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Keine Zeit wie diese

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Persönliche Bewertung:
3,7/5 (3)

Eignung für Lesekreise:
0/5


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Keine Zeit wie diese

Endlich können Jabulile und Steve als Paar zusammenleben. Nach dem Ende des Apartheidregimes, unter dem ihre Liebe verboten war, bauen sie sich ein gemeinsames Leben auf. Doch das neue Südafrika ist keine Insel der Glückseligkeit: Korruption, Gewalt, disparate Besitzverhältnisse, eine große Kluft zwischen Arm und Reich bestimmen die Lebenswirklichkeit. Mit poetischer Präzision benennt Nadine Gordimer die ungelösten Probleme Südafrikas und setzt dagegen das zärtliche Einverständnis zweier Menschen, deren Vertrauen ineinander und in die Zukunft ihres Landes nicht zu erschüttern ist.

Leseprobe ‚Keine Zeit wie diese‘

Mein-Literaturkreis.de Rezension
von Literaturkreismitglied Gerlinde B., Gehrden

„Gordimer entfaltet in ihrem letzten Roman alle Facetten der Möglichkeiten und Probleme für eine neue Gesellschaftsordnung nach Überwindung der Apartheid in Südafrika.“

Bewertung des Buches: ✮ ✮ ✮ ✮ ✰
Bewertung der Eignung zur Diskussion in Literaturkreisen:✮ ✮ ✮ ✮ 

Es ist Gordimers letzter Roman und ihr umfangreiches Alterswerk. Es handelt von der Zeit nach 1994, dem Ende der Apartheid in Südafrika. Der Titel ist sehr treffend gewählt.

Eingebettet in den politischen und gesellschaftlichen Umbruch ist die Geschichte eines Ehepaares, das sich während der Zeit ihres Kampfes im Untergrund kennengelernt hat. Jabu ist eine gebildete schwarze Zulu, Anwältin, Steve ein weißer Universitätsdozent und (nicht gläubiger) Jude. Die inzwischen vierköpfige Familie lebt in guten Verhältnissen in einer Vorstadt Johannesburgs. Ehemalige Kampfgenossen sind ihre Nachbarn. Mit diesen gemeinsam beobachten, diskutieren und bewerten sie im Laufe der Jahre die Entwicklung des Landes unter der schwarzen Regierung. Die niedergeschlagene Anklage gegen Präsident Zuma wegen Korruption und Vergewaltigung, die mangelnde Bildung der schwarzen Studenten an den Universitäten, der Druck auf die in der Mehrheit weiterhin arme Bevölkerung durch ein Heer von Flüchtlingen aus Nachbarländern (Simbabwe z.B.) lassen Jabu und Steve mit dem Gedanken spielen, nach Australien auszuwandern. Sie entscheiden sich schließlich dagegen und stellen sich der Aufgabe, ihren Beitrag zur Verbesserung der Verhältnisse in ihrem Land nach dem ersehnten Ende der Apartheid zu leisten. Es gelingt beiden in ihrem gemeinsamen Leben, die kulturellen Unterschiede ihrer Herkunftsfamilien zu überwinden und ihren Kampf für ein neues Südafrika mit anderen Mitteln weiterzuführen.

Die hochbetagte Nadine Gordimer entfaltet in ihrem letzten Roman alle Facetten der Möglichkeiten und Probleme für eine neue Gesellschaftsordnung nach Überwindung der Apartheid in Südafrika. Die in Frage gestellten Traditionen, Enttäuschungen über die politische Klasse, die sich schamlos bedient und die allgegenwärtige Gewalt beschäftigen sie und beeinflussen ihr Leben.

Es ist ein politischer, schonungsloser Bericht, in der Sprache sehr nüchtern, manchmal fast protokollartig. Sie beschreibt historisch sehr genau (an den Prozess gegen Zuma z.B. erinnerte ich mich) und sie ermöglicht einen Blick ins Innere Südafrikas und seiner Menschen, weitet und schärft den Blick des Lesers auf dieses Land.
Allerdings blieben für mich die beiden Protagonisten Steve und Jabu in ihren Gefühlen seltsam blass und kühl. Dennoch kann man sie als ein gelungenes Beispiel ansehen, als Liebende in einer problematischen Gesellschaft zu bestehen.

Über Nadine Gordimer

Nadine Gordimer, geboren 1923 in dem Minenstädtchen Springs, Transvaal, gehört zu den bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. Jahrzehntelang schrieb sie gegen das Apartheidregime an und setzt sich bis heute mit dessen zerstörerischen Folgen für die schwarze und weiße Bevölkerung auseinander. 1991 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen. Sie starb 2014 in Johannesburg, Südafrika.

Auszeichnungen

  • 1974: Booker Prize
  • 1980: Aufnahme in die American Academy of Arts and Sciences
  • 1985: Nelly-Sachs-Preis
  • 1991: Nobelpreis für Literatur
  • 2001: Primo Levi Preis
  • 2001: American Library Association Notable Book Award
  • 2002: Commonwealth Writers’ Prize (Afrika)
  • 2003: Corine Internationaler Buchpreis
  • 2007: Offizier der Ehrenlegion

Werke (Romane)

  • 1953: The Lying Days. (Deutsch: Entzauberung. 1956)
  • 1958: A World of Strangers. (Deutsch: Fremdling unter Fremden. 1962)
  • 1963: Occasion for Loving. (Deutsch: Anlaß zu lieben. 1983)
  • 1966: The Late Bourgeois World. (Deutsch: Die spätbürgerliche Welt. 1994)
  • 1970: A Guest of Honour. (Deutsch: Der Ehrengast. 1986)
  • 1974: The Conservationist. (Deutsch: Der Besitzer. 1977)
  • 1979: Burger’s Daughter. (Deutsch: Burgers Tochter. 1981)
  • 1981: July’s People. (Deutsch: July’s Leute. 1982)
  • 1987: Sport of Nature. (Deutsch: Ein Spiel der Natur. 1987)
  • 1990: My Son’s Story. (Deutsch: Die Geschichte meines Sohnes. 1991)
  • 1994: None to Accompany Me. (Deutsch: Niemand, der mit mir geht. 1995)
  • 1998: The House Gun. (Deutsch: Die Hauswaffe. 1998)
  • 2001: The Pickup. (Deutsch: Ein Mann von der Straße. 2001)
  • 2005: Get a Life. (Deutsch: Fang an zu leben. 2005)
  • 2012: No Time Like the Present. (Deutsch: Keine Zeit wie diese. 2012)

Erzählbände, Erzählungen

Gordimer hat auch zahlreiche Erzählungen geschrieben. Die letzten Veröffentlichungen:

Essays und Biografisches

  • 1987: Leben im Interregnum. (Essays zu Politik und Literatur)
  • 1995: Writing and Being. (Deutsch: Schreiben und Sein. 1996)
  • 1999: Living in Hope and History. (Deutsch: Zwischen Hoffnung und Geschichte. 1999)

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