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Der Fall
Rowohlt Taschenbuch
EUR 8,99

* * * ½  
4 Bewertungen

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Der Fall

«Wenn die Zuhälter und Diebe immer und überall verurteilt würden, hielten sich ja alle rechtschaffenen Leute ständig für unschuldig! Und meiner Meinung nach muss gerade das verhindert werden.»
In einer atemberaubenden Beichte bekennt ein im Amsterdamer Hafenviertel untergetauchter Staranwalt Selbstgefälligkeit und Opportunismus als Triebfedern seines einstigen Rechtsbewusstseins. 

Der Fall: die selbstentlarvende ironische Beichte eines ‚Büßers’, der sich christlichem Gedankengut öffnet.

Leseprobe aus ‚Der Fall von Albert Camus‘

Über Albert Camus
Ausführliche Informationen zum Leben und Werk von Albert Camus finden Sie auf unserer Camus-Autorenseite
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Über das Buch

‚Der Fall’ erschien 1956 (1957 in Deutschland) und war Camus letzter Roman vor seinem Unfalltod 1960. Er sollte in Camus ‚Novellen des Exils’ veröffentlicht werden, erschien aufgrund seines Umfangs dann aber als Einzelwerk.

Die Geschichte spielt in Amsterdam und ist ein Monolog des selbsternannten französischen ‚Bußrichter’ Jean-Baptiste Clamans, der einem Fremden seine Lebensbeichte mitteilt. Er berichtet von seiner Vergangenheit als erfolgreicher Anwalt in Paris, seiner Krise und seinem Leben in Amsterdam. Das Werk umfasst Themen wie Bewusstsein, Freiheit und die Sinnlosigkeit des Lebens.

Der Roman ist in sechs nicht nummerierte oder bezeichnete Kapitel eingeteilt und umfasst knapp 120 Seiten. ‚Der Fall’ besteht aus fünf Monologen, die Clamans an fünf Tagen an fünf verschiedenen Orten hält. Sie starten in der Bar und enden in seinem Apartment.

Jean-Baptiste Clamence / Johannes Clamans

Name: Der Name Jean-Baptiste ähnelt Johannes dem Täufer (John the Baptist) und Clamence (Clamans Name in dem französischen Original) passt zu clamans ‚herausschreien’ im Lateinischen.

Weitere Informationen über Clamans: Johannes Clamans (nicht sein richtiger Name), Rechtsanwalt aus Paris, lebt seit Jahren in Amsterdam und wohnt dort im Judenviertel. Rechtsberater im Hafenviertel, ca. 40 Jahre alt, Junggeselle, liebstes Land Sizilien.

Symbole

‚Der Fall’ ist voller Symbole; die wichtigsten:

Lachen: Der Moment, wenn Clamans das anonyme Lachen vom Wasser kommend hört, markiert einen Wendepunkt in seinem Leben. Clamans hört die Welt, wie sie ihn auslacht – sie urteilt, richtet ihn. Nur er hört das Lachen.

Das van Eyck Bild ‚Die Gerechten Richter’: Das Bild gab es tatsächlich. Gemahlt 1432 von van Eyck als Teil des 26-teiligen Altarbildes in Gent wurde es 1934 gestohlen und ist seitdem verschwunden.

Johannes der Täufer ist der Stadtpatron von Gent und zweimal im Altarbild abgebildet. Die Namensverbindung zwischen ihm und Camus Figur Clamans wurde bereits oben angesprochen.

Warum schließt Clamans das Bild im Schrank ein – zeigt es dann aber doch?

Höhen/Tiefen: Clamans spricht oft von Höhen und Tiefen. Er fühlt sich nur hoch oben wohl. Er will sich anderen überlegen fühlen, daher möchte er auch physisch über anderen stehen. Durch seinen gewählten Aufenthaltsort Amsterdam, eine Stadt unter dem Meeresspiegel, bestraft Clamans sich selbst für seine Sünden.

