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Graphic Novels – Weltliteratur im Comicformat

Strips & Stories Buchhandlung Hamburg,

Strips & Stories Buchhandlung, Hamburg

Graphic Novels sind Bücher, die ihre Geschichte mit den Mitteln des Comics erzählen. Neu ist, dass Klassiker und moderne Literatur umgesetzt und teilweise neu interpretiert werden.

Wir haben alles Wissenswerte zum Thema Graphic Novels zusammengestellt und Interviews mit einem preisgekrönten Illustrator, den Inhabern einer Buchhandlung, die sich auf Comics und Graphic Novels spezialisiert, einem Graphic Novel Book Club sowie dem Programmleiter Graphic Novel eines Verlags geführt.

Und natürlich stehen in unserem Special die Bücher im Mittelpunkt: Wir stellen Graphic Novels vor und geben viele Buchtipps.

Von Kerstin Hämke

Zusammen mit den Verlagen Suhrkamp, Reprodukt, Carlsen, Knesebeck, Galiani, Egmont und der Büchergilde haben wir mehrere Graphic Novel Buchpakete an Lesekreise verlost. Gewonnen haben die Kölner Leseratten, ein deutschsprachiger Lesekreis aus Südtirol/Italien, der Literaturkreis der Buchhandlung vielseitig in Berlin und der Comic-Lesekreis Münster.

Am Anfang war das Wort

Aber noch davor war das Bild. Frühe Kulturen ‚verewigten‘ sich mit ihren Zeichnungen an Höhlenwänden. Leider verschwand das Bild von der ‚Bildfläche‘ – und wurde nur noch zur Illustration des Wortes verwendet. Die ersten Comics erschienen in amerikanischen Zeitschriften und waren einfache Bilderfolgen – wenig mehr als ein gezeichneter Groschenroman. Mehr inhaltliche Tiefe und graphisches Können zeigten später die Comics um die Helden Superman, Asterix & Co.

Der Comic wird erwachsen

Aber die Illustratoren wollten mehr und vor allem wollten sie eigene Geschichten erzählen. Will Eisner zeichnete 1978 eine Sammlung von Kurzgeschichten, die unter dem Titel ‚Ein Vertrag mit Gott‘ erschien und populär wurde. Der Comic war erwachsen geworden. Und erhielt mit ‚Graphic Novels‘ – auf deutsch: graphische Romane – eine eigene Bezeichnung, auch um sich von den Comics zu emanzipieren. ‚Maus‘, eine Holocaustparabel von Art Spiegelmann (der dafür 1992 den renommierten Pulitzer-Literaturpreis erhielt) und ‚Persepolis‘ von Marjane Satrapi (das eine Kindheit im Iran thematisiert) öffneten die gezeichneten Geschichten einem größeren und neuen Publikum und zählen heute zu den Klassikern des Genres. Inzwischen sind die Graphic Novels auch in Deutschland angekommen. Und Illustratoren wie Reinhardt Kleist, Flix, Nicolas Mahler, Mawil, Ulli Lust und andere haben sich auch international einen Namen gemacht. Die Fülle der Themen ist dabei groß und reicht von Politik und Geschichte über Krimis und Biographien bis hin zu literarischen Adaptionen.

Aber was ist eine Graphic Novel? Und wie unterscheidet sie sich von den Comics?

Ist eine Graphic Novel ein grafischer Roman? Ein illustriertes Buch? Oder ein Comic für Erwachsene? Zumeist wird mit dem Begriff, der Ende der 70er Jahre in den Vereinigten Staaten seinen Ursprung hat, ein Comic in Buchformat bzw. ein Buch, das seine Geschichte mit den Mitteln des Comics erzählt, verstanden. Und immer wieder kommt die Frage auf, wie man Graphic Novels und Comics unterscheiden kann. Grundsätzlich gilt: „Jede Graphic Novel ist ein Comic, aber nicht jeder Comic ist eine Graphic Novel“, stellt Hans Ebert von der Comic- und Graphic Novel-Buchhandlung Strips & Stories klar. (» zum kompletten Interview) Graphic Novels stehen also nicht in Konkurrenz zu Comics, sondern sind vielmehr eine besondere Form dieser Literaturgattung. Für eine Graphic Novel müssen mehrere der folgenden Kriterien zutreffen: (Quelle der Kriterien: www.egmont-graphic-novel.de/graphic-novels-hintergruende/)

