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Lesegruppe ‚Down Under‘ aus Canberra/Australien

Lesekreis / Book Club Canberra / Australia

Hat Ihr Literaturkreis einen Namen oder ein sich durch alle Treffen durchziehendes Thema?

Eigentlich nicht….Lesegruppe kommt am Naechsten. Aber Lesegruppe Down Under klingt doch gut, oder?

Wie lange gibt es Ihre Gruppe schon?

Wir treffen uns seit 25 Jahren. Wir sind die erste und – soweit wir wissen – einzige deutsche Lesegruppe in Canberra. Damals war das schwarze Brett an der Australian National University noch eine taugliche Art die Absicht einer Gruppengruendung anzuzeigen.

Wie viele Mitglieder haben Sie? Wie viele Männer, wie viele Frauen? Wie alt sind Ihre Mitglieder?

Wir sind 8 full-time Mitglieder und ein Mitglied, das eher part-time teilnimmt. Also 9 insgesamt. Alles Frauen.

Wir setzen uns zum Teil aus geborenen Australierinnen zusammen, die eine Verbindung mit Deutschland haben, oder die Sprache einfach mögen. Und dann die anderen sind alle aus dem deutschsprachigen Raum…Österreich, der Schweiz und Deutschland selbst.

Übrigens haben einige unserer Partner nach 25 Jahren „zuschauen“ ihre eigene Maennerlesegruppe gegruendet.

Wie oft treffen Sie sich? Wo?

Wir treffen uns alle sechs Wochen, wenn es geht. Wir reisen viel, also kommt es darauf an, wann alle zuhause sind. Wir treffen uns in den Haeusern der Mitgliedern, reihum….und ab und zu fahren wir irgendwohin fuer ein Wochenendtreffen.

Gibt es Speisen oder Getränke auf Ihren Treffen? Wenn ja, was essen Sie (Snacks, warm/kalt, mehrere Gänge)? Wer bereitet das Essen vor?

Die Buecher sind die Hauptsache, also gibt es meistens Snacks – Kaese, Obst, Nuesse etc. Gelegentlich gibt es eine Mahlzeit, zu der alle beitragen. Ausserdem treffen wir uns einmal im Jahr im australischen Sommer (Januar) zu einem Brunch, ohne ein Buch zu diskutieren.

Wer leitet die Diskussion? Werden Informationen über den Autor/die Autorin oder das Buch vorbereitet? Wenn ja, von wem?

Wir sind ziemlich anarchisch, aber trotzdem klappt es gut! Wir schnacken meistens am Anfang…kann bis eine Stunde dauern…bis jemand sagt, „Sollen wir nicht das Buch diskutieren?“ Dann geht’s los … auch eine Stunde lang mindestens – kommt auf das Buch an. Wir haben keine Leiterin und auch keine vorbereiteten Fragen. Trotzdem sind die Gespraeche rege, manchmal stuermisch, immer stimulierend, und wenigstens eine von uns hat jeweils Informationen über den Autor/die Autorin gesammelt.

Welche Arten von Büchern lesen Sie?

Wir lesen hauptsaechlich dichte, intellektuelle Buecher aus dem deutschsprachigen Raum, oder auch welche, die von beispielsweise Tschechisch oder Spanisch ins Deutsche uebersetzt worden sind. Frueher, als es schwer war, deutschsprachige Buecher zeitig zu bekommen, haben wir auch australische Autoren gelesen. Man koennte sagen es sind meistens literarische Buecher….viele preisgekroente, u a.

Wie wählen Sie Ihre Bücher aus? Wird bei jedem Treffen ein neues Buch ausgesucht oder bestimmen Sie die Bücher für mehrere Treffen?

Wir versuchen das naechste Buch am Ende jeden Abends auszuwaehlen…da wir alle viel reisen, irgend jemand hat manchmal einen Haufen neuer „Vorschlaege“ mitgebracht aus Europa, oder wir lesen auch die Feuilletons der deutschsprachigen Zeitungen und auch Webseiten. So haben wir auch Eure Webseite mein-literaturkreis.de entdeckt!

Gibt es Bücher, die Sie aufgrund der Diskussion in Ihrer Gruppe anderen  Literaturkreisen empfehlen wollen?