Bar ‚Mexico City’: Seine Zeit in Amsterdam verbringt Clamans in der Bar ‚Mexico City’. Die Stadt Mexico City ist eine hochgelegene Stadt, fast 2.300 Meter über dem Meeresspiegel. Obwohl jeder in Amsterdam ‚niedrig’ ist, ist es Clamans dadurch indirekt gelungen, sich wieder über allen anderen zu positionieren.

Tauben: Clamans erwähnt mehrfach Tauben in seinen Monologen.

Im Christentum sind Tauben das Symbol des Heiligen Geistes und stehen für Reinheit und Unschuld. Für Clamans sind die Tauben im Himmel, weit weg; sie wollen herunter kommen, aber es gibt keinen Platz für sie. In anderen Worten, kein Platz für Gott und das Gute in Amsterdam. Erst am Ende des Romans „entschließen sie sich, herabzufahren… Alle Welt errettet“

Duplizität / Doppelspiel: Clamans nennt sich selbst den doppel-gesichtigen Janus (Januskopf wäre sein selbst gewähltes Aushängeschild). Er ist nicht, was er scheint. Er ist Anwalt und Büßer, spielt viele Rollen.

Wasser: Wasser spielt eine wichtige Rolle im Roman: Die Frau, die Clamans  nicht rettet, fällt ins Wasser und ertrinkt. Clamans lebt in Amsterdam, eine nebelige Stadt voller Kanäle, die unter dem Wasserspiegel liegt. Brücken überspannen die Kanäle, die zu überqueren er sich nachts nicht traut. Das Lachen, das er hört, kommt vom Wasser. Er würde gerne auf Inseln leben; diese sind vom Wasser umschlossen.

Die Verbindung seines Namens zu Johannes dem Täufer: Während dieser das Wasser nutzt, um von den Sünden zu reinigen, liegen Clamans Sünden im Wasser. Doch anstatt ihnen zu entfliehen, wählt er Amsterdam, die Stadt im Wasser als seinen Aufenthaltsort.

Amsterdam: Neben den oben angeführten Gründen wurde Amsterdam noch aus einem anderen Grund gewählt: Mit seinem Vergleich „Finden Sie nicht, dass die konzentrischen Kanäle von Amsterdam den Kreisen der Hölle gleichen?“ stellt Clamans eine Verbindung zu Dantes ‚Göttliche Komödie‘ her.

Titel ‚Der Fall’

Clamans Fall von seinem guten Leben in Paris in das einsame einfache Leben in Amsterdam.

Sündenfall: Durch eigene Schuld ‚fallen’ Adam und Eva aus Gottes Gnade, dem Paradies. Clamans ist schuldig am (Ertrinkungs-)Tod einer Frau und fällt vor sich selbst in Ungnade.

Die junge Frau fällt von der Brücke und ertrinkt – Clamans Untätigkeit sie zu retten löst seinen eigenen Fall in das andere, schlechtere Leben aus.

Was bedeutet das Buch?

Der Höhepunkt (oder Tiefpunkt) von Clamans amoralischem Leben ereignet sich im Kriegsgefangenenlager, wo er einem sterbenden Insassen das Wasser wegtrinkt. Es geht um Schuld und Unschuld. Nach Camus sind alle Menschen schuldig.

Camus lenkt durch die Figur Clamans den Blick auf uns selbst, unsere dunklen Seiten und zwingt uns sich ihnen zu stellen. Bevor man andere Menschen bewertet, sollte man sich selbst bewerten.

Eine Sekunde der Untätigkeit kann das Leben ändern. Im Buch wird eine Spirale in Gang gesetzt, die Clamans über seinen eigenen (Ver)fall in den Abgrund führt. Ein erschütterndes Psychogramm, in dem die Grundfragen von Schuld, Reue und Verantwortung jedes Einzelnen angesprochen werden.