  • Das Werk ist für eine ältere Leserschaft geschrieben.
  • Der Autor hat großen Einfluss auf das Werk. Der Einfluss des Verlags tritt deutlich hinter dem des Autors zurück.
  • Das Buch wird meist im Buchhandel verkauft, nicht wie die Comics am Kiosk.
  • Das Werk ist nicht an ein Standardformat gebunden (z. B. an das Format der US-Comichefte oder der französischen Alben), sondern kann davon abweichen.
  • Das Werk ist meist abgeschlossen.
  • Das Werk ist nicht an ein bestimmtes Genre wie z. B. Fantasy oder Science-Fiction gebunden, sondern ein Thema steht im Vordergrund.

Traditionsverlage haben Graphic Novels für sich entdeckt

Anfangs wurden Comics in reinen Comic-Verlagen veröffentlicht, später entstanden Verlage wie Reprodukt, Carlsen oder Egmont, die Comics und/oder Graphic Novels als einen verlegerischen Schwerpunkt sahen.

Neu ist, dass zunehmend Traditionsverlage wie Suhrkamp, Knesebeck, Galiani oder die Büchergilde das Genre für sich entdeckt haben. Ein Zusatzgeschäft für die Klassiker des Verlages oder eine literarische Einstiegshilfe für ein jüngeres Publikum? Überraschenderweise findet jedoch gerade ein etwas älteres und gehobenes Publikum Gefallen an den gezeichneten Geschichten.

So sieht das auch Marc Schmid, Lektor für das Graphic Novel Programm des Knesebeck Verlags: Für ihn sind Graphic Novels eine Möglichkeit „…Comics auch einem traditionelleren Publikum antragen zu können, das die Entwicklung des Comics der letzten 30 Jahre zu einer gewissen künstlerischen Höhe und literarischen Tiefe nicht verfolgt hat.“ (» zum kompletten Interview) Denn in den aufwendig erstellten Bildbänden werden die Klassiker und ihre Leser ernst genommen. Und oft gelingt es den Künstlern die Weltliteratur neu zu interpretieren.

mahler-nicolas-selbstportraitUnd das funktioniert: Graphic Novels werden vom literarischen Publikum zunehmend ernst genommen. Das zeigt auch der Preis der Literaturhäuser, der 2015 nicht an einen ‚klassischen‘ Autor, sondern an Nicolas Mahler, einen Illustrator, ging. Mahler ist u.a. bekannt für seine kreative und eigensinnige Umsetzung eigener Ideen, aber auch von ernsthafter Literatur wie der Adaption von Werken von Thomas Bernhard, Robert Musil oder Lewis Caroll. „Vor 10 Jahren wäre so ein Preis für einen Comiczeichner noch unmöglich gewesen.“ freut sich Mahler über den Literaturpreis. (» zu unserem kompletten Interview mit Mahler)

Graphic Novels in Literaturkreisen ‚lesen‘?

Wie Literaturverfilmungen oder Hörbücher können auch Graphic Novels Literaturkreisen neue Seiten an alten (Literatur)-Stoffen aufzeigen. Sie müssen sich nur trauen! Graphic Novels lassen sich gut allein lesen oder als Kombination mit dem ursprünglichen literarischen Text.

„Bei Klassikern, gerade wenn schon viele Teilnehmer des Literaturkreises sie kennen, kann man sich natürlich sehr gut auf die Adaption und die Umsetzung, also auch die grafischen Gestaltung und den Stil konzentrieren und diskutieren, wie dieser die Erzählung beeinflusst, ihr eine andere Richtung oder einen Mehrwert gibt.“ so der Tipp von Knesebeck-Lektor Marc Schmid.

Lernen Sie Graphic Novels kennen: Lesen Sie in Ihrem Literaturkreis eine Graphic Novel zusammen mit dem Roman, auf dem sie basiert!

