• Die Literaturcommunity für Lese- und Literaturkreise und anspruchsvolle LeserInnen.

    • die besten Buchtipps
    • Tipps zur Gründung, Buchauswahl und Diskussion
    • Infos zu Literatursendungen, -festivals und Auszeichnungen


Am Beispiel meines Bruders
dtv Verlagsgesellschaft
EUR 8,90

* * * *  
1 Bewertung

Kaufen mit einem Klick: » Lieblingsbuchhandlung » bei Amazon kaufen » bei Thalia kaufen » bei Borromedien kaufen

Am Beispiel meines Bruders

»Abwesend und doch anwesend hat er mich durch meine Kindheit begleitet, in der Trauer der Mutter, den Zweifeln des Vaters, den Andeutungen zwischen den Eltern. Von ihm wurde erzählt, das waren kleine, immer ähnliche Situationen, die ihn als mutig und anständig auswiesen. Auch wenn nicht von ihm die Rede war, war er doch gegenwärtig, gegenwärtiger als andere Tote, durch Erzählungen, Fotos und in den Vergleichen des Vaters, die mich, den Nachkömmling, einbezogen.« Wer war dieser Karl-Heinz Timm, geboren 1924 in Hamburg, gestorben 1943 in einem Lazarett in der Ukraine? Warum hat er sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet? Wie ging er mit der Verpflichtung zum Töten um? Welche Optionen hatte er, welche Möglichkeiten blieben ihm verschlossen? Wo ist der Ort der Schuld, wo der des Gewissens bei den Eltern, die ihn überlebt haben?

Über Uwe Timm

Uwe Timm wurde 1940 in Hamburg geboren. Er war der Nachzügler in der Familie und stand bei seinem autoritären Vater im Schatten des 16 Jahre älteren Bruders Karl-Heinz, der sich freiwillig zur SS-Totenkopfdivision meldete und 1943 in einem Lazarett in der Ukraine starb. In seiner autobiografischen Erzählung „Am Beispiel meines Bruders“ (2003) unternahm Uwe Timm Jahrzehnte später den Versuch einer literarischen Annäherung an Bruder und Vater. Geschichten faszinierten Uwe Timm von klein auf: Er lauschte dem „Seemannsgarn“ seines Großvaters, einem Kapitän, schlich immer wieder zu seiner Tante ins Hafenviertel, in deren Küche sich Leute aus dem Rotlichtmilieu trafen, und schrieb schon als Schuljunge eigene Geschichten. Er machte eine Kürschnerlehre, die Prüfung bestand er mit Auszeichnung. Nach dem Tod des Vaters leitete er 3 Jahre lang das Kürschnergeschäft, machte dann am Braunschweig-Kolleg sein Abitur und studierte in München und Paris Philosophie und Germanistik. Er promovierte mit einer Arbeit über Albert Camus. Anschließend studierte er Soziologie und Volkswirtschaftslehre.

Den Aufbruch Ende der sechziger Jahre erlebte Uwe Timm als Student aktiv mit – und setzte der Studentenrevolte mit seinem ersten Roman „Heißer Sommer“ (1974) ein literarisches Denkmal. In „Der Freund und der Fremde“ (2007) schreibt Uwe Timm über seine Freundschaft zu Benno Ohnesorg, der 1967 auf der Anti-Schah-Demonstration in Berlin erschossen wurde. Uwe Timm gehört zu den wichtigsten Vertretern der 68er-Generation, die Aufarbeitung dieser Zeit zieht sich durch sein gesamtes Werk. In dem Roman „Kerbels Flucht“ (1980) zerbricht ein Münchner Student und Taxifahrer an der Gesellschaft, und in „Rot“ (2001) lässt Uwe Timm 30 Jahre jüngste deutsche Geschichte Revue passieren. Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen reizen den Autor auch fremde Kulturen: Seine Recherche- und Entdeckungsreisen führten ihn unter anderem bis nach Namibia, Peru und auf die Osterinseln. So handelt der Roman „Morenga“ (1978) vom Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika im Jahre 1904, „Der Schlangenbaum“ (1986) spielt in Südamerika, und in „Vogel, friß die Feige nicht. Römische Aufzeichnungen“ (1989) dokumentiert Uwe Timm einen zweijährigen Aufenthalt in der Hauptstadt Italiens. Heute lebt er in München und Berlin. Uwe Timm ist dem Besonderen im Alltäglichen auf der Spur. Die Ausgangspunkte für seine Bücher sind real:

