführend ist der Roman „Das Spiel der Nachtigall“ von Tanja Kinkel. Ich kann ihn trotzdem empfehlen, der das Leben Walthers von der Vogelweide nachzeichnet und literarisch ausschmückt. Da man über Walther praktisch nichts weiß, ist das meiste erfunden, aber die Handlung passt sich gut in die bekannten Rahmendaten ein. Und: Es ist einfach ein schöner Roman, den ich schon mehrfach gelesen habe.

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  • Walther von der Vogelweide: Werke. Band 1: Spruchlyrik. Mittelhochdeutsch/ Neuhochdeutsch. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Günther Schweikle. Dritte, verbesserte und erweiterte Auflage hrsg. von Ricarda Bauschke-Hartung. Reclam, Stuttgart 2009. (550 Seiten, ISBN 978-3-15-000819-5; Preis: 13,80 €)
  • Walther von der Vogelweide: Gedichte. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung. Herausgegeben von Peter Wapnewski. 26. Auflage. S. Fischer, Frankfurt am Main 1982. (304 Seiten, ISBN 978-3-59626052-2; Preis: 9,95 €)
  • Tanja Kinkel: Das Spiel der Nachtigall. Knaur, München 2012. (928 Seiten, ISBN 978-3-42663632-9; Preis: 12,99 €)

Wolfram von Eschenbach

Als einer der bedeutendsten Dichter des Mittelalters hat Wolfram drei Romane / Romanfragmente und einige Lieder verfasst. Besonders beeindruckend ist die Themenvielfalt und der Anspielungsreichtum des „Parzival“ (der leider ziemlich ausführlich ist, für Literaturkreise bietet sich an, nur Ausschnitte zu wählen).

Die zweibändige Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlags ist aus zwei Gründen sehr empfehlenswert: Zum einen ahmt der Übersetzer Dieter Kühn, Wolframs lustige, aber auch etwas verquere Ausdrucksweise im Neuhochdeutschen nach, zum anderen ist der anschließende Kommentar von Eberhard Nellmann umfang- und hilfreich, denn der „Parzival“ ist leider kein ganz einfacher Text. Alternativ bietet sich eine Nacherzählung an, wie beispielsweise die von Auguste Lechner (die sich eigentlich an Kinder richtet, aber auch für Erwachsene geeignet ist):

"buchhandel.de/Parzival I/Parzival II.
von Wolfram von Eschenbach
Deutscher Klassiker Verlag, 1.838 Seiten, 25,- Euro / Band (D)

Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann. Übertragen von Dieter Kühn. 2006.



Hartmann von Aue

Hartmann gilt als Begründer des deutschen Artusromans. Sein zweiter Artusroman „Iwein“ ist auch für Laien gut zu verstehen und kann als Liebesroman, Morallehre, Ritter-Abenteuer-Roman und zeitgeschichtlicher Kulturspiegel gelesen werden. Auch hier gibt es eine empfehlenswerte Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlags, aber eine ebenso empfehlenswerte von De Gruyter, die neben Originaltext und Übersetzung auch einen interpretierenden Kommentar zu den wichtigsten Motivkreisen enthält.

"buchhandel.de/Iwein.
von Hartmann von Aue
De Gruyter Verlag, 175 Seiten, 19,95 Euro (D)

Text und Übersetzung. Text der siebenten Ausgabe von G. F. Benecke. Übersetzung und Nachwort von Thomas Cramer. 4. Auflage. 2001.

 

 

Gottfried von Straßburg

Gottfrieds „Tristan und Isold“ gilt als größter mittelhochdeutscher Liebesroman und ist zumindest namentlich heute noch bekannt. Inhaltlich ist das Werk allerdings sehr anspruchsvoll (weil in sich widersprüchlich), deswegen sollte man auf jeden Fall eine gute, kommentierte Ausgabe benutzen – oder neben der Textversion auch eine Lektürenhilfe verwenden. Hier würde ich Walther Haugs Bearbeitung aus dem Insel Verlag empfehlen:

"buchhandel.de/Tristan und Isold.
von Gottfried von Straßburg
Insel Verlag, 2.030 Seiten, 29,95 Euro (D)

Herausgegeben von Walter Haug und Manfred Günter Scholz. 2012.