Wahrscheinlich haben die wenigsten David Malouf gelesen – einer der besten australischen Autoren der Gegenwart. Er hat vor einigen Jahren den International Dublin Literary Award ($100,000 wert) gewonnen. Lesen Sie Ransom, sein letztes Buch, oder Babylon, oder mein absolutes persoenliches Lieblingsbuch Imaginary Life, ueber das Exil des Poeten Ovid, aber auch vieles mehr. Tim Winton waere ein anderer australischer Autor den Sie kennenlernen sollten sowie Kate Grenville. Ihr „Secret River“ ueber die Erfahrungen von Schwarz und Weiss in der fruehen Kolonialzeit Australiens wird demnaechst verfilmt.

Welche Flops in der Buchauswahl hatten Sie schon?

Ein gutes Handvoll, aber es gibt meistens keine Uebereinstimmungen ueber diese. Macht rege Diskussionen! Über einen meiner Favoriten „Der Turm“ (Tellkamp) wurde heftig gestritten. Manche mochten „Der Butt“ (Grass) ueberhaupt nicht. Eine mag nicht daran denken, die Autobiographie von Alma Mahler Werfel vorgeschlagen zu haben. Es ist aber zum Inbegriff von einem Flop geworden und wir lachen noch viel darueber.

Wie erhalten Sie Ihren Spaß?

Siehe oben….wir haben zwei Wochenenden in den Gebirgen verbracht (ja, es gibt die in Australien – ungefaehr zwei Stunden von Canberra). Auch gelegentlich ins Kino gehen…meistens in Zusammenhang mit einem Buch – z.B. Die Vorleserin (Schlink). Es gibt ein deutsches Filmfest hier jedes Jahr und das besuchen wir manchmal als Gruppe.

Welche Tipps können Sie anderen Literaturkreisen geben?

Werdet als Gruppe nicht zu gross und schafft eine Atmosphaere die es jedem erlaubt, seine Meinung zu sagen. Es hilft, wenn alle ein aehnliches Niveau und Literaturgeschmack haben, und keine moechte Krimis oder billige Schmoeker einfuehren.

Haben Sie nette Anekdoten, die Sie mit anderen Literaturkreisen teilen möchten?

Manche von uns kamen sogar mit Neugeborenen zur Lesegruppe, so wichtig war uns die Gruppe von Anfang an.

Gibt es noch etwas Besonderes oder Interessantes über Ihre Gruppe, das Sie gerne erzählen möchten?
Ich weiss nicht wie viele deutsche Lesegruppen es in Australien gibt, aber wir finden uns ziemlich besonders, auf jeden Fall was den „Seltenheitsfaktor“ betrifft.
Die Gruppe ist insbesondere deshalb sehr dynamisch, weil unsere Mitglieder von ihrem Hintergrund sehr unterschiedlich sind, aus verschiedenen Laendern kommen und jede Frau hat wenigstens in einem anderen Land ausser dem Heimatland gelebt. Was uns jedoch verbindet ist das Interesse an der Literatur im allgemeinen und insbesondere das an der deutschen Sprache.

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Die besten Buchempfehlungen und Buchtipps dieses Lesekreises und der anderen Literaturkreise des Monats haben wir für Sie zusammengestellt. » zu den Buchempfehlungen und Buchtipps

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    Neuentdeckung des Monats:

    ‚Das perfekte Leben des William Sidis‘ von Morten Brask

    Er gilt als einer der intelligentesten Menschen aller Zeiten. Man schätzte seinen Intelligenzquotienten auf über 250. Mit 6 Monaten kann er sprechen, mit 18 Monaten bereits eine Zeitung lesen. Mit 6 Jahren beherrscht er 10 Sprachen. Der Amerikaner William Sidis war um 1900 ein Wunderkind.

    Trotzdem kennt ihn heute kaum jemand. Das wird sich hoffentlich nun ändern, denn der dänische Autor und Historiker Morten Brask erzählt in seinem Debütroman das Leben dieses außergewöhnlichen Genies.

    Mit großem Einfühlungsvermögen fühlt er sich dabei in die Psyche seines Protagonisten hinein. Es entsteht das Bild eines einzigartigen Menschen.

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  • Unser Buch des Monats September 2017: ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Buch des Monats:

    ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Einfach so erzählt die Geschichte einer Frau, die in New York zu Hause ist. Sie schreibt Nachrufe für eine Zeitung, lebt mit ihrem Ehemann, einem Künstler, in einem weitläufigen Loft, hat drei aufmüpfige, aber wohlgeratene Kinder, und wenig Außergewöhnliches drängt sich in den Ablauf ihrer Tage. Das Außergewöhnliche liegt in ihr selbst, in ihrer Art, die Umwelt wahrzunehmen.

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