Kindheitserinnerungen im „Mann auf dem Hochrad“ (1984) oder in der „Entdeckung der Currywurst“ (1993), eine Geschichte über die Kartoffel in „Johannisnacht“ (1996) oder eben auch allgemein gesellschaftspolitische Betrachtungen wie in „Rot“ oder „Kopfjäger“ (1991). Und doch geht es dem Schriftsteller nie um ein getreues Abbild der Wirklichkeit: „Der Erzähler erzählt nicht nur nach, sondern neu und anders, nämlich wie es sein könnte, er erzählt eine andere Wirklichkeit.“

Der Vater von vier Kindern verfasste auch vier Kinder- und Jugendbücher – „Rennschwein Rudi Rüssel“ (1989), sein bekanntestes, wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und fürs Kino verfilmt – und machte in den letzten Jahren mit der „Bubi Scholz Story“ und „Eine Hand voll Gras“ als Drehbuchautor auf sich aufmerksam.

Webseite des Autors: www.uwe-timm.de

Auszeichnungen

Für seine zahlreichen Romane und Erzählungen erhielt Uwe Timm verschiedene Auszeichnungen und Preise. Hier eine Auswahl:

  • 1990 Deutscher Jugendliteraturpreis für Rennschwein Rudi Rüssel
  • 2001 Tukan-Preis für Rot
  • 2001 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
  • 2002 Literaturpreis der Landeshauptstadt München
  • 2003 Schubart-Literaturpreis
  • 2003 Erik-Reger-Preis
  • 2006 Jakob-Wassermann-Literaturpreis
  • 2006 Premio Napoli (für Rot)
  • 2009 Heinrich-Böll-Preis
  • 2009 Heinrich-Heine-Gastdozentur
  • 2012 Carl-Zuckmayer-Medaille
  • 2013 Kultureller Ehrenpreis der Landeshauptstadt München

Bücher von Uwe Timm

Lyrik

  • 1971: Widersprüche. Gedichte und ein Essay. Hamburg.
  • 1977: Wolfenbütteler Straße 53.. Zeit-Gedichte. München.

Prosa

  • 1974: Heißer Sommer. Roman.
  • 1978: Morenga. Roman.
  • 1980: Kerbels Flucht. Roman.
  • 1984: Der Mann auf dem Hochrad. Legende.
  • 1984: Kerbels Flucht. Roman.
  • 1986: Der Schlangenbaum. Roman.
  • 1989: Vogel, friss die Feige nicht. Römische Aufzeichnungen.
  • 1991: Kopfjäger. Bericht aus dem Innern des Landes. Roman.
  • 1993: Erzählen und kein Ende. Versuche zu einer Ästhetik des Alltags.
  • 1993: Die Entdeckung der Currywurst. Novelle.
  • 1996: Johannisnacht. Roman.
  • 1999: Nicht morgen, nicht gestern. Erzählungen.
  • 2000: Die Entdeckung der Currywurst. Neuausgabe mit Zeichnungen von Isabel Kreitz.
  • 2001: Rot. Roman.
  • 2003: Am Beispiel meines Bruders. Erzählung.
  • 2005: Der Freund und der Fremde. Erzählung.
  • 2008: Halbschatten. Roman über Marga von Etzdorf.
  • 2009: Von Anfang und Ende. Über die Lesbarkeit der Welt. Frankfurter Poetikvorlesung.
  • 2011: Freitisch. Novelle.
  • 2013: Vogelweide. Roman.

Kinder- und Jugendbücher

  • 1981: Die Zugmaus. Kinderbuch mit Zeichnungen von Tatjana Hauptmann.
  • 1983: Die Piratenamsel. Kinderbuch mit Zeichnungen von Gunnar Matysiak.
  • 1989: Rennschwein Rudi Rüssel. Kinderbuch mit Zeichnungen von Gunnar Matysiak.
  • 1995: Der Schatz auf Pagensand. Jugendbuch.
  • 2003: Die Zugmaus. Kinderbuch.

Bücher über Uwe Timm

  • Martin Hielscher: Uwe Timm (2007)
  • Martin Hielscher: Uwe Timm Lesebuch. Erzählungen, Essays, Gedichte, Reiseberichte & Reden (2005)

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
*

  • Umfrage

    Woher beziehen Sie normalerweise die Bücher, die Sie in Ihrem Literaturkreis lesen? (Bitte markieren Sie alle zutreffenden Antworten.)