Diskussionsfragen

  • Clamans würde als sein fiktives Aushängeschild einen Januskopf, d.h. ein Doppelgesicht wählen, als Wahlspruch ‚Trau, schau, wem’ und als Beruf Komödiant. Diskutieren Sie die Bedeutungen dieser Wahl.
  • Clamans besteht auf einer Reihe von festen Regeln und Meinungen wie nie nachts über eine Brücke zu gehen, Dienstmädchen müssen lächeln, kein chinesisches Restaurant besuchen. Was sagt dies über den Menschen Clamans aus?
  • Charakterisieren Sie Clamans. Was für ein Mensch ist er?
  • Was für ein Mensch möchte er gerne sein? Wie charakterisiert er sich selbst? Dazu einige Zitate aus dem Buch: ‚Ich, ich und nochmals ich.’ Herablassend, eitel ‚sang das eigene Lob mit schmetternder Diskretion.’ Niemand ist ihm ebenbürtig, oberflächlich „All die kaum gelesenen Bücher, die kaum geliebten Freunde, die kaum gesehen Städte, die kaum besessenen Frauen!“,vergesslich: ‚Ich habe mich nie an etwas anderes erinnert als an mich selber.“
  • Wie sind Clamans Beziehungen zu Frauen? Wie sieht er die Frauen? Wie sieht er sich selbst in Bezug auf Frauen?
  • Clamans berichtet über seine Beziehungen zu Frauen. Anschließend erzählt er dem Fremden von seiner Untätigkeit beim Selbstmord einer jungen Frau. Die Berichte unterscheiden sich stark in ihrer jeweiligen Länge. Wie erklären Sie diese Diskrepanz?
  • Er verliert sein Gleichgewicht durch seine Untätigkeit beim Selbstmord einer (anonymen) Frau. Hätte er anders reagiert, wenn der Selbstmörder ein Mann gewesen wäre? Oder wäre ihm dieser nicht aufgefallen?
  • Warum ist Clamans einem Fremden gegenüber so offen? Warum ist der Fremde bereit, ihm über mehrere Tage und Treffen hinweg, zuzuhören?
  • Clamans spricht häufig davon, dass er gerne an erhabenen offenen Orten ist, wie Bergspitzen oder Oberdecks von Schiffen. Sogar bei alltäglichen Kleinigkeiten habe er sich jeweils hocherhaben fühlen müssen. Amsterdam, der Ort, den er sich für sein Leben ausgesucht hat,  liegt unter dem Meeresspiegel. Hat Ihrer Meinung nach Camus bewusst Amsterdam als Ort für seinen Roman gewählt?
  • Im Roman finden sich eine Fülle von Aphorismen. (Ein Aphorismus ist ein philosphischer Gedanke, der üblicherweise als kurzer, rhetorisch interessanter Sinnspruch formuliert wird und zum Beispiel eine Erkenntnis, Erfahrung oder Lebensweisheit vermittelt.) Diskutieren Sie die folgenden Aphorismen:
    • „Der Mensch kann nicht lieben, ohne sich selbst zu lieben.“
    • „Wenn einer nicht umhin kann, Sklaven zu halten, ist es dann nicht besser, er nennt sie freie Menschen?“
    • Finden Sie noch weitere?
    • Warum hat Camus dieses Mittel angewandt?
  • Fast jedes der Kapitel endet mit der Verabschiedung Clamans von dem Fremden – und einer neuen Verabredung. Warum bezweckte der Autor Camus diesem Stilmittel?
  • Wieso hat Camus als Buchtitel ‚Der Fall’ gewählt? Als Referenz zum biblischen Sündenfall von Adam und Eva im Paradies? Oder gibt es noch andere Interpretationsansätze?
  • Der Ich-Erzähler spricht mit einem Fremden in Form von Monologen. Wir lesen keine Antworten des Fremden, wohl aber die Reaktionen Clamans darauf. Wie gefällt Ihnen dieser Erzählstil des Autors?

  • Wie gefällt Ihnen Camus Schreibstil? Falls Sie weitere Werke von Camus kennen, vergleichen Sie die jeweiligen Schreibstile.

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