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Magic Hoffmann
Diogenes Verlag
EUR 11,00

* * * ½  
2 Bewertungen

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Magic Hoffmann

Fred, Nickel und Annette träumen einen Traum, und der trägt den Namen ›Kanada‹. Dort könnte man leben, wie man will, fischen und fotografieren, weit weg vom Muff der Provinz. Doch von Dieburg nach Vancouver kommt man nicht ohne Umweg. Für Fred führt dieser über den Knast in das Berlin nach dem Mauerfall, wo er Nickel, Annette und sein Geld abholen will. So war’s besprochen – doch ›the times they are a-changin’‹.

Mehr zum Inhalt

›Die Tausendmarkscheine flatterten wie Schwalben am Himmel und drehten im Schwarm ein paar Kreise gegen die untergehende Abendsonne. Als Fred auf zwei Fingern pfiff, kamen sie und schlüpften zurück in seine Hosentasche …‹ Fred, Nickel und Annette – sie sind jung, die Welt – nicht die, in der sie leben – steht ihnen offen. Sie träumen einen gemeinsamen Traum, und der hat einen Namen: Kanada. Dort könnte man leben, wie man will, fischen und fotografieren, weit weg vom Muff der deutschen Provinz. Doch von Dieburg nach Vancouver an der kanadischen Westcoast kommt man nicht ohne Umweg. Für Fred führt dieser über den Knast in das Berlin nach dem Mauerfall, wo er Nickel, Annette und sein Geld abholen will. Sie wollten zusammen nach Kanada, so war’s besprochen – doch ›the times they are a-changin’‹. Jakob Arjouni erzählt über unsere Zeit und dieses Land – und wie einer versucht, sich nicht unterkriegen zu lassen, nicht vom Land und nicht von seinen besten Freunden. Unlarmoyant, treffsicher und leichtfüßig zeichnet er ein Bild der Republik: ein Entwicklungsroman in der Tonlage des Road Movie. Und ein Roman von Format, voller Spannung und Ironie über private und politische Illusionen, über Deutschland, Berlin und die Provinz.

Über Jakob Arjouni

Jakob Arjouni, geboren 1964 in Frankfurt am Main, veröffentlichte Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele. Er war 21 Jahre alt, als sein Frankfurter Privatdetektiv Kemal Kayankaya in ›Happy birthday, Türke!‹ zum ersten Mal ermittelte. Es folgten drei weitere Fälle, für ›Ein Mann, ein Mord‹ (dritter Fall) erhielt Jakob Arjouni 1992 den Deutschen Krimipreis. Seine Romane ›Hausaufgaben‹, ›Chez Max‹ und vor allem der Roman über einen ostdeutschen Nazimitläufer, ›Cherryman jagt Mister White‹, sind mittlerweile Schullektüre. Sein Werk ist in 23 Sprachen erschienen. Er starb am 17. Januar 2013 in Berlin.

Rezension ‚Magic Hoffmann‘ unserer Testleserin Amica aus Marburg

Jakob Arjouni, der mit „Happy Birthday, Türke“bekannt geworden ist, beschreibt in diesem Roman die nicht glückend wollende Reintegration eines ehemaligen jugendlichen Gefängnisinsassen. Der geplante Bankraub sollte mit Freunden ein neues Leben in Kanada ermöglichen und der Protagonist kämpft nach seiner Freilassung um die Erfüllung dieses Traums.
Thematisch wird vieles in dieser Erzählung verbunden: die Tristesse des Lebens in der Provinz, die Veränderung Berlins nach dem Fall der Mauer, das Erwachsenenwerden eines gutgläubigen, naiven Idealisten und seiner Freunde.
Das Ganze ist bisweilen ziemlich schräg, bissig und ironisch. Auf alle Fälle unterhaltsam, wenn auch nicht besonders tiefsinnig.

Rezension ‚Magic Hoffmann‘ unserer Testleserin Claudia Redlich aus Nimshuscheid

Das Leben ist hart und ungerecht.

Arjouni erzählt die Geschichte von Fred, der nach vier Jahren Knast versucht, seinen Traum zu verwirklichen. Dabei muss er nach und nach feststellen, dass seine Freunde Annette und Nickel inzwischen erwachsen geworden sind und den gemeinsamen Plan aufgegeben haben. Wir erleben, wie Fred seine Gefühle der Trauer und Enttäuschung versteckt, auch – und vielleicht vor allem – vor sich selbst, und wie er versucht, das Beste aus der Situation zu machen, dabei aber immer weiter in die Scheiße gerät. Weder gutaussehend noch intelligent und nicht einmal besonders sympathisch gelingt Fred es trotz allem, dass der Leser ihm von Herzen wünscht, dass er es schaffen möge… bis die brutale Realität zuschlägt und alle Hoffnung zunichte macht. Das Leben ist eben keine Apfelweinfarm in Kanada.

Arjouni schreibt locker und spannend. Komik und Tragik liegen bei ihm so dicht beieinander, dass man manchmal nicht weiss, ob man lachen oder schreien möchte. Nur etwa 280 Seiten lang ist dieser Roman, der trotzdem vor Leben strotzt. Arjounis Figuren wirken alle echt, man kann sie verstehen, verachten, lieben und hassen. Und wie nebenbei entsteht ein Bild vom Leben im wiedervereinten Deutschland der frühen 90er. It’s magic, wie Hopeman sagen würde.

Ein Buch, das lange nachwirkt von einem Autor, von dem ich mehr lesen werde – leider ist er 2013 an Krebs gestorben. Wie gesagt, hart und ungerecht.

Nachruf auf Jakob Arjouni

Rede seines Freundes Christian Seiler bei seiner Beerdigung am 26. Januar 2013; veröffentlicht im Diogenes Magazin

Auszeichnungen

  • 1987: Baden-Württembergischer Autorenpreis für das deutschsprachige Jugendtheater für sein Theaterstück ›Nazim schiebt ab‹.
  • 1992: Deutscher Krimi Preis für ›Ein Mann, ein Mord‹.

Weitere Bücher von Jakob Arjouni

Kayankaya-Krimis

  • Happy Birthday, Türke! Kayankayas erster Fall. (1987) (von Doris Dörrie verfilmt)
  • Mehr Bier. Kayankayas zweiter Fall. (1987)
  • Ein Mann, ein Mord. Kayankayas dritter Fall. (1991)
  • Kismet. Kayankayas vierter Fall. (2001)
  • Bruder Kemal. Ein Kayankaya-Roman (2012)

Theaterstücke

  • Die Garagen. Uraufführung 1988.
  • Nazim schiebt ab. Uraufführung 1990.
  • Edelmanns Tochter (1996)

Romane

Kurzgeschichten

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  • Unser Buch des Monats März 2018: Das etruskische Lächeln von José Luis Sampedro

    Unser Buch des Monats:

    ‚Das etruskische Lächeln‘ von José Luis Sampedro

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    Ikarien von Uwe Timm

    Uwe Timm wendet sich in seinem neuen Roman wieder einem historischen Thema von aktueller gesellschaftspolitischer Relevanz zu: Er beschreibt den intellektuellen Werdegang und wissenschaftlichen Forschungsweg des Eugenikers Alfred Ploetz.

    Einem internationalen Publikum bekannt wurde Timm mit seiner Novelle ‚Die Entdeckung der Currywurst‘.
    Übrigens: Von wenigen Autoren empfehlen wir auf unserer Webseite so viele Bücher wie von Uwe Timm.

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    Heinrich Böll

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