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Zwei alte Frauen: Eine Legende von Verrat und Tapferkeit

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Persönliche Bewertung:
4,2/5 (22)

Eignung für Lesekreise:
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Zwei alte Frauen: Eine Legende von Verrat und Tapferkeit

Unser Buch des Monats September 2016

Ein Nomadenstamm im hohen Norden von Alaska: Während eines bitterkalten Winters kommt es zu einer gefährlichen Hungersnot. Wie das Stammesgesetz es vorschreibt, beschließt der Häuptling, die beiden ältesten Frauen (75 und 80 Jahre alt) als ‚unnütze Esser‘ zurückzulassen, um den Stamm zu retten. Doch die beiden alten Indianerfrauen geben nicht auf, sondern besinnen sich auf ihre ureigenen Fähigkeiten, die sie längst vergessen geglaubt hatten.

Pressestimmen

„Velma Wallis benutzt die archaische Sprache der alten Lagerfeuererzählungen, ohne Rhythmuswechsel wie ein steter Strom in einer Sprache: einfach und bestechend klar, ohne Schnörkel.“ Deutschlandradio Kultur

„Die indianische Legende besticht durch die archaische Kraft und außergewöhnliche Naturschilderungen.“ Marie Claire

Über das Buch ‚Zwei alte Frauen‘

Das Buch wurde mit dem Western States Book Award ausgezeichnet und seit seinem Erscheinen in siebzehn Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft.

Es ist aufgeteilt in acht kurze Kapitel mit den Titeln: Hunger und Kälte fordern ihren Tribut, „Laß uns handeln sterben“, Besinnung auf alte Fähigkeiten, Eine mühselige Reise, Ein Fischvorrat wird angelegt, Das Volk trauert, Das Schweigen wird gebrochen, Ein neuer Anfang.

Zwei alte Frauen ist angereichert mit einem Vorwort der Autorin, Information über das Volk der Gwich’in und ihrer historischen Wanderwege und einem Nachwort des Herausgebers Lael Morgan über seine Entstehungsgeschichte.

Leseprobe von ‚Zwei alte Frauen‘

Über Velma Wallis

Velma Wallis wurde als sechstes von dreizehn Kindern geboren und wuchs in der Nähe von Fort Yukon in dem Dorf Old Crow auf. Der Ort liegt an der Einmündung der Flüsse Porcupine und Yukon, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Fairbanks/Alaska (USA), nur wenige Kilometer vom nördlichen Polarkreis entfernt. Wallis wurde nach den Traditionen der Gwich’in erzogen, deren Sprache (wie auch bspw. die Apachen oder Navajo im Südwesten der USA) zur athabaskischen Sprachgruppe gehört.

Velma Wallis wohnte mit ihrer Familie in einer Blockhütte mit zwei Räumen. Das Leben wurde definiert von der Landarbeit, dem Sammeln von Feuerholz, dem Heranschaffen von Wasser vom Fluss, der Jagd und dem Fischfang.

Als sie dreizehn Jahre alt war, starb ihr Vater. Sie verließ die Schule, um ihrer Mutter im Haushalt und beim Aufziehen der fünf jüngeren Geschwister zu helfen. Von ihrer Mutter lernte sie viel über die Geschichte, Bräuche und Legenden ihrer Vorfahren. (Ihre Mutter sprach noch die Gwich’in Sprache, wie heute nur noch wenige hundert Personen.) So hatte ihre Großmutter in ihrem dreizehnten Lebensjahr während einer Kälteperiode eine schwere Hungersnot überlebt, bei der deren Eltern und mehrere Geschwister sowie viele Stammesangehörige gestorben waren. Wallis‘ Großmutter und eine Tante hatten sich alleine bis zu einem Fischerlager durchkämpfen können, wo sie von einem Schamanen aufgenommen wurden. Wallis verarbeitete diese Familiengeschichte teilweise in ihrem Buch ‚Zwei alte Frauen‘.

Als die kleineren Geschwister großgezogen waren, holte ihre Schulbildung nach und bestand eine Prüfung, die dem staatlichen High School-Abschluss entspricht, beschloss dann aber, in eine einsam gelegene Trapperhütte zu ziehen und dort weitgehend alleine zu leben. Die Hütte war von ihrem Vater, etwa zwölf Meilen von Fort Yukon entfernt, in der Wildnis als Stützpunkt für die Jagd geschaffen worden. Wallis hielt sich über elf Jahre dort auf und überwinterte manchmal sogar dort. Sie versuchte sich auch als Fischerin, Jägerin und Fallenstellerin.

Velma Wallis lebt heute mit ihrem Mann Jeffrey John und ihren drei Kindern in Fort Yukon, einer kleinen Stadt mit ca. 600 Einwohnern, am Polarkreis.

