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Löwen wecken
Kein & Aber
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Löwen wecken

Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben – warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht ihm einen Vorschlag, der sein geordnetes Leben komplett aus der Bahn wirft. Wie hätte man selbst in einer solchen Situation gehandelt? Diese Frage schwebt über dem Roman, der die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Schuld und Vergebung und Gut und Böse meisterhaft auslotet.

Pressestimmen

»Löwen wecken ist eine elegante und spannende Geschichte über das Überleben, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Die Implikationen dieses Romans reichen weit über Israel hinaus und leuchten die dunklen Ecken unseres Lebens grell aus.« The Times

»In einer Zeit, da hunderte von Flüchtlingen vor Europas Küste umkommen und die Körper der Verstorbenen teilweise wie Schlachtabfälle in Müllsäcken gelagert werden, in einer Zeit, da Regierungsmaßnahmen sich darauf konzentrieren, Schlepperboote qua Militäreinsatz zu zerstören, und Millionen in Grenzpolizei, Stahlzäune und Forschung zu drohnenbasierter Überwachung oder künstlichen Detektoren investieren, die Menschen anhand ihres Geruchs erkennen sollen, braucht es solch mutige Romane wie „Löwen wecken“« Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Der Roman ist eine nachhaltige Verstörung, ein existentialistischer Roman, der den Leser veranlasst, seine eigene Position immer wieder neu zu hinterfragen – wie würde ich handeln?« Deutschlandradio Kultur

»Ich konnte überhaupt nicht aufhören zu lesen, ich kann das Buch nur jedem empfehlen – das ist eine Granate!« Elke Heidenreich

»Gundar-Goshen überzeugt mit ihrer sehr sensiblen Figurenzeichnung. Sie entwirft ein Psychogramm einer Gesellschaft im Umbruch und verhandelt die grossen und essenziellen Fragen des Lebens: Wie viel ist ein Menschenleben wert?« Interview Tages-Anzeiger

»Das Spannende an dem Roman ist, dass es keine Kategorisierungen oder Festlegungen auf Gut und Böse, Held oder Anti-Held gibt. Jeder Einzelne trägt alle Facetten und Möglichkeiten in sich.« WDR 3

»Die Mischung aus Gesellschaftsroman, Psycho-Drama und Thriller ist so sorgfältig ausgetüftelt und ausbalanciert, dass für Leerstellen, blinde Flecken oder Untiefen kein Platz bleibt. (…) Der Roman hinterlässt den Eindruck eines anstrengenden Wüstentrips, bei dem hinter jedem Sandhügel ein Schild wartet: „Es gibt keine einfachen Antworten“.« Süddeutsche Zeitung

Leseprobe von ‚Löwen wecken‘

Mein-Literaturkreis.de Rezension
von Literaturkreismitglied Anne L.-B., Brüggen

„Für einen Lesekreis sehr geeignet. Es bietet Gesprächsstoff über Ethik, Moral, Schuld, Gut und Böse .“

Bewertung des Buches: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮
Bewertung der Eignung zur Diskussion in Literaturkreisen: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮

„Und er dachte sich gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe“, so poetisch beginnt der Roman von Ayelet Gundar-Goshen.
Verstörend geht die Geschichte mit einer Sogwirkung weiter, der man sich schwer entziehen kann. Die Autorin versteht es psychologisch und in die Tiefe gehend von einer Schuld zu erzählen, von den Menschen, die darin tief verstrickt sind, sie findet am Ende zwar keine einfache Lösung, aber eine nachvollziehbare. Besonders beeindruckend auch die Szene, die dem Buch den Titel gab, die Liebesbegegnung zwischen Sirkit und Etan.
Etan Grien ist Neurochirug und in die Köpfe der Protagonisten schaut auch die Romanautorin und schildert sehr präzise, was dieser dramatische Unfall mit den Beteiligten macht, mit denen, die davon wissen und auch den Unbeteiligten, die aber mit den Veränderungen leben müssen. Ein beeindruckendes Buch!

Für einen Lesekreis finde ich das Buch sehr geeignet. Es bietet Gesprächsstoff über Ethik, Moral, Schuld, Gut und Böse. Es stellt auch die Fragen: „Wie würde ich handeln? Was ist ein Menschenleben wert?“. Außerdem erfährt man etwas über das heutige Leben in Israel und über die Flüchtlingsproblematik.

Ich habe es in meinem Lesekreis empfohlen und allein die Inhaltsangabe löste schon eine lebhafte Unterhaltung aus.

