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Gehen, ging, gegangen

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Gehen, ging, gegangen

Unsere Neuentdeckung des Monats Juni 2016!

Das Buchpaket vom Knaus Verlag mit 5 Exemplaren des Buches hat ein erst kürzlich gegründeter Literaturkreis aus Passau gewonnen.

Bei der Aktion ‘Lesekreise fragen – Autoren antworten’ hat Jenny Erpenbeck Fragen eines Literaturkreises zum Buch beantwortet. Die Fragen und Antworten finden Sie am Ende dieser Seite.

Entdeckungsreise zu einer Welt, die zum Schweigen verurteilt, aber mitten unter uns ist.

Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.

Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

Pressestimmen

„Jenny Erpenbeck hat das Buch der Stunde geschrieben. (…) Es ist ein trauriger Glücksfall für die deutsche Literatur, den Erpenbeck uns hier beschert.“ Der Spiegel

„Jenny Erpenbeck erzählt von ihren eigenen Recherchen durch das Prisma ihres Protagonisten, dabei gelingen ihr empathische Inneneinblicke in die wirklichen Probleme der Flüchtlinge, die einem zuvor nicht bewusst waren.“ ARD Druckfrisch

„(…) dieser Roman ist realistisch: Nicht weil er Verhältnisse real darstellt, sondern weil er eine literarische Wirklichkeit aufbaut, die die Weltrealität reflektiert.“ NZZ am Sonntag

„“Gehen, ging, gegangen“ ist ein Werk von bezwingender Aktualität – und zugleich eines, das diese Brisanz literarisch weder gesucht noch einkalkuliert hat, weil ihm jeglicher Zynismus fremd ist.“ F.A.Z.net, Felicitas von Lovenberg

„Ich habe ganz großen Respekt für diesen Text von Jenny Erpenbeck, weil es ihr wirklich gelungen ist, Gefühlsduselei, Klischees und Schwarzweißmalerei zu meiden. Und dann bekommt man durch die Begegnung mit ihren Romanfiguren einen neuen Blick auf die Problematik.“ NDR Kultur

„Ein zutiefst menschlicher Roman, genau zur richtigen Zeit.“ DeutschlandRadio Kultur

„Ein großer Wurf und eine Besinnung auf die Grundwerte der Humanität.“ NDR Bücherjournal

Leseprobe

Hörprobe

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Zitate aus dem Buch
(Seitenangaben beziehen sich auf das gebundene Buch)

„Doch gerade in diesem Moment, in dem alle die Angst, die sie gehabt haben, oder die vielmehr sie gehabt hat, schnell aus ihren Gedanken wischen wollen, gerade da geht auf einmal das Licht aus, und einen Moment lang sind alle Menschen in diesem Raum schwarz.“ (Seite 38)

„Die Zeit ist hier wie ein großes Land, in das man Jahreszeit für Jahreszeit wieder heimkehren kann.“ (Seite 40)

„Wenn eine ganze Welt, die man nicht kennt, auf einen einstürzt, wo fängt man dann an mit dem Sortieren?“ (Seite 63)

“Vieles von dem, was Richard an diesem Novembertag, einige Wochen nach seiner Emeritierung, liest, hat er beinahe sein ganzes Leben über gewusst, aber erst heute, durch den kleinen Anteil an Wissen, der ihm nun zufliegt, mischt sich wieder alles anders und neu.” (Seite 177)

„Führt der Frieden, den sich die Menschheit zu allen Zeiten herbeigesehnt hat und der nun in so wenigen Gegenden der Welt bisher verwirklicht ist, denn nur dazu, dass er mit Zufluchtsuchenden nicht geteilt, sondern so aggressiv verteidigt wird, dass er beinahe schon selbst wie Krieg aussieht?“ (Seite 298)

Informationen zum Buch

Für das Buch führte Jenny Erpenbeck viele ausführliche Gespräche mit Flüchtlingen. 

Das Buch stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2015.

Jenny Erpenbeck im Dialog mit Wolfgang Herles
(Dauer ca. 13 Minuten)

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Weiterführende Informationen zum Thema

Artikel im Berliner Tagesspiegel zum Thema der Flüchtlinge auf dem Oranienplatz

Dossier der taz zum Oranienplatz

Über Jenny Erpenbeck

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Ost-Berlin, lernte Buchbinderin und studierte Theaterwissenschaften. Anschließend studierte sie Musiktheaterregie und arbeitete als Regieassistentin und freischaffende Regisseurin in verschiedenen Häusern in Deutschland und Österreich. Ihr Debüt als Schriftstellerin gab sie 1999 mit der ›Geschichte vom alten Kind‹. Weitere literarische Veröffentlichungen folgten, darunter Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet und in 18 Sprachen übersetzt.

