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Literaturkreis der Kirchgemeinde Zürich-Oberstrass

Hat Ihr Literaturkreis einen Namen oder ein sich durch alle Treffen durchziehendes Thema?

Literaturkreis der Kirchgemeinde Zürich-Oberstrass. Wir haben kein durchgehendes Thema.

Wie lange gibt es Ihre Gruppe schon?

In der heutigen Form gibt es die Gruppe seit 2010. Es gab eine kleine Vorgängergruppe (seit ca. 2008). In dieser las man nur neuere Texte, die sich mit biblischen Themen befassten (z.B. Stefan Heym ‚Der König David Bericht‘, Joseph Roth ‚Hiob‘). Diesem früheren Literaturkreis gingen aber relativ rasch die Themen aus.

Ich (Werner Sieg) kam 2010 neu zur Gruppe. Damals beendeten wir diese thematische Einschränkung.

Wie viele Mitglieder haben Sie? Wie viele Männer, wie viele Frauen? Wie alt sind Ihre Mitglieder?

Auf der Mitgliederliste stehen rund 50 Personen, wobei an den Treffen jeweils zwischen 20 und 30 Personen teilnehmen. Es gibt ca. 20 Mitglieder, die praktisch immer dabei sind. Andere kommen, wenn sie der Text, der besprochen wird, besonders interessiert. Es gibt auch Mitglieder, die nur die Informationen erhalten wollen (ein Gründungsmitglied des alten Kreises lebt jetzt in Hongkong, wünscht aber alle Informationen weiterhin).

Der Anteil an Männern macht ca. 25% aus. Zur festen Kerngruppe gehören 7 Männer und ca. 20 Frauen. Die Mitglieder sind mehrheitlich Rentnerinnen und Rentner (Jung-Senioren), die Jüngsten sind ca. 40, die Ältesten über 80.

Wie oft treffen Sie sich? Wo?

Wir treffen uns einmal jeden Monat (normalerweise am letzten Dienstag des Monats von 19.30 bis ca. 21.00 Uhr) im  Haus der Kirchgemeinde Oberstrass in Zürich 6.

Gibt es Speisen oder Getränke auf Ihren Treffen? Wenn ja, was essen Sie (Snacks, warm/kalt, mehrere Gänge)? Wer bereitet das Essen vor?

Es gibt nur Mineralwasser.

Wer leitet die Diskussion? Werden Informationen über den Autor/die Autorin oder das Buch vorbereitet? Wenn ja, von wem?

Ih (Werner Sieg) leite die Diskussion. Informationen über Autor/ Autorin und Werk verschicke ich jeweils ca. einen Monat im Voraus (unmittelbar nach dem Treffen im Vormonat) per Mail und Brief. Diese Informationen werden von mir oder einem Mitglied des Literaturkreises, das sich für den betreffenden Text bzw. Autor besonders stark engagiert, zusammengestellt.

Welche Arten von Büchern lesen Sie?

Es gibt keine Einschränkungen. Wir lasen in den letzten Jahren u.a.

  • klassische Werke (z.B. Kleist ‚Die Verlobung von St. Domingo‘; Heine ‚Deutschland – ein Wintermärchen‘; Büchner ‚Woyzeck‘; Keller ‚Die drei gerechten Kammacher‘; Tschechow ‚Kurzgeschichten‘; Dostojewski ‚Der Spieler‘)
  • klassische Moderne (Camus ‚Der Fremde‘; Kafka ‚Der Process‘; Roth ‚Radetzkymarsch‘; Stefan Zweig ‚Schachnovelle‘)
  • Neuerscheinungen (Dorothee Elmiger ‚Einladung an die Waghalsigen‘; Urs Widmer ‚Reise ans Ende des Universums‘; Jürg Schubiger ‚Nicht schwindelfrei‘)
  • Werke aus der Schweiz (Peter Bichsel, Robert Walser ‚Kurze Texte‘, Friedrich Dürrenmatt ‚Die Physiker‘)
  • Werke aus Deutschland (W.G. Sebald ‚Kurze Texte‘, Schlink ‚Sommerlügen‘)
  • Buchpreisgewinner (Melinda Nadji Abonji ‚Tauben fliegen auf‘; Jonas Lüscher ‚Frühling der Barbaren‘)
  • Kriminalromane (Wolf Haas ‚Brenner und der liebe Gott‘; Friedrich Glauser ‚Wachtmeister Studer‘; Fred Vargas ‚Fliehe weit und schnell‘)
  • fremdsprachige Literatur (Italo Calvino ‚Herr Palomar‘, Irène Nemirovsky ‚Meistererzählungen‘; Alice Munro ‚Tanz der seligen Geister‘; Antonio Tabucchi ‚Erklärt Pereira‘; Philip Roth ‚Nemesis‘; Herman Melville ‚Bartleby‘; Maria Barbal ‚Wie ein Stein im Geröll‘);
  • Gedichte (Mascha Kaleko;  Georg Trakl; Lieblingsgedichte der Mitglieder des Literaturkreises)
  • Werke aus der Tradition der Mystik (Teresa von Avila , ‚Ich bin ein Weib – und obendrein kein gutes‘; Thich Nhat Hanh  ‚Friede mit jedem Atemzug‘ )
  • politische Texte Stéphane Hessel ‚Empört euch!‘; Eveline Hasler ‚Mit dem letzten Schiff‘ 

Wie wählen Sie Ihre Bücher aus? Wird bei jedem Treffen ein neues Buch ausgesucht oder bestimmen Sie die Bücher für mehrere Treffen?