Weiterführende Informationen

Interviews mit Gundar-Goshen
Kein & Aber Verlag November 2014
The Guardian, März 2016 (Englisch)

Diskussionsfragen

  • Charakterisieren Sie Sirkit, die Eritreerin. Ist sie ein ‚guter‘ oder ein ‚schlechter‘ Mensch? Gut, weil sie die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge organisiert? Schlecht, weil sie dazu den Arzt erpresst und von den Behandelten Geld nimmt und selektiert, wer die Behandlung erhalten darf? Wie leicht fällt Ihnen Charakterisierung? Kommen Sie in Ihrem Literaturkreis zu einer einheitlichen Meinung?
  • Wie reagiert Sirkit auf den Unfalltod ihres Mannes? Was sagt ihre Reaktion über die Beziehung zwischen den beiden aus? Warum fällt es ihr schwer zu trauern?
  • Wie entwickelt sich Sirkit durch die Organisation der medizinischen Versorgung, der eigenen Hilfe im provisorischen ‚Krankenhaus‘, den Kontakt zum Arzt Etan Grien?
  • Was erfahren wir über Sirkits Vergangenheit, ihre Kinder? Warum hat Sirkit ihre Heimat Eritrea verlassen? Informieren Sie sich über das ostafrikanische Land. Warum fliehen Menschen von dort?
  • Die Autorin Ayelet Gundar-Goshen ist ausgebildete Psychologin. Finden sich diese Erfahrungen im Buch wieder? Falls ja, wo?
  • Was denken Sie über Eton Grien, den Arzt? Ist er ein Täter, der einen Menschen getötet hat oder ein Opfer, das erpresst wird? Hat er durch seine medizinische Hilfe einen Teil seiner ‚Schuld‘ getilgt? Haben Sie beim Lesen gehofft, dass er mit seiner Tat ungestraft davon kommt oder dass er verhaftet und zur Rechenschaft gezogen wird?
  • Etan Grien und Sirkit fühlen sich zueinander hingezogen. Was fasziniert beide am jeweils anderen? Warum kommt es dennoch nicht zu einem körperlichen Kontakt?
  • Welche Beziehung hat Etan zu Liat, seiner Frau? Warum erzählt er ihr nicht von der Nacht des Unfalls, der Erpressung, seiner Tätigkeit als Arzt der Flüchtlinge? Liegt es vielleicht am Beruf seiner Frau (Polizistin), die die Fall bearbeitet oder gibt es andere Gründe?
  • Glaubt ihm Liat seine (unwahren) Erklärungen? Wird er ihr jemals die Wahrheit sagen oder sollte er dies überhaupt?
  • ‚Verträgt‘ eine Beziehung alle Wahrheiten? Welche sollte man seinem Partner mitteilen, welche nicht? Gibt es Dinge, die man selbst dem nahestehenden Menschen nicht erzählen sollte oder ist in einer Beziehung absolute Offenheit wichtig?
  • In einem Interview mit der Zeitung ‚The Guardian‘ sagte Gundar-Goshen, „wir Israelis neigen dazu zu vergessen, dass wir eine Nation von Flüchtlingen sind.“ Sollte dies einen Einfluss auf die Flüchtlingspolitik eines Landes haben?
  • „Löwen wecken versucht, Menschen nicht nur emotional zu bewegen, sondern auch in einem sozialen oder politischen Sinn.“, so die Autorin in einem Interview. Gelingt ihr dies?
  • Mit dem Titel ‚Löwen wecken‘ nimmt die Autorin Bezug zu der Vorstellung eines inneren Löwen, eines versteckten Raubtiers in jedem von uns. Sind Sie auch der Meinung, dass dieses ‚Tier‘ in jedem von uns ‚schlummert‘? Ist jeder Mensch fähig einen andere Menschen zu töten, wenn die Umstände dies erfordern?
  • Stellen Sie sich nach dem Lesen des Buches die Frage: „Wenn dies mir passiert wäre…?“ Können Sie diese Frage beantworten?

Über Ayelet Gundar-Goshen

Ayelet Gundar-Goshen, geboren 1982, studierte Psychologie in Tel Aviv, später Film und Drehbuch in Jerusalem. Sie arbeitet als klinische Psychologin und Dozentin für Psychologie. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Ihrem ersten Roman, Eine Nacht, Markowitz (2013), wurde der renommierte Sapir-Preis für das beste Debüt Israels zugesprochen.

Auszeichnungen

  • 2010: 2. Preis IEMed European short story competition (Barcelona) und Gottlieb Screenplay Prize für ihre Kurzgeschichte „Shkia’a“
  • 2012: Berlin Today Award der Berlinale Talents für das Drehbuch ihres Kurzfilms „Batman at the Checkpoint“
  • 2013: Sapir Prize für Debütromane für ‚Eine Nacht, Markowitz‘
  • 2015: Ausgewählt und vorgestellt auf der Litprom-Bestenliste Weltempfänger

Werke

  • Löwen wecken, 2014 (dt. 2015)
  • Eine Nacht, Markowitz, 2012 (dt. 2013)

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