Zu Jenny Erpenbeck haben wir eine ausführliche Autorenseite zusammengestellt mit Informationen zu Ihrer Biografie, weiteren Werken und Auszeichnungen. » zur Jenny Erpenbeck Autorenseite

Diskussionsfragen

  • Sollten Sie oder Jemand in Ihrem Lesekreis bereits pensioniert sein – können sie Richards Gedanken zum Thema Zeit im 1. Kapitel nachvollziehen?
  • Gelingt es Jenny Erpenbeck die Geschichte, aber auch die Entwicklung ihrer Hauptperson Richard nachvollziehbar und glaubwürdig zu beschreiben? Wie beschreibt sie sein Altern, die Wichtigkeit seiner Arbeit, die Beziehung zu (seinen) Frauen, Freunden, etc.? Ist Ihnen Richard sympathisch?
  • Richard lebt in Ostberlin und hat den Fall der Mauer und die Veränderung der Gesellschaft persönlich erlebt. Gelingt es der Autorin, Richards bisheriges Leben und damit auch die deutsche Geschichte in das Geschehen mit einzubinden? Steht Richard den Fremden vielleicht deshalb so aufgeschlossen gegenüber, weil er weiß, dass sich eine Gesellschaft verändern kann?
  • Welche Beziehung hat Richard zu Frauen? Diskutieren und vergleichen Sie dabei seine tote Frau Christel, seine Geliebte, seine Jugendfreundin und die äthiopische Deutschlehrerin.
  • Was bedeuten die Flüchtlinge für Richard? Was kann er von ihnen lernen?
  • Richard stellt den Afrikanern viele Fragen. Was würden Sie die Flüchtlinge fragen, wenn Sie die Gelegenheit hätten? Würden sich Ihre Fragen von denen Richards unterscheiden? Falls ja, warum?
  • Nicht nur Richard, auch die meisten seiner Freunde nehmen einige der Flüchtlinge bei sich zu Hause auf. Ist das Ihrer Meinung nach realistisch oder Wunschdenken der Autorin?
  • Welche Rolle spielt ‚Zeit‘ im Roman? Empfinden die unterschiedlichen Protagonisten (Richard, die Flüchtlinge) Zeit als identisch?
  • Die zehn Afrikaner auf dem Berliner Alexanderplatz machen auf sich aufmerksam mit dem Satz „We become visible“ – „Wir werden sichtbar“. Warum haben die Demonstranten diesen Satz gewählt? Was bewirkt er bei denen, die ihn lesen?
  • Welche Rolle spielt Richard für die Flüchtlinge? Werden sie sich in 5 oder in 10 Jahren noch an ihn erinnern?
  • Welche Bedeutung hat der tote Schwimmer im See im Roman? Ist er eventuell eine Analogie zu der Idee, dass vieles unter der Oberfläche verborgen ist, was wir nicht sehen, das uns aber in unserem Leben beeinflusst?
  • Das Buch endet offen. Ist das Ihrer Meinung nach passend oder hätten Sie sich ein anderes Ende gewünscht?
  • Finden Sie den Titel des Buches passend für den Inhalt?
  • Was bedeuten Verlust der Heimat und Flucht nicht nur für einen Menschen, sondern auch für seine Familie und für die nachfolgenden Generationen?
  • Suchen und diskutieren sie Beispiele aus dem Buch, die ungewöhnliche Verhaltensweisen der Flüchtlinge aufzeigen, die auf deren Erlebnissen basieren. So bietet Richard einem der Flüchtlinge an, seiner Familie ein Stück Land zu kaufen. Dieser ist davon nicht gleich begeistert? (S. 254/255) Ein anderer isst wenig und trinkt nur Wasser, um sich nicht zu sehr zu verwöhnen. (S. 218)
  • Haben Sie durch den Roman einen neuen Blickwinkel auf die Flüchtlings-Problematik erhalten? Hat sich eventuell sogar Ihre bisherige Meinung geändert?
  • Wie gefällt Ihnen der Schreibstil der Autorin? Was unterscheidet ihn von anderen Büchern, die sie kürzlich gelesen haben?
  • Der Spiegel schrieb: „Erpenbeck ist unter den Autoren ihrer Generation die leise Poetin. Die Wucht ihrer Sprache liegt nicht in den einzelnen Worten, sondern zwischen den Sätzen.“ Stimmen Sie dieser Meinung zu? Wenn ja, diskutieren Sie Beispiele aus dem Buch.
  • Das Buch kam 2015 auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis (letzten 6 Bücher)? Zu Recht?
  • Jenny Erpenbeck sagte in einem Interview zum Buch: „Armut und Kriege in den Herkunftsländern der Flüchtlinge haben wiederum oft ganz direkt mit unserem Wohlstand zu tun. Es gibt nun einmal nicht drei oder vier Welten, es gibt nur eine. Dass ein Gefälle nach Ausgleich strebt, ist ein Naturgesetz.“ Stimmen Sie ihr zu?
  • Kann man als Autorin einen solchen Roman schreiben, ohne sich – in der einen oder anderen Weise – in der Flüchtlingshilfe zu engagieren?
  • Kann Literatur zu dem momentan so aktuellen Thema ‚Flüchtlinge‘ etwas beitragen? Wenn ja, was? Was unterscheidet einen Roman von einem Artikel, einem Fernsehbeitrag oder einer Talk-Show?