Die Mitglieder machen Vorschläge. Diese werden diskutiert. Dann machen wir ein Programm für ca. ein halbes Jahr. Wir wechseln unsystematisch ab zwischen ‚klassischer‘ Literatur, Schweizer Literatur, Neuerscheinungen, etc. Es werden wenn immer möglich alle, die Vorschläge machen, irgendwann berücksichtigt. Im Sommer wird immer ein grosser, dicker Roman gelesen (Kafka z.B.).

Teilweise erhalten wir auch Anregungen durch kulturelle Veranstaltungen in Zürich (Aufführungen von Büchner, Dürrenmatt, eine Dramatisierung von Melville, in Kürze Horvàths ‚Kasimir und Karoline’ im Schauspielhaus etc. )

Gibt es Bücher, die Sie aufgrund der Diskussion in Ihrer Gruppe anderen  Literaturkreisen empfehlen wollen?

Nein, eigentlich nicht. Es führten alle, wirklich alle, zu anregenden, spannenden Diskussionen. Meistens gehen diese nach unseren Meetings im kleineren Kreis weiter. Natürlich gefällt nicht jedes Werk allen. Aber wir haben die Toleranz, dass man auch einen Krimi liest, wenn dieser ausgewählt wurde, oder ein Werk aus der Mystik, auch wenn einem das vielleicht nicht viel sagt. Es interessiert einen eben auch, was die andern gut und empfehlenswert finden. Und man lernt immer wieder Anderes, Überraschendes kennen. Hinzu kommt, dass der Literaturkreis so gross ist, dass man auch einmal fehlen kann, wenn man keinen Zugang zu einem Werk findet. Oder man kann kommen und einfach zuhören, wenn man das Werk nicht oder nur teilweise gelesen hat.

Welche Flops in der Buchauswahl hatten Sie schon?

Keine.

Wie erhalten Sie Ihren Spaß?

Wir diskutieren, wir akzeptieren unterschiedliche Einschätzungen und Haltungen, wir erfreuen uns an der Lektüre.

Höhepunkte sind besondere Veranstaltungen, die wir selber organisieren – etwa eine Lesung von Gedichten von Robert Walser oder eine Visionierung (DVDs) unterschiedlicher Aufführungen des ‚Woyzeck‘ oder der ‚Physiker‘.

Welche Tipps können Sie anderen Literaturkreisen geben?

Machen Sie das, wozu die Mitglieder in der grossen Mehrzahl Lust haben! Das Durchführen eines festen Programms (z.B. nur Krimis, nur Mystik) ist wenig erfolgversprechend.

Haben Sie nette Anekdoten, die Sie mit anderen Literaturkreisen teilen möchten?

Ich erzähle nur eine und die ist nicht besonders ‚nett‘. Aber sie zeigt, weshalb ich selbst Freude an unserem Kreis habe: Gute Literatur löst bei unterschiedlichen Menschen ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Durch die Lektüre lernen wir uns besser kennen und – so glaube ich – auch besser verstehen.

Wir sprachen über Dorothee Elmigers ‚Einladung an die Waghalsigen‘. In diesem Roman, der in der nahen Zukunft spielt, brennt es überall. Jugendliche versuchen zu fliehen, ihre Eltern sind nicht zu finden. Die ganze Umwelt scheint kaputt zu gehen – das Leben aller ist bedroht.

Wir Schweizerinnen und Schweizer fanden es erstaunlich, dass eine junge Frau aus unserem Land, die 22jährige Dorothee Elmiger, solche Zukunftsvorstellungen beschrieb. Wir fragten uns, wie sie darauf gekommen war, sich die nahe Zukunft so schrecklich vorzustellen. Da meldete sich eine alte Frau, ca. 80jährig. Sie sprach hochdeutsch, nicht Dialekt wie wir andern. Sie sagte: „Aber das ist doch keine Zukunftsbeschreibung. Die Autorin beschreibt die Vergangenheit. Sie beschreibt meine eigene Kindheit. Diese Welt da, das ist mein Hamburg beim grossen Brand im 2. Weltkrieg, 1943. Alles brannte und wir Kinder waren ganz allein und versuchten irgendwohin zu fliehen.“

Gibt es noch etwas Besonderes oder Interessantes über Ihre Gruppe, das Sie gerne erzählen möchten?

Nein, ich war wohl ohnehin schon zu ausführlich.

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Die besten Buchempfehlungen und Buchtipps dieses Lesekreises und der anderen Literaturkreise des Monats haben wir für Sie zusammengestellt. » zu den Buchempfehlungen und Buchtipps

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    Zwei Familien in den USA, die den amerikanischen Traum leben wollen: Die Edwards, die vom Einkommen von Investmentbanker Clark hervorragend leben können und die Jongas, Immigranten aus Kamerun, die in den USA ein besseres Leben suchen. Das Leben der Familien verknüpft sich, als Familienvater Jende bei den Edwards als Chauffeur beginnt. Doch dann kommt die amerikanische Finanzkrise und die Träume beider Familien zerplatzen…

    Imbolo Mbue wurde in Kamerun geboren und lebt seit über 10 Jahren in den USA. Ihr Debütroman wurde 2017 mit dem renommierten PEN/Faulker Literaturpreis ausgezeichnet.

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