    » Ergebnisse anzeigen

  • UNSER FACEBOOK-LESECLUB

    UNSER NÄCHSTES BUCH:

    +++ BLAUSCHMUCK VON KATHARINA WINKLER +++

    Im Dezember lesen und im Januar diskutieren.

    UNSER AKTUELLES BUCH:

    +++ DIE GESCHENKE MEINER MUTTER VON CECILIE ENGER +++

    Im November lesen und im Dezember diskutieren.

    Jeden Monat ein neues Buch diskutieren.

    >> Zur Anmeldung

  • Thema des Monats: Literaturkalender 2018

    Unser Thema des Monats:

    Literaturkalender 2018

    Kalender sind tolle Geschenke – für andere und sich selbst. Und wer gerne Bücher liest, wird literarische Kalender lieben. Wir stellen über fünfzig Literaturkalender ausführlich vor und verlosen mehrere Kalender-Pakete an Lesekreise:

    »zum Special ‚Literaturkalender‘

    »zu den einzelnen Literaturkalendern

  • Unser Autor des Monats September 2017: Mitch Albom

    Unser Autor des Monats:

    Mitch Albom

    Der Journalist Mitch Albom veröffentlichte vor genau 20 Jahren mit ‚Dienstags bei Morrie‘ die Gespräche mit seinem todkranken Lehrer.

    Inzwischen ist das Buch eines der meistverkauften Titel über Lebenserinnerungen – weltweit wurden über 15 Mio. Exemplare verkauft. Aber auch seine nächsten Bücher, wie beispielsweise ‚Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen‘, sind sehr erfolgreich.

    Wir stellen Mitch Albom ausführlich vor:
    » zum Autor

  • Unsere Neuentdeckung des Monats September 2017: ‚Das perfekte Leben des William Sidis‘ von Morten Brask

    Neuentdeckung des Monats:

    ‚Das perfekte Leben des William Sidis‘ von Morten Brask

    Er gilt als einer der intelligentesten Menschen aller Zeiten. Man schätzte seinen Intelligenzquotienten auf über 250. Mit 6 Monaten kann er sprechen, mit 18 Monaten bereits eine Zeitung lesen. Mit 6 Jahren beherrscht er 10 Sprachen. Der Amerikaner William Sidis war um 1900 ein Wunderkind.

    Trotzdem kennt ihn heute kaum jemand. Das wird sich hoffentlich nun ändern, denn der dänische Autor und Historiker Morten Brask erzählt in seinem Debütroman das Leben dieses außergewöhnlichen Genies.

    Mit großem Einfühlungsvermögen fühlt er sich dabei in die Psyche seines Protagonisten hinein. Es entsteht das Bild eines einzigartigen Menschen.

    Wir stellen das Buch und den Autor ausführlich vor:
    » zum Buch

  • Unser Buch des Monats September 2017: ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Buch des Monats:

    ‚Einfach so‘ von Lily Brett

    Einfach so erzählt die Geschichte einer Frau, die in New York zu Hause ist. Sie schreibt Nachrufe für eine Zeitung, lebt mit ihrem Ehemann, einem Künstler, in einem weitläufigen Loft, hat drei aufmüpfige, aber wohlgeratene Kinder, und wenig Außergewöhnliches drängt sich in den Ablauf ihrer Tage. Das Außergewöhnliche liegt in ihr selbst, in ihrer Art, die Umwelt wahrzunehmen.

    Lily Brett, geboren 1946, ist eine australisch-amerikanische Autorin. Mit diesem Buch, erschienen 1995, wurde sie bekannt.

    Wir stellen das Buch und die Autorin ausführlich vor:
    » zum Buch

  • Werbung Sidebar rechts

    Anzeige

    Für Fans intelligenter Krimis!

    Werbung-Noll-Der-MittagstischNelly kocht für zahlende Mittagsgäste, darunter ein hübscher Elektriker. Leider ist er in Begleitung. Doch die hat eine Allergie …

    Ingrid Noll, die Grande Dame der Krimis, serviert eine Kriminalkomödie.

    » Infos und Leseprobe

    FOLGEN SIE DIOGENES: 
     auf Facebook