"buchhandel.de/Tristan und Isolde.
von Gottfried von Straßburg
Fischer Verlag, 668 Seiten, 13,00 Euro (D)

Übertragen von Dieter Kühn. 2008.

 

 

Das „Nibelungenlied“

Das „Nibelungenlied“ gilt seit Langem als deutsches Nationalepos, auch wenn es immer wieder zu verschiedenen Zwecken instrumentalisiert wurde. Trotzdem haben es nur wenige Leute wirklich gelesen. Verständlich, denn der Originaltext ist sehr umfangreich und bedarf eines guten Kommentars. Doch schon seit der Romantik gibt es immer wieder Nachdichtungen des berühmten Epos. Eine relativ aktuelle Neudichtung stammt von Michael Köhlmeier, die sich zwar in Details vom Original unterscheidet, aber die zentralen Handlungsstränge und Motive anschaulich wiedergibt. Eine sehr schöne, textnahe, interpretierende Zusammenfassung bietet Peter Wapnewski – allerdings auf CD. Den Klassiker in reimnaher Übersetzung und mit einem überblickshaften Anmerkungsteil bietet Reclams Universalbibliothek.

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  • Michael Köhlmeier: Die Nibelungen. Neu erzählt. Piper Verlag, München 1999. (128 Seiten, ISBN 978-3-49222882-4; Preis: 8,99 €)
  • Nibelungenlied. Gelesen und kommentiert von Peter Wapnewski. 8 CDs. Hördauer: 8h 42 m. Der Hörverlag 2006. (ISBN 978-3899409161; Preis: ca. 34,99 €)
  • Das Nibelungenlied. Übersetzt von Felix Genzmer. Mit einem Nachwort von Bernhard Sowinski. Reclam, Stuttgart 2011. (408 Seiten, ISBN 978-3-15-000642-9, Preis: 9,00 €)

Minnelyrik

Ein richtig perfektes Buch für Laien finde ich hier nicht, am ehesten bietet sich auch hier wieder eine Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlags an. Eine umfangreiche Textsammlung stellt Original und Übersetzung nebeneinander. In einem angefügten Kommentar sind die wichtigsten Informationen auf knappem Raum zusammengefasst. Ein optisches Highlight sind natürlich Faksimile-Ausgaben mittelalterlicher Handschriften, aber die sind praktisch unbezahlbar und meist nur noch über das ZVAB zu erhalten. Da die schönsten Handschriften aber alle digitalisiert sind, hier ein Link zum Codex Manesse, der in der Heidelberger Unibibliothek lagert. Dazu passend kann ich das Buch zur Ausstellung (die allerdings bereits vorbei ist) empfehlen.

"buchhandel.de/Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters.
Deutscher Klassiker Verlag, 1.129 Seiten, 22,- Euro (D)

Editionen der Texte und Kommentare von Ingrid Kasten. Übersetzungen von Margherita Kuhn. 2. Auflage. Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch Bd. 6, Frankfurt am Main 2014.

 

 

codex-manesseDer Codex Manesse und die Entdeckung der Liebe.
herausgegeben von Maria Effinger et al.
Universitätsverlag Winter, 192 Seiten, 22,- Euro (D)

2. Auflage. 2012.

 

 

Ein Werk ganz anderer Art passt auch halbwegs in diese Kategorie: der Roman „Frauendienst“ (um 1250) von Ulrich von Liechtenstein. Halb Roman halb zeitgeschichtliches Dokument erzählt der aus seinem Leben als Minnesänger. Das Werk ist allerdings sehr umfangreich und in keiner ansprechenden Ausgabe verfügbar (ist nicht allzu bekannt). Es gibt aber ein Teilstück, das sogenannte „Frauenbuch“, das in sich abgeschlossen ist und das ansprechende Thema hat „Warum verstehen sich Frauen und Männer einfach nicht?“. Der Dichter schreibt recht humorvoll und spricht auch Tabuthemen an. Das macht es so modern und interessant. Es ist in einer zweisprachigen Reclam-Ausgabe erhalten:

"buchhandel.de/Das Frauenbuch. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch.
herausgegeben von Christopher Young.
Reclam Verlag, 240 Seiten, 7,- Euro (D)

2003.