Lesekreise fragen – Jenny Erpenbeck antwortet

5 Fragen an Jenny Erpenbeck zu ihrem Roman ‚Gehen, ging, gegangen‘

Welche Personen in dem Buch sind fiktiv, welche real? Was ist von den erzählten Lebensgeschichten wahr? 
Die Personen und deren Geschichten sind alle wahr. Die porträtierten Flüchtlinge sind alle real, waren natürlich exemplarisch. Ich habe mit insgesamt zwölf Männern gesprochen und für das Buch fünf von ihnen ausgewählt. Die Gespräche habe ich auf Englisch und teilweise auf Italienisch geführt.
Wie real die Männer sind, wird ein Fotobuch zeigen, das eine Freundin aus Fotos, die sie von den Männern gemacht hat, zusammenstellen wird.
Manche Leser des Buches haben gesagt, ich habe nur über die Netten geschrieben. Aber das waren diejenigen, die sich geöffnet haben und mit denen ich gerne lange gesprochen habe.
Selbst die Beschreibung im Buch, dass am Ende (fast) alle Freunde von Richard einen Flüchtling aufnehmen, entspricht der Realität. Nicht nur ich, ‚Jenny Erpenbeck‘, habe einen der Flüchtlinge momentan noch bei mir wohnen, auch mehrere meiner Freunde boten den Männern ein Zimmer an.

Hat das Buch die Flüchtlinge, deren Geschichte darin erzählt wurde, stolz gemacht?
Ich weiß es nicht. Viele von ihnen haben wenig Bezug zu Büchern. Manche haben nach zwei Wochen nachgefragt, wann das Buch denn fertig sein wird. Bisher hatten sie nur Kontakt zu Journalisten gehabt. Die Männer waren nicht nur überrascht, wie viel Zeit ich für ein Buch brauche, sondern auch darüber, wie viel Zeit ich dafür habe.
Für das Schreiben brauchte ich dann Distanz: Mir hat geholfen, dass ich zwei Monate nach Amerika reisen musste, um dort zu unterrichten. Wenn man vor Ort, d.h. in Berlin, ist, ist man gezwungen zu helfen. Die Probleme sind große Probleme. Zum Schreiben braucht man jedoch Ruhe.

Warum haben Sie Richard als Hauptprotagonisten für Ihr Buch gewählt? Warum jemanden, der gerade pensioniert wurde?
Zunächst war klar, dass die Hauptfigur männlich sein muss. Ich wollte keine Frau nehmen, weil es nicht passt, dass eine Frau zu den jungen Männern aufs Zimmer geht. Zudem brauchte ich jemanden, der Zeit hat. Und ich wollte jemanden, der durch die Begegnung mit den Flüchtlingen eine eigene Weiterentwicklung erfährt.

Wäre es ein anderes Buch geworden, wenn Sie im Westen von Deutschland geboren worden wären und nicht im Osten?
Das kann gut sein. Natürlich ist man als Ostdeutsche durch große Veränderungen gegangen, auch wenn diese selbstverständlich nicht mit denen der Flüchtlinge gleichzusetzen sind.
Vielleicht habe ich auch die ostdeutsche Skepsis gegenüber westdeutschen Gesetzen.
Was mir beim Schreiben des Buches bewusst geworden ist, ist die Zufälligkeit des Ortes der Geburt. Warum haben wir das ‚Glück‘, in Deutschland geboren worden zu sein, einem momentan sicheren Land, dem es wirtschaftlich gut geht, und andere Menschen haben das nicht?
Beim Kontakt mit den Flüchtlingen machte mich das vorsichtig. Man traut sich nicht, zu viel über sich selbst zu erzählen, weil man sich schämt zu zeigen, wie gut es einem geht.
Der Kontakt zu den Flüchtlingen hat mich aber auch oft beschämt: Teilen ist weiter verbreitet bei Leuten, die wenig haben, als bei denen, die denken, sie haben viel zu verlieren.

Was bedeutet die Zeichnung auf dem Cover des Buches?
Der Maler ist der Tuareg.
Ich habe ihn mal gefragt: „Warum laufen in der Wüste die Kamele nicht weg?“ Seine Antwort war: „Die großen Kamele laufen nicht weg und für die kleinen bauen wir ein Gehege.“ Und dann hat er mir das Gehege gezeichnet. Die Linien bezeichnen die Wege der Tiere.

Aufgezeichnet und zusammengestellt von Kerstin Hämke am 24. Juni 2016 beim Mag Lesekreis Festival in Berlin

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    Unser Thema des Monats:

    22 Bahnen von Caroline Wahl ist Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhandlungen

    Seit 2015 küren die unabhängigen Buchhandlungen ihr Lieblingsbuch.

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