Buchtipps und Diskussionsfragen

Lesen Sie einen Roman und die darauf basierte Graphic Novel und diskutieren Sie beide: Wir haben für Sie eine Liste mit 17 empfehlenswerten Buch-Kombis Roman + Graphic Novel zusammengestellt: » zu den Kombi-Buchtipps

Ihr Literaturkreis möchte gleich eine eigenständige Graphic Novel diskutieren? Unsere Buchvorschläge finden Sie hier: » zu den Graphic-Novel-Buchtipps

Wie diskutiert man eine Graphic Novel im Literaturkreis? Wir haben Diskussionsfragen zusammengestellt: » zu den Diskussionsfragen für Graphic Novels

Unsere Interviews ‚5 Fragen an…‘ zum Thema Graphic Novels

5 Fragen an Nicolas Mahler, mehrfach preisgekrönter Illustrator von Comics, Graphic Novels und Trickfilmen

5 Fragen an Marc Schmid, Lektor des Graphic Novel Programm des Knesebeck Verlags

5 Fragen an die Besitzer der Buchhandlung Strips & Stories, Hamburg

Graphic Novel Book Club

In unserer Reihe ‚Literaturkreis des Monats‘ stellt sich auch ein Graphic Novel Book Club aus Oregon / USA vor, der ausschließlich Graphic Novels / Comics liest. Organisiert wird der Book Club über eine öffentliche Bücherei, die auch von jedem ausgewählten Buch genügend Exemplare für alle Book Club-Mitglieder kauft. Lernen Sie diese interessante Gruppe kennen: »zum Porträt

Weiterführende Infos zum Thema ‚Graphic Novels‘

– Bücher
The Graphic Canon: Weltliteratur als Graphic Novel (Galiani Berlin)
Kafka von David Zae Mairowitz & Robert Crumb (Reprodukt Verlag): Einblick in Wesen und Werk von Franz Kafka

– Links
Ausführlicher Artikel: www.brandeins.de/uploads/tx_brandeinsmagazine/150_b1_05_12_comics.pdf
Gemeinschaftsseite mehrerer Verlage: www.graphic-novel.info
Wikipedia-Seite: https://de.wikipedia.org/wiki/Graphic_Novel

– Videos
NDR-Kulturjournals (Dauer: 6 Minuten)

Graphic Novels – Der Comic im Feuilleton (ZDF)(Dauer: 2 1/2 Minuten)
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2385778/Graphic-Novels-Der-Comic-im-Feuilleton-#/beitrag/video/2385778/Graphic-Novels-Der-Comic-im-Feuilleton-

Video der ZDF-Sendung aspekte zur Geschichte der gezeichneten Geschichten (Dauer: 6 Minuten)

  • Unsere Neuentdeckung des Monats Mai 2018: Trennung von Katie Kitamura

    Unsere Neuentdeckung des Monats:

    Trennung von Katie Kitamura

    Unsere Testleserin war begeistert: „… ein grandioser Roman über das Ende einer Ehe und über das Abschied nehmen.“

    Katie Kitamura wurde als Tochter japanischer Immigranten 1979 in den USA geboren. Sie arbeitet als Journalistin und Autorin.

    Trennung ist ihr fünftes Buch, aber das erste, das auf Deutsch erschienen ist. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung.

    Wir stellen das Buch und die Autorin ausführlich vor:
    » zum Buch

  • Unser Buch des Monats Mai 2018: Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro

    Unser Buch des Monats:

    ‚Was vom Tage übrig blieb‘ von Kazuo Ishiguro

    Stevens ist Butler in einem englischen Landhaus. Würde ist ihm wichtig; sein Beruf geht ihm über alles. Leider verpasst er dadurch auch eine mögliche Liebe.

    1993 wurde der Roman verfilmt mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen.

    Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki/Japan geboren, lebt seit seinem sechsten Lebensjahr in Großbritannien. ‚Was vom Tage übrig blieb‘ ist sein bekanntester Roman. Ishiguro erhielt 2017 den Literaturnobelpreis.

    Wir stellen das Buch und den Autor ausführlich vor und verlosen ein Buchpaket an einen Lesekreis:
    » zum Buch

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  • Unser Autor des Monats März 2018: Heinrich Böll

    Unser Autor des Monats:

    Heinrich Böll

    Böll gilt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. In seinen Werken setzte er sich vor allem mit der jungen Bundesrepublik auseinander.

    1972 erhielt Böll den Literaturnobelpreis. Letzten Dezember hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

    Wir stellen Heinrich Böll ausführlich vor und verlosen mehrere Buchpakete vom dtv-Verlag an Lesekreise:
    » zum Autor