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Mephisto: Roman einer Karriere
Rowohlt Taschenbuch Verlag
EUR 9,99

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Mephisto: Roman einer Karriere

Erzählt wird die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen von 1926 an im Hamburger Künstlertheater bis zum Jahre 1936, als dieser es zum gefeierten Star des sogenannten Neuen Reiches gebracht hatte. Höfgen, der sich erst spät während der Zeit des Nationalsozialismus mit den Machthabern arrangierte und so zum Intendanten am Berliner Staatstheater ernannt wurde, flüchtete jedoch zunächst vor seinen zukünftigen Freunden nach Paris, da er Angst vor einer Verfolgung aufgrund seiner „kulturbolschewistischen“ Vergangenheit hatte. Ab diesem Zeitpunkt stellte Höfgen fest, dass er bereits einen Teil seiner „echten“ Freunde wie seine Frau Barbara Bruckner und Frau von Herzfeld verloren hatte. Jedoch konnte er, zurück in Berlin, Lotte Lindenthal für sich gewinnen, die Frau des Fliegergenerals. Dieser hielt selbst große Stücke auf seinen Höfgen, seinen Spielball. Als leidenschaftlicher Schauspieler, dem die Rolle des Mephisto in Goethes Faust I wie auf den Leib geschnitten ist, erkannte der Opportunist Höfgen erst viel zu spät, dass er tatsächlich einen Pakt mit dem Teufel – dem Mephistopheles – geschlossen hatte. Er war zu einem „Affen der Macht“ geworden, ein „Clown zur Zerstreuung der Mörder“. Er verlor die humanen Werte und teilte die Auffassungen des Regimes. Er ging sogar so weit, die Verhaftung seiner Geliebten anzustiften, der „Schwarzen Venus“, mit der er Sadomaso-Praktiken ausübte.

„Mephisto“, 1936 im Exil geschrieben, war einer der ersten Romane, die sich mit den Zuständen im Dritten Reich auseinandersetzten. Das Buch war seit seinem Erscheinen heftig umstritten und wurde 1968 in der Bundesrepublik verboten. „Der zeitliche Abstand hat (inzwischen) den Roman endgültig der Literaturgeschichte übereignet.“ Wilfried F. Schoeller in der „Süddeutschen Zeitung“

Über das Buch

«Mephisto» erschien erstmals 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido, 1966 wurde seine Verbreitung in der BRD gerichtlich verboten, 1981 erschien trotz des Verbots eine Neuausgabe. Der Roman wurde zu einem Kultbuch: eine exemplarische Geschichte über Anpassung und Widerstand, Karrieredenken und künstlerische Moral.

Die Wandlung seines früheren Schwagers Gustaf Gründgens zum Karrieristen als Protegé Hermann Görings und kulturellen Repräsentanten des Dritten Reiches hatte ihn entsetzt und inspirierte ihn zu seinem wohl bekanntesten Werk. Der Protagonist Hendrik Höfgen als Mitläufer ähnelt Diederich Heßling aus Heinrich Manns Werk Der Untertan, einer 1918 erschienenen Satire auf die Wilhelminische Epoche. Klaus Mann hatte diesen Roman während der Niederschrift des Mephisto erneut gelesen und erkannte die erschreckende, prophetische Aktualität des Werkes.

Klaus Mann nahm Gründgens zur Vorlage für seinen Roman Mephisto, der 1936 in Amsterdam erschien und 1971 durch das Verbot der Neuveröffentlichung, die sogenannte Mephisto-Entscheidung, zu einem Literaturskandal in der Bundesrepublik Deutschland führte.

Die öffentliche Anerkennung erfolgte erst nach 1981, als Mephisto in Westdeutschland trotz des hier noch bestehenden Druckverbots in einer Neuausgabe erschien und innerhalb von zwei Jahren eine halbe Million Exemplare gedruckt wurden. Heute gehört der Roman zur klassischen Schullektüre. Der erfolgreichen Neuausgabe vorausgegangen war 1979 die dramatisierte Fassung von Ariane Mnouchkine im Pariser Théâtre du Soleil, und es folgte 1981 die Verfilmung des Mephisto von István Szabó; beide Adaptionen waren sehr erfolgreich. Inzwischen sind Klaus Manns gesamte schriftstellerische Arbeiten und nahezu umfassend die private Korrespondenz sowie die persönlichen Aufzeichnungen publiziert worden.

Über Klaus Mann

Klaus Mann wurde am 18.11.1906 in München als ältester Sohn von Thomas und Katja Mann geboren. Bereits mit 15 Jahren schrieb er seine ersten Novellen. Mit Schwester Erika, Pamela Wedekind und Gustaf Gründgens gründete er ein Theaterensemble. 

Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler 1933 wurde Klaus Mann zum aktiven Gegner des Nationalsozialismus. Um einer Verhaftung zu entgehen verließ er im März 1933 Deutschland.  In den folgenden Jahren führte Klaus Mann ein Emigrantenleben mit wechselnden Aufenthalten in Amsterdam und Paris, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Ungarn und den USA. Er wurde zur zentralen Figur der internationalen antifaschistischen Publizistik.

