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Der Islam, der uns Angst macht
Berlin Verlag
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Der Islam, der uns Angst macht

Woher kommt dieser Islam, der Angst macht, der bedroht, tötet, köpft und Terror sät? Lassen sich Freiheit und Islam vereinbaren? Der leidenschaftliche Aufruf eines großen muslimischen Intellektuellen, dem Islamismus endlich entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen. Warum macht der Islam Angst? Beinhaltet er die Saat der Gewalt? Wieso lassen sich Tausende junger Europäer – und nicht nur Einwandererkinder – vom Dschihad vereinnahmen und ziehen für den IS in den Krieg? Welche Gehirnwäsche durchlaufen sie, bevor sie als ferngesteuerte Killer zurückkehren, bereit zu sterben? Tahar Ben Jelloun nimmt das ganze Bild in den Blick. Er spricht von der Trostlosigkeit einer Vorstadtjugend, die sich von der Gesellschaft verstoßen fühlt. Er versetzt sich in die Köpfe der islamistischen Mörder. Er beschreibt, wie mit dem IS binnen weniger Jahre eine Terrororganisation entstehen konnte, die al-Qaida in den Schatten stellt. Er betont die Verantwortung der Golfstaaten, die den Terror finanzierten, er geht mit den Fehlern des Westens ins Gericht und geißelt die zynische Strategie Putins. Die große Mehrheit der Muslime lehnt den Islamismus ab. Doch Ben Jelloun macht deutlich: Die Muslime müssen ihre Haltung ändern und einen Islam erfinden, der vereinbar ist mit Demokratie und Rechtsstaat, der den Wert des Individuums anerkennt und die Gleichstellung der Frau.

Über Tahar Ben Jelloun

Ausführliche Informationen zum Leben und Werk von Tahar Ben Jelloun finden Sie auf unserer Jelloun-Autorenseite: » zur Tahar Ben Jelloun-Autorenseite

„…leicht lesbare und kluge Textsammlung…“
Eine Rezension von Literaturkreismitglied Martina Martens, Berlin

Bewertung des Buches: ✮ ✮ ✮ ✮ ✰
Bewertung der Eignung zur Diskussion in Literaturkreisen: ✮ ✮ ✮ ✮ ✮

Je näher uns der „Islam, der uns Angst macht“ mit den Attentaten vom 7. bis zum 9. Januar 2015 in Paris und nur wenige Tage später in Kopenhagen kam, desto stärker ist die zunächst noch diffuse Betroffenheit der Gewissheit gewichen, dass wir selbst Teil dieses Europas sind, das sich hier fürchtet. Ich selbst gestehe mir ein, dass ich trotz regelmäßiger Nutzung unterschiedlicher Medien schnell ins Schlingern gerate, wenn es um grundlegende Begriffe wie Schiiten/Sunniten, Wahhabismus/Salafismus oder andere geht. Mein aktueller Status liegt zwischen großer Ratlosigkeit und mäßigem Wissen.

Tahar Ben Jellouns Kampf gegen die „Ignoranz auf beiden Seiten“

Schriftsteller und Psychotherapeut, seit gut vierzig Jahren in Paris lebender Migrant, Vater einer in Frankreich geborenen und aufgewachsenen jugendlichen Tochter, Intellektueller und Moslem: Tahar Ben Jellouns Biographie prädestiniert ihn wie kaum einen anderen, in die Debatte über den im Namen des Islam verübten Terror, aber auch über die in den westlichen Gesellschaften schon seit langem aufkeimende Islamophobie einzugreifen. Das vom Berlin Verlag herausgegebene Kompendium „Der Islam der uns Angst macht“ versammelt Texte aus den Jahren 2012 bis 2015. Betroffen kommentiert Jelloun die Terroranschläge von Paris und Kopenhagen und setzt sich kenntnisreich mit der Entstehung des Islamischen Staates sowie der Rückkehr der Dschihadisten nach Europa auseinander. Warnend aber auch fordernd stellt er die ihn und seine Familie persönlich betreffende Frage nach der Vereinbarkeit muslimischer und nordeuropäischer Werte und hakt nach, ob ein „Islam überhaupt möglich in einer laizistischen Demokratie wie der Frankreichs“ sei.

„Leidenschaftlicher Aufruf“ oder „Vermittlung längst vertrauter Tatsachen“?

Die Stimme des Autors hat weltweit Gewicht. Unter dem Titel „For French Muslims, a Moment of Truth“ veröffentlichte die New York Times drei Tage nach dem Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ Jellouns hier ebenfalls abgedruckte Einschätzung des Terroraktes und seiner gesellschaftlichen Folgen. Der Berlin Verlag bewirbt den 120-seitigen Band als „leidenschaftlichen Aufruf eines großen muslimischen Intellektuellen, dem Islamismus endlich entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen“. Der Rezensent der Berliner Zeitung hingegen reagiert verärgert über die „Vermittlung ihm längst vertrauter Tatsachen“ und stößt sich insbesondere daran, dass der Autor „die Terroristen als Dummköpfe“ darstelle (Arno Widmann, 24.04.2015). Meine Lesart ist eine andere. Sicherlich polemisiert und vereinfacht Jelloun an der einen oder anderen Stelle. So leichtfüßig wie er beispielsweise mit dem Begriffspaar des „wahren“ und des „schlechten“ Muslims hantiert, so seriös und faktenreich beschreibt er jedoch zwei der Hauptakteure des Konfliktes: die islamischen Machthaber in ihrem Kampf um die Deutungshoheit des Korans und die französische Gesellschaft in ihrem Unvermögen, ihren jugendlichen Migranten Teilhabe, Perspektive und damit eine sinnstiftende Identität zukommen zu lassen. Diese Themenstränge habe ich mit großem Gewinn gelesen. Im Verhältnis zu diesem Detailreichtum bleibt aus meiner Sicht die Beurteilung der weiteren großen Akteure auf der „weltpolitischen Bühne“, insbesondere des Westens und seiner wiederkehrenden Interventionen, eher vage und unscharf.

„Der Islam der uns Angst macht“ als Lektüre für Literaturkreise?

Der fortschreitende Zerfall des Nahen Ostens mit seinen einer Völkerwanderung ähnlichen Folgen zwingt unsere Gesellschaft, die bisher unzureichend geführte Diskussion über ein mögliches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen im Haus Europa neu aufzulegen. In der westdeutschen Gesellschaft der 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts fegten die beiden starken politischen Flügel diese Frage rein theoretisch vom Tisch: die Konservativen negierten, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei und die Liberalen und auch die Alternativen setzten gutgläubig darauf, dass das „Zusammenwachsen“ von selbst erfolgen würde. Selbst, wenn man Jelloun nicht in allen Punkten folgen mag, für die Diskussion in einem Literaturkreis, beispielsweise ob sich die französische Situation auf die deutsche übertragen lässt, bis hin zur Masterfrage, wie ein Islam aussieht, der in der deutschen Gesellschaft gelebt und akzeptiert werden kann, eignet sich diese leicht lesbare und kluge Textsammlung perfekt.

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