Webseite von Velma Wallis (Englisch): www.velmawallis.com

Auszeichnungen

  • 2003: American Book Award
  • 1993: Western States Book Award

Diskussionsfragen

  • Bei der Ankündigung des Häuptlings, man werde die beiden alten Frauen zurücklassen müssen, gab es keine Reaktion oder Widerstand seitens der anderen Stammesmitglieder, noch nicht einmal von der Familie einer der alten Frauen. Wie erklären Sie sich dieses Verhalten? Wie ist Ihre persönliche Meinung dazu? Wäre Ihre Meinung eine andere, wenn die Frauen nicht ’nur‘ alt, sondern auch krank gewesen wären?
  • Der Häuptling bedauert seine Entscheidung, die beiden Frauen ‚ausgesetzt‘ zu haben. War seine Entscheidung richtig gewesen? Wäre Ihre Meinung dazu eine andere, wenn die Frauen gestorben wären?
  • Beide Frauen kennen und erzählen sich Geschichten von eigenen Erlebnissen, bei denen die Stämme alte Frauen zurückgelassen oder getötet hatten. Es scheint ein sehr seltenes, aber nicht unübliches Verhalten gewesen zu sein. Hilft den Frauen dieses Wissen, mit ihrer eigenen Situation zurecht zu kommen?
  • Wie ist die Arbeit im Nomadenstamm aufgeteilt zwischen Männern und Frauen? Empfinden Sie diese Aufteilung als sinnvoll, als gerecht?
  • Die beiden Frauen konnten nur überleben, weil die jüngere von beiden als junge Frau gelernt hatte, wie ein Mann zu jagen. Damals galt sie als Außenseiterin. Welches Wissen oder welche Fähigkeiten waren am Wichtigsten für das Überleben der beiden alten Frauen? Waren dies Fähigkeiten, die sie in ihrer Rolle als Frauen gelernt hatten?
  • Wann ist der Moment, an dem die beiden alten Frauen den Mut zum Widerstand gegen den Tod fassen? („Laß uns handelnd sterben!“)
  • Welche Rolle spielt dabei das Beil, das sie vom Enkelsohn heimlich vor dem Wegzug des Stammes erhalten hatten?
  • Wie erklären Sie den Wandel des Verhaltens der Stammesmitglieder gegenüber den beiden alten Frauen im Kapitel 8 ‚Ein neuer Anfang‘ ? Liegt die Verhaltensänderung allein an den Lebensmittelvorräten und der Kleidung, die der Stamm von ihnen erhalten will?
  • „Beide Seiten lernten, daß in Notzeiten etwas aus den Menschen hervorbrechen kann, wovon sie nicht gewußt hatten.“ (aus Kapitel 8) Was meint Velma Wallis damit? Fallen Ihnen dazu Beispiele ein?
  • Hätte jede der beiden alten Frauen den Winter auch allein überlebt?
  • Die Autorin, Velma Wallis hat selbst viele Jahre einsam in einer Hütte gelebt uns sich dort von der Jagd und dem Fischfang ernährt. Inwieweit hat sie diese Erfahrungen in das Buch mit eingebracht? Waren sie Ihrer Meinung nach wichtig für das Schreiben des Buches?
  • Im Vorwort schreibt Velma Wallis: „Meine Großmutter und all jene anderen Alten aus der Vergangenheit hatten so lange gearbeitet, bis sie sich nicht mehr rühren konnten oder bis sie starben.“ Wie ist dies in unserer heutigen (westlichen) Welt? Wie war dies früher – beispielsweise in der Generation unserer Großeltern? Gibt es einen Unterschied zwischen der Land – und der Stadtbevölkerung?
  • Bietet die Geschichte Ansatzpunkte, wie wir mit älteren Menschen umgehen sollten? Oder wie sich ältere Menschen verhalten sollten?
  • Im Vorwort schreibt Velma Wallis: „Geschichten sind Geschenke älterer Menschen an junge.“ Gibt es in Ihrer Familie Geschichten, die von Generation zu Generation weitererzählt werden?“
  • „Diese Geschichte hat mich gelehrt, daß den eigenen Fähigkeiten keine Grenzen gesetzt sind, wenn es darum geht, das im Leben zu vollbringen, was man muß – schon gar nicht duch das Alter.“ (Velma Wallis im Vorwort des Buches) Sind Sie ebenfalls dieser Meinung? Gibt es zu diesem Thema unterschiedliche Meinungen in Ihrem Lesekreis? Wenn ja, sind diese durch das jeweilige Alter des Mitglieds begründet?
  • Das Buch hat rund 100 Seiten. Ist es für Sie eher eine Kurzgeschichte oder ein Roman? Hätten Aspekte des Buches mehr Seiten benötigt? Wenn ja, welche?
  • Was haben Sie über die Kultur der Indianer (in Alaska) gelernt, das sie vor dem Lesen des Buches  noch nicht wussten?
  • Das Buch wurde mit dem Western States Book Award ausgezeichnet und in 17 Sprachen übersetzt. Was macht dieses kleine Buch so besonders? Was hat Sie persönlich an der Geschichte besonders berührt?

Weitere Bücher von Velma Wallis

  • Das Vogelmädchen und der Mann, der der Sonne folgte (1997) (Originaltitel: Bird Girl and the Man Who Followed the Sun. An Athabaskan Indian Legend from Alaska, erschienen 1996)
  • Raising Ourselves: A Gwich’in Coming of Age Story from the Yukon River (2002); nicht auf Deutsch erhältlich (Im Buch beschreibt Velma Wallis im Detail die Geschichte ihrer Familie, wie sie aufwuchs und was es bedeutet, Gwich’in zu sein.)

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    Laila Lalami wurde 1968 in Marokko geboren und hat in den USA promoviert. Ihr dritter Roman, The Other Americans, war erfolgreich und wurde als erster von Lalamis Romanen ins Deutsche übersetzt.

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    Zwei Männer werden von ihrer Firma in ein Land geschickt, um dort eine Straße fertigzustellen. Das Land erholt sich von einem Bürgerkrieg und die Straße soll den reichen Norden mit dem armen Süden verbinden.

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