Nach Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft wurde er – ebenso wie andere Mitglieder der Familie Mann – 1937 Staatsbürger der Tschechoslowakei. In Budapest lernte Klaus Mann im Sommer 1937 kurz vor seinem ersten Opiate-Entzug seinen mehrjährigen amerikanischen Lebensgefährten, den Film- und Literaturkritiker Thomas Quinn Curtiss kennen.

Ein Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg emigrierte er im September 1938 – wie seine Eltern – in die USA, wo seine Schwester Erika Mann bereits seit 1937 lebte. Es entstanden Inzestgerüchte über die Geschwister und Denunziationen seiner homosexuellen Beziehungen. Klaus standen wie nahezu alle deutschen Exilanten seit Juni 1940 unter Beobachtung des FBI, das ihre telefonischen und postalische Kontakte überwachte.

Ende 1941 trat Klaus Mann in die US Army ein, um damit seine persönliche Krise und Depressionen zu überwinden, Schulden abzubauen und noch aktiver gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen. Nach der Zuerkennung der Staatsbürgerschaft reiste Mann Ende 1943 mit einem Truppentransport der 5. US-Armee ab. Er war zunächst in Nordafrika stationiert, dann in Italien. Als deutschsprachiger Soldat gehörte es u.a. zu seinen Aufgaben deutsche Kriegsgefangene zu verhören.

In Deutschland konnte Klaus Mann nicht mehr heimisch werden; er erkannte früh die dort herrschende Atmosphäre der Verdrängung. In einem englischsprachigen Vortrag im Jahr 1947 formulierte er resigniert: „Yes, I felt a stranger in my former fatherland. There was an abyss which separated me of those who used to be my countrymen. Wherever I went in Germany, the […] nostalgic Leitmotiv followed me: ‚You can’t go home again!‘“ (Klaus Mann von Armin Strohmeyr, S. 140)– „Ja, ich fühlte mich wie ein Fremder in meinem Vaterland. Ein Abgrund trennte mich von meinen früheren Landsleuten. Wo auch immer ich in Deutschland war, begleitete mich das […] nostalgische Leitmotiv: ‚Es gibt keine Rückkehr!‘“

1948 unternahm er einen Selbstmordversuch. Zunehmend hatte er Schreibschwierigkeiten. Wie er seinem Freund Herbert Schlüter mitteilte, fiele ihm das Schreiben „schwerer als in den flotten Kindertagen. Damals hatte ich ‚eine‘ Sprache, in der ich mich recht flink auszudrücken vermochte; jetzt stocke ich in zwei Zungen. Im Englischen werde ich wohl nie ‚ganz‘ so zuhause sein, wie ich es im Deutschen ‚war‘ – aber wohl nicht mehr ‚bin‘ …“ Er befürchtete, als Autor nicht mehr gefragt zu sein.

Sein Tagebuch des Jahres 1949 begann er mit den Worten: „I am not going to continue these notes. I do not wish to survive this year“ – „Ich werde diese Notizen nicht weiterführen. Ich wünsche nicht, dieses Jahr zu überleben.“

Anfang April zog er in eine Pension in Cannes / Südfrankreich, um an seinem letzten, unvollendeten Roman The Last Day zu arbeiten, der das Thema Suizid als Reaktion auf eine unvollkommene Welt behandelt. Im Mai verbrachte er einige Tage zu einer Entgiftungskur in einer Klinik in Nizza. Am 21. Mai 1949 starb er an einer Überdosis Schlaftabletten in Cannes.

Die Neuentdeckung seines Werkes in Deutschland fand erst viele Jahre nach seinem Tod statt. Klaus Mann gilt heute als einer der wichtigsten Repräsentanten der deutschsprachigen Exilliteratur nach 1933.

Bücher von Klaus Mann

  • Der fromme Tanz. Das Abenteuerbuch einer Jugend (1925)
  • Alexander. Roman der Utopie (1929)
  • Treffpunkt im Unendlichen (1932)
  • Flucht in den Norden (1934)
  • Symphonie Pathétique. Ein Tschaikowsky-Roman (1935)
  • Mephisto. Roman einer Karriere (1936)
  • Der Vulkan. Roman unter Emigranten (1939)
  • The Last Day 1949 (Unveröffentlichtes Fragment)

Autobiografien von Klaus Mann

  • Kind dieser Zeit (1932)

umspannt die Jahre 1906 bis 1924. In der kurzen Zeit vor Hitlers Machtergreifung fand das Buch eine breite Leserschaft. Das literarische Selbstporträt eines Sohnes aus prominenter Familie mit seinen Anekdoten und Enthüllungen interessierte ein breites Lesepublikum. Das Buch wurde 1933 verboten.

  • Der Wendepunkt (1942, in deutsch 1952)

1942 erschien Klaus Manns zweite Autobiografie unter dem Titel ‚The Turning Point‘ (geschrieben auf Englisch).  (dt. Der Wendepunkt) Das deutsche Manuskript schloss er noch kurz vor seinem Tod im April 1949 ab. Die deutsche Fassung ‚Der Wendepunkt‘ ist jedoch laut der Nachbemerkung der deutschen Ausgabe nicht identisch mit der amerikanischen Ausgabe; die deutsche Fassung ist umfangreicher und endet mit einem Brief vom 28. September 1945, während The Turning Point mit einer Tagebuchnotiz aus dem Juni 1942 abschließt.

 

 

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