 

 

 

Sachtexte

Hier könnte ich die „Kaiserchronik“ empfehlen, die Mitte des 12. Jahrhunderts (also relativ früh) entstand und noch 300 Jahre später als ‚Bestseller‘ galt. Es handelt sich um die erste weltliche Geschichtsabhandlung in mittelhochdeutscher Sprache. Der Chronist zeichnet die Geschichte des Römischen Reichs anhand einzelner Geschichten nach, streut aber auch viele Legenden und Sagen ein. Das macht das Werk abwechslungsreich und Lesekreise können sich daraus auch problemlos Teile herauspicken, ohne dadurch etwas Inhaltliches zu verpassen. Die Reclam-Ausgabe ist zu empfehlen (zweisprachig + Kommentar).

"buchhandel.de/Die Kaiserchronik: eine Auswahl. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch.
herausgegeben von Matthias Herweg.
Reclam Verlag, 509 Seiten, 14,- Euro (D)

2014.

 

 

 

Über Kristina Folz

Kris-Folz

Kristina Folz studierte an der Universität Heidelberg Germanistik, Politikwissenschaft und europäische Kunstgeschichte auf Magister. Währenddessen arbeitete sie als Mittelhochdeutsch-Tutorin und spezialisierte sich auf mittelalterliche Literatur. Dem aktuellen Zeitgeschehen widmete sie sich unter anderem als freie Mitarbeiterin zweier Tageszeitungen. Nach ihrem Studium absolvierte sie ein Volontariat in einem kleinen Fachbuchverlag. Seit 2015 betreibt sie freiberuflich das Lektorats- und Redaktionsbüro „Perflekt“. Nebenbei ist sie als Autorin von Büchern und Lehrmaterialien sowie als vhs-Kursleiterin tätig.

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    Neuentdeckung des Monats:

    ‚Das perfekte Leben des William Sidis‘ von Morten Brask

    Er gilt als einer der intelligentesten Menschen aller Zeiten. Man schätzte seinen Intelligenzquotienten auf über 250. Mit 6 Monaten kann er sprechen, mit 18 Monaten bereits eine Zeitung lesen. Mit 6 Jahren beherrscht er 10 Sprachen. Der Amerikaner William Sidis war um 1900 ein Wunderkind.

    Trotzdem kennt ihn heute kaum jemand. Das wird sich hoffentlich nun ändern, denn der dänische Autor und Historiker Morten Brask erzählt in seinem Debütroman das Leben dieses außergewöhnlichen Genies.

    Mit großem Einfühlungsvermögen fühlt er sich dabei in die Psyche seines Protagonisten hinein. Es entsteht das Bild eines einzigartigen Menschen.

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  • Unser Buch des Monats September 2017: ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Buch des Monats:

    ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Einfach so erzählt die Geschichte einer Frau, die in New York zu Hause ist. Sie schreibt Nachrufe für eine Zeitung, lebt mit ihrem Ehemann, einem Künstler, in einem weitläufigen Loft, hat drei aufmüpfige, aber wohlgeratene Kinder, und wenig Außergewöhnliches drängt sich in den Ablauf ihrer Tage. Das Außergewöhnliche liegt in ihr selbst, in ihrer Art, die Umwelt wahrzunehmen.

    Lily Brett, geboren 1946, ist eine australisch-amerikanische Autorin. Mit diesem Buch, erschienen 1995, wurde sie bekannt.

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